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Marienbildchen in LindenthalKölner Wirt belebt Traditionskneipe wieder – „Soll den alten Charme behalten“

Lesezeit 4 Minuten
Mark Junglas an der Theke im Marienbildchen

Mark Junglas renoviert die Traditionskneipe Zum Marienbildchen in Lindenthal.

Am 4. April soll das „Marienbildchen – Leev Marie“ in der Falkenburgstraße eröffnen.

So langsam nimmt die Vision von Mark Junglas Form an: Die Holzvertäfelung glänzt frisch geschliffen und lackiert, von den neuen dunkelbraunen Holzstühlen müssen nur die Luftpolsterfolien entfernt werden und die Theke ist weitgehend einsatzbereit. Am 4. April soll in dem Lindenthaler Traditionsgasthaus „Zum Marienbildchen“ nach jahrelangem Leerstand das erste offizielle Kölsch gezapft werden. Dann kann der 38-Jährige nach wochenlanger Arbeit endlich die ersten Gäste im neuen „Marienbildchen – Leev Marie“ begrüßen.

Eigentlich war Junglas' Plan: Einmal putzen, neue Möbel rein und zu Karneval eröffnen. „Ich habe dann aber schnell gemerkt, damit ist es nicht getan.“ Bröckeliger Putz, altes Frittenfett, nasse Wände – am Ende musste das Gasthaus kernsaniert werden. „Die Kosten waren immens und haben bei weitem überschritten, was ich ausgeben wollte“, sagt er. Jeden Tag ist Junglas in die Falkenburgstraße gefahren, um dort gemeinsam mit einem Handwerker-Team die Gaststätte wieder herzurichten. Der grün geflieste Kamin, die Holzvertäfelungen, die Buntglasfenster: „Wir haben versucht, den alten Charme zu behalten, das war mir ganz wichtig.“ Auch an der weißen Fassade soll bald wieder der altdeutsche Schriftzug aus mundgeblasenen Röhren leuchten – so wie es schon in den 50ern war.

„Marienbildchen“ hat lange Tradition

Das Haus mit der namensgebenden Marienfigur über der Tür wurde im 19. Jahrhundert gebaut, von den Bomben des Zweiten Weltkriegs blieb es verschont. Seit 1945 war hier fast durchgehend eine Kneipe. 45 Jahre lang gab es unter der Führung der Familie Krämer gutbürgerliches Essen und Kölsch, weitere Gastronomen führten das Konzept fort. 2016 versuchte Daniel Rabe frischen Wind in das alte Gemäuer zu bringen und tischte französische Küche auf, 2019 zog er jedoch mit seiner „Bagatelle“ wieder aus. Ein Wirt versuchte, das „Marienbildchen“ danach wieder zu dem zu machen, was es mal war, scheiterte aber in der Corona-Krise. Nun stand das Gebäude mehrere Jahre leer.

Mark Junglas im Marienbildchen

Aus der Baustelle wird langsam wieder ein einladendes Gasthaus.

Mark Junglas ist im Dezember durch Zufall auf das „Marienbildchen“ gestoßen – „und ich habe mich direkt verliebt“. Der 38-Jährige hat schon in verschiedensten Gastronomien gearbeitet, in der Küche wie im Service. Eigentlich ist er aber gelernter Metzger und Lebensmitteltechniker. Vor einigen Jahren eröffnete er seine eigene Metzgerei in der Markthalle im Belgischen – musste dann aber schließen, als der Zugang zur Halle wegen statischer Probleme durch die Bauaufsicht der Stadt gesperrt und die Markthalle nicht wieder eröffnet wurde. (Anmerkung d. Redaktion: In einer älteren Version dieses Artikels stand fälschlicherweise, der Betreiber sei insolvent gegangen.) „Da habe ich mir mein erstes blaues Auge als Selbstständiger geholt. Heute wüsste ich es besser zu händeln“, sagt er.

Fehldiagnose führt zur Gründungsentscheidung

Später betrieb er federführend einen Bio-Bauernhof mit artgerechter Rinderhaltung in Freudenberg. Eine Fehldiagnose habe ihn letztlich dahin geführt, wo er jetzt ist: „Ich dachte etwas mehr als fünf Stunden, ich hätte Bauchspeicheldrüsenkrebs und habe in dieser Zeit viel über mein Leben nachgedacht. Da habe ich entschieden: Ich will wieder was eigenes machen.“

Junglas entwickelte das Konzept für einen Burgerladen und suchte nach passenden Räumen – aber vergeblich. Und fand dann durch Zufall das „Marienbildchen“. „Mir wurde die Geschichte dieses Hauses erzählt, dass das Konrad Adenauers Stammkneipe war, und er sogar mit John F. Kennedy hier zusammen gegessen hat. Da war mir klar: Das muss wieder betrieben werden und nicht als Burgerladen, das wäre eine Schande. Sondern so wie es früher war.“

Frisch gezapftes Kölsch (0,2l) für 2,50 Euro und traditionelle Brauhauskost wie Himmel un Ääd oder Markklößchensuppe sollen ein bunt gemischtes Publikum anlocken: „Ich möchte, dass das ein belebter Treffpunkt für Alt und Jung wird.“ Im Veedel hat sich die Nachricht der Neueröffnung schon rumgesprochen. „Was ich an Zuspruch aus der Nachbarschaft bekomme, ist Wahnsinn. Allein heute waren bestimmt schon fünf Leute da, um sich zu erkundigen“, sagt Junglas. Aufgrund der jetzt schon hohen Aufmerksamkeit für das Projekt empfiehlt der Wirt eine Reservierung, das ist über die Webseite www.zum-marienbildchen.de möglich.

Den Traum vom Burgerladen lebt Junglas währenddessen mit einem Foodtruck weiter. Auch der ist einsatzbereit und kann, sobald Junglas die Konzession der Stadt hat, für Veranstaltungen und Feste gebucht werden.