In Köln steigen die Kosten für Schulessen stetig. Hohe Personalkosten und geringe städtische Subventionen belasten Eltern finanziell.
Personalkosten treiben Preise„Warmes Schulessen darf in Köln nicht zum Luxus werden“

73 Prozent der Schul- und Kita-Caterer haben im vergangenen Jahr die Preise erhöht (Symbolbild).
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Schulessen soll gesund sein und bezahlbar. Die Realität sieht allerdings anders aus: Steigende Lebensmittel- und Personalkosten sorgen dafür, dass die Preise auch in Köln immer weiter steigen. 73 Prozent der Schul- und Kita-Caterer haben im vergangenen Jahr die Preise erhöht, 67 Prozent rechnen damit, dass es auch in diesem Jahr weitere Preissteigerungen gibt. Das ergab eine Umfrage des Verbandes deutscher Schul- und Kita-Caterer (VDSKC) unter seinen Mitgliedsunternehmen.
„Immer mehr Familien können sich das Essen für ihre Kinder nicht mehr leisten“, konstatiert der Vorsitzende des VDSKC, Ralf Blauert. Inzwischen koste das Mittagessen an Grundschulen durchschnittlich 4,60 Euro, an weiterführenden Schulen 4,82 Euro. Es gebe auch schon Schulen, wo das Schulessen mehr als sechs Euro koste.
Erst die Lebensmittelpreise, dann die Personalkosten
„Der Druck auf die Caterer ist riesig“, bestätigt Petra Gobelius, die mit ihrem Unternehmen „Kinder-Cater“ täglich 6000 Schulessen in Köln und Umgebung ausliefert. Erst waren es die Lebensmittelpreise, die stetig nach oben gingen. Jetzt sind es die Personalkosten. Gobelius nimmt daher inzwischen – wie viele andere Caterer – nur noch an Ausschreibungen teil, bei denen die Caterer lediglich noch das Essen liefern und nicht mehr vor Ort auch für die Ausgabe zuständig sind.
Dabei werden dann Verträge mit den Trägervereinen des jeweiligen Ganztags abgeschlossen, die selbst vor Ort für das Erwärmen und Ausgeben der Speisen zuständig sind und dafür das Personal vorhalten müssen. „Für das Essen müssen wir auch nur sieben Prozent Mehrwertsteuer berechnen.“ Die ohnehin schon finanziell unter starkem Druck stehenden Ganztagsträger müssen dagegen für ihr Personal 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnen. Aus beiden Posten ergibt sich dann addiert der Essenspreis, den die Eltern zahlen.

Kinder essen in der Kantine einer Grundschule Mittag.
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Zwischen drei Euro und 3,70 Euro kostet derzeit etwa bei Kinder-Cater allein das Essen, das Gobelius erst im vergangenen Jahr im Preis um zehn Prozent anheben musste. Die „ev-ange-lisch GmbH“ ist in zahlreichen Kölner Schulen der Träger des Ganztags und arbeitet mit Kinder-Cater zusammen. In der Summe aus Caterer-Beitrag fürs Essen und Personalkosten kostet ein Schulessen an den Kölner Schulen, an denen „ev-ange-lisch“ der Träger ist, zwischen 4,50 und 5 Euro, wie Geschäftsführer Christopher Braun vorrechnet.
Mitarbeitende fair entlohnen
„Ein gesundes Essen zu einem fairen Essenspreis anzubieten, wird jedes Jahr schwieriger“, erläutert er. Denn „ev-ange-lisch“ zahlt seine Mitarbeitenden nach Tarif. Es sei dem Verband wichtig, fair zu entlohnen, obwohl die Personalkosten nicht subventioniert würden. Dabei geben sie die Kosten gar nicht in Gänze an Eltern weiter, um irgendwie die soziale Balance zu halten.
Durch die Bezahlung nach Tarif fährt „ev-ange-lisch“ in den Mensen Defizite ein, die sie an anderer Stelle ausgleichen müssen. Und trotzdem steigen die Kosten stetig, weil das Schulessen eben in keiner Form subventioniert und gänzlich den Gesetzen des Marktes unterworfen ist. Für Kinder, deren Eltern Sozialleistungen beziehen, werden die Kosten aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BUT) gezahlt und damit vom Staat übernommen.
