Die Persiflagewagen des Kölner Rosenmontagszugs sind beim offiziellen Richtfest vorgestellt worden. Das sind die Highlights unter den Mottowagen.
Weidel, Wagenknecht und TrumpDiese Persiflagen rollen beim Rosenmontagszug durch Köln

Sorgt schon vor Rosenmontag für Diskussionen: Eine Persiflage zum Missbrauch in der Kirche.
Copyright: Alexander Schwaiger
„Jesus liebt dich“ – diese Aufschrift auf einer Persiflage des Kölner Rosenmontagszugs sorgte in den vergangenen Tagen für Diskussionen. Und auch beim Richtfest in der Wagenbauhalle des Festkomitees Kölner Karneval am Dienstagmittag steht das Thema weiter im Mittelpunkt.
Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine, der gemeinsam mit Superintendent Bernhard Seiger wie in jedem Jahr den Rosenmontagszug beim Richtfest segnete, betonte vor der versammelten Presse, dass er um einen unfallfreien Rosenmontagszug bitte und nicht die dargestellten Motive segne. Im Vorfeld hätten ihn verschiedene Aufforderungen erreicht, klare Kante zu zeigen und ein Zeichen zu setzen, indem er den Rosenmontagszug nicht segnet. „Aber ich sehe das als meine Aufgabe an“, sagte er. Trotzdem: „Auch ich finde diesen Wagen missverständlich.“
Auf dem Wagen ist ein Beichtstuhl abgebildet, aus dem ein Arm ragt und mit gekrümmtem Finger einen ängstlich dreinblickenden Jungen im Messdienergewand zu sich lockt. Die Persiflage mit dem Motto „Jesus liebt dich“ hat bei einigen prominenten CDU-Politikern sowie dem Erzbistum Köln für Empörung gesorgt.
Zugleiter kontert Kritik am Missbrauchs-Wagen
Zugleiter Michelske wies die Kritik aus den Reihen der CDU, die in einem Schreiben an Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sagten, das Wagenmotiv sei geschmacklos, abstoßend und verletzend, jedoch entschieden zurück: „Nicht die Darstellung des Missbrauchs ist geschmacklos und peinlich, sondern vielmehr der Missbrauch selbst und der Umgang damit“, so Michelske.
„Der Wagen legt zurecht den Finger in die Wunde“, sagte auch Stadtdechant Kleine. Allerdings sei er zu leicht missverständlich, „deshalb halte ich ihn nicht für gelungen“. Michelske sagt auf Nachfrage, die Kritik habe ihn und sein Team zum Reflektieren, aber nicht zum Zweifeln angeregt. Er könne etwa die Sichtweise von Kleine, mit dem er auch vergangene Woche schon „auf Augenhöhe“ darüber diskutiert habe, nachvollziehen. Trotzdem sei er weiter der Meinung, dass auch seine und die der Kritzelköpp eine „vertretbare Sicht der Dinge“ sei. Deshalb ist klar: Der Wagen wird wie geplant am 3. März mit dem Rosenmontagszug durch die Stadt rollen.
Sechs Persiflagen weniger als im Vorjahr
Beim Richtfest stellte Michelske auch die weiteren 16 Persiflagen vor. Insgesamt werden 19 durch die Stadt ziehen, aus Kostengründen sechs weniger als in den Vorjahren. Zwei der Persiflagen bleiben noch bis Rosenmontag geheim, eine davon wird erst in den kommenden Tagen gebaut, da sie sich aktuell mit der Bundestagswahl auseinandersetzen soll. Direkt im Anschluss an das Richtfest setzt sich Michelske deshalb mit seinem Team zusammen. Am Abend sagte er dann auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, auch die letzte Persiflage sei geplant und am Mittwochmorgen beginne der Bau. Der Wagen würde zeigen, „dass auch Liebe schmerzhaft sein kann“ – mehr könne er nicht verraten.
Aber auch unter den bereits gebauten und vorgestellten Wagen findet sich einer zur vorgezogenen Wahl: Offensichtlich betrunken und kostümiert wirft darauf ein Jeck mit tropfender Bierflasche in der Hand seinen Wahlzettel in die Urne, darauf steht „Karnewahl“. Auf Ebene der Bundespolitik hat sich das Kreativ-Team außerdem mit Karl Lauterbachs Krankenhausreform beschäftigt, auf dem zugehörigen Wagen steht er vor einem geschlossenen Krankenhaus und hält ein Herz mit der Aufschrift „Liebe ist die beste Medizin“. Die Kranken und Verletzten davor würden das wohl nicht so unterschreiben.
Aufmarsch der großen Pappkameraden
AfD-Chefin Alice Weidel ist gleich zweimal im Kölner Rosenmontagszug vertreten: Als siamesischer Zwilling von Sahra Wagenknecht überreicht sie „Grüße aus Moskau“ in Form von Putin-gesichtigen Blumen, und sie wippt gemeinsam mit einem deutlich größeren Elon Musk auf seinem zum Hitlergruß ausgestreckten Arm.
US-Präsident Donald Trump, dessen Gesicht die Wagenbauer erstaunlich gut getroffen haben, hält symbolisch Justitia und Lady Liberty an der Leine. Kommunalpolitisch geht es um die Verwahrlosung der Stadt, den Abschied von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die ständig steigenden Kosten der Bühnen- und Museums-Sanierungen in Köln, die Verkehrswende und Bildungspolitik.
Beim Richtfest werden nicht nur die fertigen Persiflagen präsentiert, hier dankt der Zugleiter traditionell auch den vielen Ehrenamtlichen, die den Zug erst möglich machen. Diesem Dank schloss sich auch das Dreigestirn an: „Da kann man sich gar nicht tief genug vor verbeugen“, sagte Prinz René I. Gedankt wurde auch dem ehemaligen Zugleiter Holger Kirsch, dem Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn für sein Engagement einen eigens gestalteten Orden überreichte.
Gemeinsam mit den Grüngürtelrosen und Veedelperlen wird Zugleiter Marc Michelske erstmals den Rosenmontagszug eröffnen, der dann ab 10 Uhr von der Severinstorburg seinen gewohnten Weg durch die Kölner Straßen bis zur Mohrenstraße zieht.