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Internationale ErmittlungenSchlag gegen Kinderpornografie - Reul für mehr Befugnisse

Lesezeit 3 Minuten
Strafverfolgungsbehörden brauchen aus Sicht des NRW-Innenministers Herbert Reul mehr Befugnisse. (Archivbild)

Strafverfolgungsbehörden brauchen aus Sicht des NRW-Innenministers Herbert Reul mehr Befugnisse. (Archivbild)

Ein internationaler Schlag gegen die Kinderpornografie-Plattform «Kidflix» reicht bis nach Nordrhein-Westfalen. Innenminister Herbert Reul (CDU) verlangt mehr Befugnisse für Strafverfolger.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat nach dem Schlag gegen die Kinderpornografie-Plattform „Kidflix“ erneut mehr Befugnisse für Strafverfolgungsbehörden angemahnt. „Wenn wir jetzt endlich mit der Verkehrsdatenspeicherung vorankommen, sind die IP-Adressen von Pädokriminellen nicht mehr sicher“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel“ (Donnerstag). 

„Für Verbrecher wie diese darf es keinen sicheren Hafen geben, weder im Darknet noch in Tor-Netzwerken“, forderte der Minister. Sogenannte Tor-Netzwerke dienen der Anonymisierung von Verbindungsdaten. „Sich an unseren Kindern zu vergehen ist das größte Verbrechen, das Menschen begehen können. Damit Geld zu verdienen, ist widerwärtig“, betonte Reul. 

Auch in NRW waren im Rahmen des größten Einsatzes gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in Europa missbrauchte Kinder entdeckt und in Schutz genommen worden. Nach Angaben des Landeskriminalamts NRW sind im Zusammenhang mit „Kidflix“ in Nordrhein-Westfalen 27 Verfahren anhängig. 

Mammut-Aufgabe für Spezialermittler

Die seien juristisch höchst komplex, sagte der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) in Köln, Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, im „Morgenecho“ von WDR 5. „Das ist eine riesige Herausforderung.“ Schließlich müssten jeder einzelnen Anklage konkrete Bilder oder Videomaterial zugrunde gelegt und beschrieben werden, was genau strafrechtlich relevant sei. Gleichzeitig sei der Schutz akut von Missbrauch betroffener oder bedrohter Kinder zu gewährleisten.

Angesichts der enormen Datenmengen müssten zunehmend automatisierte Auswerte-Instrumente und Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, schilderte Hartmann. Jetzt gehe es vor allem darum, die Identität der Tatverdächtigen zu entschlüsseln, die sich im Darknet unter Pseudonymen tummelten. „Da ist also sehr viel Ermittlungsarbeit zu leisten.“

Seit in NRW vor rund sechs Jahren die ersten großen Tatkomplexe rund um Lügde und Bergisch Gladbach bekanntgeworden seien, habe sich die Aufklärung dank spezialisierter Ermittler weiterentwickelt, stellte der Staatsanwalt fest. Spezialeinheiten wie im ZAC gebe es inzwischen auch in anderen Bundesländern. 

Kindesmissbrauch ist kein Nischen-Phänomen

„Diese Spezialisierung, die Vernetzung, die Konzentration auf dieses Delikt-Feld haben sehr deutlich gemacht, dass wir nicht von einem Nischen-Phänomen reden oder von einem untergeordneten Kriminalitätsfeld, sondern wirklich von einem Bereich, der die strafrechtliche Aufmerksamkeit dringend erfordert“, unterstrich Hartmann. „Wenn wir die Ressourcen der Strafverfolgung in diesem Bereich konzentrieren, (...) und wenn wir auf die Expertise und Exzellenz aufbauen, die in diesen spezialisierten Ermittlungseinheiten vorhanden ist, dann haben wir durchaus eine Chance, solche Erfolge zu erzielen.“

Ermittler hatten die Darknet-Plattform „Kidflix“ abgeschaltet, die von rund 1,8 Millionen Menschen genutzt wurde. Rund 1.400 Verdächtige wurden bislang weltweit identifiziert. In Deutschland fanden in 13 Bundesländern 96 Durchsuchungen statt. Bundesweit wird gegen 103 Verdächtige ermittelt, wie das federführende LKA in München berichtet hatte.

Reul sagte im WDR, viel Ausdauer und internationale Vernetzung seien die Voraussetzungen, um solche Strukturen zu zerschlagen. „Das ist ein Riesenerfolg.“ (dpa)