Der Jungschwan in Köln wurde gerettet, nachdem eine Kugel seinen Schnabel durchdrang. Das war kein Einzelfall.
„Geisteskrank“Unbekannte schießen Jungschwan in Köln in den Schnabel

Unbekannte haben einen Schwan angeschossen. Die Kugel hatte den Schnabel durchdringen können und blieb in der Zunge stecken.
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In Köln haben ein oder mehrere Unbekannte auf einen Schwan geschossen. Das teilte die Tierrettung Köln-Porz am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite mit. Die Kugel, so die Tierretter, hatte den Schnabel des Tieres durchdrungen und blieb in der Zunge stecken. Sie konnte noch vor Ort entfernt werden.
Gefundene Kugel steckte noch seitlich in der Zunge
Eigentlich waren die Tierretter herbeigerufen worden, um den Jungschwan lediglich aus dem Stadionbecken zu heben. Dort habe er wohl versehentlich zwischengelandet, erklärt Claudia Scherping von Schwäne Köln. „Wahrscheinlich hat er nicht gesehen, dass sich kein Wasser im Becken befindet“, vermutet sie. Also habe man ihn aus seiner misslichen Lage befreit – und bei einer anschließenden Untersuchung die Schusswunde entdeckt. „Als wir den Schnabel öffneten, fanden wir das Projektil“, berichtet ein Mitarbeiter der Tierrettung Köln-Porz. „Die Kugel steckte noch seitlich in der Zunge.“
Bei der Kugel handelte es sich um ein Diabolo-Projektil, das etwa aus Luftpistolen und -gewehren verschossen wird, für deren Verwendung es Auflagen gibt. Wäre sie nicht entfernt worden, wäre das Tier vermutlich gestorben, so Scherping.

Die Kugel konnte noch vor Ort entfernt werden.
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Natürlich könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das Tier in Köln angeschossen worden ist. Es sei allerdings sehr wahrscheinlich, so Scherping weiter. „Jungschwäne fliegen nicht weit, das trauen sie sich noch nicht.“ Zudem habe sie eben diesen Jungschwan erst vor wenigen Tagen gesehen und ihn aufgrund seiner Markierung erkannt. „Da war er noch unverletzt.“
Zwar konnte das Projektil noch vor Ort und mit nur minimalen Blutungen entfernt werden. Verstörend wirkt dieser Zwischenfall trotzdem, denn er ist kein Einzelfall. „Ich würde zwar nicht sagen, dass es ständig vorkommt“, so Scherping. Aber es kommt vor, gerade in den wärmeren Monaten, bestätigt auch der Mitarbeiter der Tierrettung Köln-Porz.
„Schädlingsbekämpfung selfmade“
Vögel wie Schwäne aber auch Tauben fielen etwa Blasrohren oder Luftgewehren zum Opfer, würden von Pfeilen oder Kugeln angeschossen und durchbohrt. Der Grund sei schwer zu ermitteln und hänge oftmals mit dem Tier und dessen Ruf zusammen. Tauben etwa werden häufig als Schädlinge angesehen – nicht selten werden sie Ratten der Lüfte genannt. Völlig zu unrecht, wie der Tierretter anmerkt. Und doch hält sich das schlechte Bild hartnäckig in den Köpfen der Menschen, die die vermeintlichen Störenfriede verjagen oder gar töten wollen. „Es ist eine Schädlingsbekämpfung selfmade.“
Vielleicht genießen Tauben nicht gerade den besten Ruf, bei Schwänen sieht das doch aber anders aus – sie gelten wohl kaum als Schädlinge. Warum dann die Schüsse auf sie? Der Tierretter kann nur mutmaßen: „Aus Spaß.“ Und: „Vögel sind wehrlos.“ Er nennt diese Taten „geisteskrank“.

Ein echter Pechvogel: Der Schwan verletzte sich nur einen Tag nach dem Zwischenfall am „Handgelenk“ und wird in Neuss aufgepäppelt.
Copyright: Wolfhard Scherping
Vor allem aber sind sie strafbar. Denn laut Tierschutzgesetz darf Wirbeltieren ohne triftigen Grund kein Schaden zugefügt werden. Bei einer Missachtung droht eine Freiheits- oder eine Geldstrafe. So die Theorie, denn in der Praxis ist es schwer, die Schuldigen ausfindig zu machen. „Tierquäler bleiben im Verborgenen“, sagt der Mitarbeiter der Tierrettung Köln-Porz.
Der Jungschwan allerdings hat den Vorfall überlebt und wird nun in Neuss aufgepäppelt. Grund dafür ist seine Pechsträhne: Ein Tag nachdem ihm die Kugel entfernt wurde, sei das Tier aus einer Baumkrone gestürzt und habe sich am „Handgelenk“ verletzt, so Claudia Scherping. Bald könne der Pechvogel wieder freigelassen werden.