Belastetet WasserleitungenBewohner in Bayenthal haben Angst vor Legionellen

Sabine Behrenbeck fordert Vermieter Vonovia auf, die Leitungen zu desinfizieren.
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Köln-Bayenthal – Die Gefahr lauert irgendwo in den Rohrleitungen. Man kann sich gut vorstellen, welch ungutes Gefühl die Eheleute Sabine Behrenbeck (57) und Jürgen Focks (54) bei jeder Dusche, bei jedem Tee haben müssen, den sie sich im Wasserkocher aufbereiten.
Denn das Paar wohnt seit Monaten in einem Wohnhaus im Bayenthaler Klerschweg, dessen Leitung mit Legionellen hoch belastet ist. Gilt schon eine Konzentration der Erreger von 101 Kolonie bildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter als problematisch, weisen die Proben in den Häusern 3, 5 und 7 Werte von bis zu unglaublichen 30 000 KBE auf.
Mieter sehen sich gefährdet
Mit Legionellen ist nicht zu spaßen. Das Berliner Robert-Koch-Institut registrierte 2017 insgesamt bundesweit 1282 Legionellen-Fälle, der Verein Capnetz geht sogar von 15 000 bis 30 000 Fällen pro Jahr aus. Gefährlich sind die Dämpfe mit den Bakterien, die etwa beim Duschen eingeatmet werden können. Besonders anfällig für Lungen-Erkrankungen, die Legionellen auslösen können, sind Kinder, Senioren, Menschen mit schwachen Immunsystem sowie Asthmatiker wie Sabine Behrenbeck. „Ich habe Angst um meine Gesundheit“, sagt die 57-Jährige. Gegen den Vermieter Vonovia hat Behrenbeck nun Strafanzeige gestellt.

Wasserfilter sollen die Bakterien, die womöglich auch in den Kellerrohren sind, beseitigen.
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Sie und Partner Focks leben seit Februar 2017 in der Bayenthaler Wohnanlage – mit weiteren 30 Mietparteien. Schon seit 2016 gebe es im Wohnungen am Klerschweg ein Legionellenproblem, räumt Vermieter Vonovia in einem Schreiben an den „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein. Dies habe Vonovia aber erst im April, zwei Monate nach dem Einzug, mitgeteilt, sagt Behrenbeck. Damals habe der Legionellenwert bei 300 KBE gelegen. Im Juni habe Vonovia ihr schriftlich erläutert, dass Warmwasserspeicher, Schläuche und Eckventile in der Wasseranlage ausgetauscht worden seien. Dennoch schoss der Legionellenwert auf bis zu 1700 KBE in die Höhe. Im Oktober 2017 wurden Werte von bis zu 3100 KBE erreicht, im April 2018 wurden dann sogar bis zu 30 000 Legionellen festgestellt.
Behrenbeck und Focks sind empört über das Krisenmanagement der Vonovia: „Hier und da werden Schrauben und Rohre ausgewechselt, aber die Werte werden immer schlechter.“ Am 17. April habe der Vermieter ein Duschverbot verhängt und in einigen Wohnungen Sterilfilter eingebaut, die die Legionellen am Wasserhahn beziehungsweise Duschkopf zurückhalten sollen. Die Vonovia wiederum weist darauf hin, dass seit 2016 zahlreiche Maßnahmen gegen den Legionellenbefall durchgeführt worden seien. So seien zunächst Zirkulationspumpen erneuert, befallene Endstellen ausgetauscht sowie die Speichertemperatur nachjustiert worden. Legionellen gedeihen gut in warmen Wassertemperaturen, mögen aber nicht Hitze über 60 Grad Celsius.
Gesundheitsamt informiert
Als Teil einer Gefährdungsanalyse habe das Unternehmen unter anderem Kellerleitungen entfernt, Leitungen gedämmt, Lecks beseitigt, Sterilfilter installiert. Das Gesundheitsamt sei über alle Maßnahmen informiert worden. „Wir unternehmen hier alles, jedoch nimmt es bei einer Wohnanlage dieser Größe eine gewisse Zeit in Anspruch“, so Vonovia-Sprecherin Bettina Benner. Hieß es zunächst, das Problem liege in den Rohren, geht die Vonovia derzeit davon aus, dass ein Großteil der Kontaminationen aus den Gäste-Toiletten stamme, die zu wenig genutzt würden. Dort könnten sich die Bakterien ungestört sammeln. „Um dies zu prüfen, erfolgt eine Messung der Temperaturen bei allen Mietern an jeder Entnahmestelle.“
Trinkwasser
Der Kölner Mieterverein weist auf eine unklare Gesetzeslage in der Trinkwasserschutzverordnung in Bezug auf das Thema „Legionellen“ hin, die aus dem Jahr 2014 stamme. „Die Rechtsprechung ist damit noch sehr jung und die Gerichte urteilen unterschiedlich“, sagt Sprecher Jörg Hänsel. Solange der Vermieter nachweisen könne, dass er etwas gegen die Legionellen unternehme, sei er auf der sicheren Seite.
Als letztes Mittel müsse aber auch eine chemische Reinigung in Betracht gezogen werden. Mieter, die über keinen Filter verfügten und nicht duschen könnten, hätten allerdings die Möglichkeit, die Miete um 20 Prozent zu mindern. (ris)
Focks und Behrenbeck fordern dagegen weitere Maßnahmen: Die gesamte Wasseranlage müsse entweder thermisch oder chemisch desinfiziert werden. Vonovia hält dagegen: Thermisch könne die Anlage nicht gereinigt werden, weil es sich bei den Stahlrohren um verzinkte Leitungen handele. Das Zink könne bei Temperaturen über 70 Grad aber beschädigt werden. Bei einer chemischen Desinfektion müssten wiederum alle Mieter vor Ort sein. „Zudem ist der Großteil der Gesundheitsämter gegen eine chemische Zugabe in das Trinkwasser, somit ist diese Erstmaßnahme keine Option.“
Das Gesundheitsamt will sich zum konkreten Fall nicht äußern – aus Datenschutzgründen. Generell heißt es, müsse ein Vermieter bei einer hohen Kontamination über 10 000 KBE „unverzüglich einen Nachweis über getroffene Sofortmaßnahmen vorlegen“. Die Ergebnisse der weitergehenden Untersuchung und der Nachweis über die Erstellung einer Gefährdungsanalyse seien innerhalb von vier Wochen vorzulegen. Setze der Betreiber die Maßnahmen nicht um, werde eine Ordnungsverfügung gegenüber dem Betreiber erlassen. Darin wird die unverzügliche Umsetzung der Sofortmaßnahmen – Nutzungseinschränkung wie Duschverbot oder Sterilfilter-Einbau, Desinfektion und Information der Nutzer – unter Androhung von Zwangsmitteln gefordert.