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Nach Derby-ChoreografieFC will auf Wutbrief des Innenministers reagieren – Oliver Seeck antwortet „Leverkusen-Fan“ Reul

Lesezeit 3 Minuten
Die umstrittene Choreographie der Kölner Fanszene.

Die umstrittene Choreographie der Kölner Fanszene.

Auf ein Kölner Fan-Banner im Spiel gegen Düsseldorf folgte ein Brandbrief von Innenminister Reul. Der FC will reagieren und auch beim DFB Stellung nehmen.

Nach der umstrittenen Fan-Choreografie im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf und einem kritischen Brief von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) ist der 1. FC Köln offen für einen Dialog. Das Schreiben des Ministers an FC-Geschäftsführer Christian Keller sei inzwischen beim Verein eingegangen und soll beantwortet werden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag.

Der FC steht demnach auch einem Austausch mit Reul offen gegenüber. FC-Präsident Werner Wolf hatte unabhängig von dem Brief bereits am Dienstag telefonischen Kontakt mit dem NRW-Innenminister. Eine Stellungnahme zu dem Brief wollte Keller auf Anfrage aber nicht abgeben.

Reul hatte sich in seinem Schreiben an den Geschäftsführer empört über ein riesiges Banner gezeigt, das Kölner Fans vor dem Rheinderby gegen Fortuna Düsseldorf (1:1) am Sonntag im Stadion präsentiert hatten.

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Darauf war ein Mann mit einer Krawatte im FC-Design zu sehen, der der Glücksgöttin Fortuna ein großes Messer an den Hals hält. Dazu standen die Worte: „Glück ist kein Geschenk der Götter“ - über Lautsprecher lief dazu ein hämisches Lachen.

DFB-Ermittlungen bestätigt – FC kündigt Stellungnahme an

Er sei „entrüstet“ darüber, dass die FC-Verantwortlichen „die entsprechende Darstellung im Vorfeld sogar genehmigt haben“, so Reul in dem Schreiben. „Um es klar zu sagen: Sie als Verantwortliche eines Profi-Fußballvereins haben auch die Aufgabe, im Stadion für Sicherheit zu sorgen und sich im Rahmen der Fanarbeit für Deeskalation einzusetzen. Mir ist schleierhaft, wie sich dieser Auftrag mit der in diesem Fall getroffenen Entscheidung vereinbaren ließe“, schreibt Reul.

Mittlerweile hat auch der Deutschen Fußball-Bund ein Ermittlungsverfahren gegen den Club eingeleitet. Wie der 1. FC Köln der bestätigte, sei der Verein über die DFB-Ermittlungen informiert und zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Dem werde man nachkommen.

Oliver Seeck nutzte Reuls Brief an Weiberfastnacht als Anlass für eine Entgegnung. Der SPD-Politiker, Vorsitzender des Sportausschusses der Stadt Köln und ein guter Kenner der Fußballbranche, stellte fest, dass er wie Reul jede Form von Gewalt ablehne: „Ihre Sorgen teile ich. In diesem Zusammenhang bin ich auch der Meinung, dass die fragliche Choreografie beim Rheinderby nicht von Vereinsseite hätte genehmigt werden dürfen. Solche Darstellungen haben im Fußballstadion keinen Platz“, schrieb Seeck, sprach aber auch Reuls Unterstützung für Bayer 04 Leverkusen an: „Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass diese Haltung unabhängig von der jeweiligen Vereinszugehörigkeit konsequent vertreten wird. In der Vergangenheit kam es bei mehreren Spielen in den Fankurven von Bayer 04 Leverkusen zu Veröffentlichungen, die Anhängerinnen und Anhänger sowie den 1. FC Köln als Verein diskreditierten“, schrieb Seeck: „Daher interessiert mich, ob Sie in diesen Fällen ebenfalls mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen von Bayer 04 Leverkusen herangetreten sind.“

Er wünschte sich „die gleiche Konsequenz im Umgang mit problematischen Fanauswüchsen“ – und formulierte ein Gesprächsangebot: „Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, den Fußball als das zu erhalten, was er sein sollte: ein Ort der Leidenschaft, des Respekts und der Fairness – für alle.“ (oke, dpa)