Problematisch ist die Entwicklung vor allem für Familien mit kleinen Einkommen. „Die müssen den Preis voll tragen“, so Braun. Wenn man zwei Kinder in der Schule hat und in Summe mancherorts 180 Euro allein für das Schulessen einplanen muss, überfordere das viele. Zumal die Stadt Köln auch die Kosten für das Kita-Essen von 40 auf 70 Euro monatlich pro Kind erhöht hat.
Sorge: Eltern melden Kinder wegen Kosten vom Essen ab
Die Personalkosten sind inzwischen die größten Kostentreiber, bestätigt auch Heike Berger, Fachbereichsleiterin beim Kölner Ganztagsträger In Via. Bei In Via kostet ein Schulessen für die weiterführenden Schulen derzeit noch 4, 30 Euro. Ihre Sorge sei, dass bei weiter steigenden Kosten Eltern ihre Kinder aus finanziellen Gründen vom Essen abmelden.
Auch die Stadtschulpflegschaft sorgt sich gemeinsam mit dem Jugendelternbeirat Köln darum, dass für Eltern die monatlichen Fixkosten rund um die Schule immer weiter steigen. „Es ist ja nicht nur das Essen, auch das Schülerdeutschlandticket ist parallel im Preis gestiegen“, erläutert die Sprecherin der Stadtschulpflegschaft, Nathalie Binz. Dabei hätte die Stadt durchaus Spielräume, die Kosten für die Eltern zu senken, betont Binz.
Im Runderlass des NRW-Schulministeriums aus dem Jahr 2021 steht, dass der Schulträger den Schülern in Ganztagsschulen ein Mittagessen ermöglichen muss und dafür „Räume, Sach- und Personalausstattung“ bereithalten müsse. Die Stadt allerdings trägt sowohl für die Grundschulen als auch für die weiterführenden Schulen ausschließlich die sächlichen Betriebskosten – also die Küchenausrüstung vor Ort. Die Personalkosten überträgt sie an die Träger des Ganztags, die die Kosten dann an die Eltern weitergeben. Die Verpflichtung der Kommunen beziehe sich ausdrücklich nur auf die sächlichen Betriebskosten, erklärte eine Stadtsprecherin.
Wie andere Städte mit dem Schulessen umgehen
Andere Städte handhaben das anders: Die Stadt Bonn entlaste die Eltern bei der Mittagsverpflegung durch Übernahme der Dienstleistungskosten, bestätigte eine Stadtsprecherin auf Anfrage. Auch in Düsseldorf zahlen die Eltern ausschließlich das Mittagessen, während die Personalkosten von der Stadt getragen werden. Hamburg arbeitet mit einheitlich gedeckelten Preisen, die die Stadt in Verhandlung mit den Caterern festlegt. In Berlin trägt der Senat sogar die gesamten Kosten: Das Schulessen ist dort bis einschließlich der sechsten Klasse für alle kostenfrei.
„Es ist einfach schade, dass der Wert eines gesunden Essens bei uns so niedrig ist“, kritisiert Christopher Braun. In Via befürwortet einen „Schulessen-Deckel“ – also so etwas wie eine Schmerzgrenze für Eltern. Der Rest müsse dann vom Staat getragen werden.
Für Heike Berger von In Via geht es allerdings nicht nur um Essenspreise. „Das Problem der mangelnden Wertschätzung für das Thema Essen geht in Köln längst darüber hinaus“, sagt sie und verweist auf die Umstände, unter denen viele Grundschüler in den viel zu beengten Schulen ihr Essen einnehmen müssen. Durch den sukzessiven Ausbau der OGS-Plätze gebe es schon jetzt viel zu wenig Mensa-Kapazitäten: „Es gibt in Köln Grundschulen, in denen 300 Kinder verteilt auf sechs Klassenräume ihr Essen einnehmen.“ Sie hat Sorge, dass das längst nicht das Ende der Fahnenstange ist.
Angesichts des kommenden Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz und fehlender Küchenkapazitäten habe die Stadt schon per Brief angekündigt, dass wohl an manchen Standorten künftig „vorübergehend“ auf Lunchpakete umgestellt wird. Für In Via ein alarmierendes Signal: „Ein warmes Schulessen darf in Köln nicht zum Luxus werden. Für viele Kinder ist das die einzige warme Mahlzeit am Tag.“