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Wehrlos

FC mit voller Wucht in die Krise

Von Stephan Klemm, 20.02.12, 07:59h, aktualisiert 25.02.12, 15:03h

Die 1:2-Niederlage des 1. FC Köln gegen Nürnberg zeigte viele Schwachstellen der Elf von Stale Solbakken auf. Doch nicht nur auf dem Platz gibt es Probleme, auch neben dem Rasen wird es im Verein zunehmend unruhiger.

1. FC Köln
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Moment der Entscheidung: Pekhart (mitte) kommt vor Geromel an den Ball - Tor zum 2:1. (Bild: Dahmen)
1. FC Köln
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Moment der Entscheidung: Pekhart (mitte) kommt vor Geromel an den Ball - Tor zum 2:1. (Bild: Dahmen)
NÜRNBERG - Der aktuelle Zustand des 1. FC Köln ist auf dem zerstückelten Rasen des Nürnberger Stadions zu besichtigen.

Das Personal des Vereins präsentiert sich so: hoffnungslos, wehrlos, geschlagen. Ein paar Spieler liegen auf dem Platz, Kapitän Pedro Geromel hält sich die Hände vors Gesicht, Stürmer Milivoje Novakovic sinkt in sich zusammen und tritt ein Luftloch.

Deutlich vor dem Abpfiff, noch sind zwar fünf Minuten zu spielen, aber gerade ist das entscheidende Gegentor gefallen, eine Reaktion ist in dieser Situation nicht mehr möglich: 2:1 für den 1.FC Nürnberg, so bleibt es, was die facettenreichen Probleme der Kölner verstärkt.

Verbucht wurde die vierte Niederlage im fünften Rückrundenspiel, die Partie vor der Winterpause hatte der FC auch noch verloren. Torhüter Michael Rensing sagt: „Zum Glück sind ein paar Mannschaften noch schlechter als wir. Spätestens jetzt sind wir im Abstiegskampf.“

Formkurve sackt nach unten

Der FC hat eine grausige Auswärtsleistung geboten. In Nürnberg trafen sich zwei ängstliche Mannschaften ohne Ideen, und von diesen beiden schwachen Teams stellten die Kölner die deutlich schlechtere Elf.

Seit Saisonbeginn besitzt der norwegische Trainer Stale Solbakken die Verantwortung für die sportliche Entwicklung in Köln, doch gerade im Moment ist noch nicht einmal Stagnation zu verzeichnen. Die Formkurve sackt nach unten, in dieser bedenklichen Disziplin präsentiert sich der 1. FC  Köln ausnahmsweise einmal einheitlich.

Solbakkens Credo ist es, Lockerheit und Entspanntheit vorzuleben, er ist ein Entertainer, wie es ihn auf dieser Position in dieser Stadt lange nicht mehr gab. Doch in der aktuellen Krise scheinen ihm die Maßnahmen und Ideen auszugehen. Jetzt sagt er: „Ich bin hier, um Punkte zu holen. Das klappt im Moment nicht. Daran müssen wir arbeiten.“ Wie er arbeiten will, was er mit seinem Kader noch anstellen oder anders machen kann – darüber spricht Solbakken nicht.

Konflikte auf und neben dem Platz

Allerdings schätzt Solbakken offene Analysen. Die aktuellen Fehler ergeben eine lange Liste: „Wir haben Schwierigkeiten mit den Automatismen in der Offensive.“ In Nürnberg sah das so aus: Lange, hohe Bälle aus dem Halbfeld nach vorne. Mit solchen Pässen kann Novakovic nichts anfangen.

Hinzu kommen: „Taktische Fehler, wir hätten besser den Ball kontrollieren müssen. Wir spielen mit Angst, uns fehlt Selbstvertrauen, es mangelt an Glück.“ Und: „Im Moment haben wir nicht die Qualität, um enge Spiele zu gewinnen. Wir haben jetzt zweimal kurz vor Schluss verloren.“ Gegen Hamburg und in Nürnberg, beide Male patzte am Ende einer Fehlerkette auch noch Pedro Geromel, diesmal konnte er einen Kopfball von Pekhart nicht verhindern.

Die sportliche Situation ist bedenklich, die abseits des Platzes hat in den vergangenen Wochen mit dem offen ausgetragenen Konflikt zwischen Solbakken und Sportdirektor Volker Finke, den Undiszipliniertheiten im Team und einem heftigen Streit im Training zwischen Co-Trainer Wiggen und Spieler Sascha Riether ebenfalls sehr gelitten.

Spieler dürfen zum Rosenmontagszug

Solbakken ist darüber enttäuscht, doch er versieht seine leitende Position mit Milde. Am Rosenmontag dürfen seine Profis feiern: „Die Spieler wissen, wo ihre Grenze ist. Sie sollen nicht zu Hause sitzen.“

Novakovic, der in seinem 100. Bundesliga-Spiel mit seinem dritten Saisontor das 1:1 erzielte (66., zuvor hatte Esswein die Nürnberger noch in der ersten Halbzeit in Führung gebracht), mahnt allerdings deutlich „mehr Geschlossenheit auf dem Platz“ an. In der ersten Halbzeit „war das viel zu wenig, was wir gemacht haben. Das tut schon weh.“ Das Prinzip der Mondbälle konnte der Slowene gar nicht nachvollziehen: „Da müssen wir mehr spielen. Auch vor dem 1:2.“

Solbakken und Novakovic monieren gemeinsam, dass das Team diese Situation nicht richtig geklärt habe. „Ein Ball, den wir sicher hatten, spielen wir zum Torwart, danach ist er weg, und wir verlieren das Spiel“, bilanziert Solbakken. Aber auch das ist ja letztlich nur ein weiteres Symptom einer Niederlagenserie.

Warten auf Podolski-Comeback

Solbakken wird in der Trainingsarbeit weiter auf seine bewährten Mittel setzen: Spielen lassen, Lauf- und Passwege einstudieren. Die Vereins-Chefs registrieren das, sie verhalten sich einstweilen ruhig, weil die Abstände zu den Abstiegsrängen noch komfortabel aussehen.

Vielleicht wird auch auf Aktionismus verzichtet, weil die Rückkehr des am Fuß verletzten Lukas Podolski bald schon bevorsteht. Zurzeit steigert der Nationalspieler täglich sein Lauftraining. Ob es für einen Einsatz am kommenden Samstag gegen Leverkusen reicht – Solbakken ist vorsichtig: „Er kehrt diesmal nicht zu früh zurück.“

Andererseits wird beim FC niemand so sehr gebraucht wie Podolski. In Nürnberg hat Novakovic noch von einer Vision erzählt: „Warum können wir nicht mal zweimal in Folge gewinnen? Dann wäre endlich Ruhe.“ Kurze Pause. Und dann kommt schon die Antwort: „Das geht in Köln leider nicht.“



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