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Homosexueller SchützenkönigKölner Stadtdechant Robert Kleine rügt schwulen Schützenkuss

Lesezeit 2 Minuten

Schützenkönig Udo Figge (r) mit Ehemann Dirk Jehle (l)

KölnDass der schwule Bilker Schützenkönig Udo Figge bei der Amtseinführung vor gut einer Woche öffentlich seinen Partner geküsst hat, gefällt Kölns Stadtdechant Robert Kleine nicht. Kleine ist Bundespräses der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (HDSB).

Als solcher antwortete er auf die Frage einer Boulevardzeitung, wie er den Kuss fand: „Nicht besonders gut.“ Der Kuss sei „nicht förderlich und spitzt eine Diskussion unnötig zu“.

Muslimischer Schützenkönig sorgt für Diskussion

Diskutiert wird im Dachverband des HDSB aktuell über eine Öffnung und ein neues Profil. Um „zeitgemäßer zu werden“, hat der Verband eine Grundsatzdiskussion angestrengt.

Ins Grübeln gekommen sind die Schützen wegen einer Posse, die dem Verband den Ruf eingetragen hat, doch ziemlich rückwärtsgewandt zu sein: Ein Muslim war im westfälischen Sönnern im Sommer 2014 Schützenkönig geworden, woraufhin Verantwortliche des 700.000 Menschen zählenden Dachverbandes insistierten, der Mann hätte als Nicht-Christ nicht einmal Mitglied werden dürfen.

Zum Fall des Sönnerner Schützenkönigs Mithat Gedik hatte Stadtdechant Kleine damals gesagt, Gedik solle natürlich Schützenkönig bleiben – wäre aber gar nicht erst aufgenommen worden, wenn nach den Statuten gehandelt worden wäre.

Vergleich mit Karneval

Auch jetzt begründet der Kölner Geistliche seine Haltung dogmatisch. In der kirchlichen Tradition gelte, dass ein König oder eine Königin nur einen Partner anderen Geschlechts zum Paarauftritt wählen dürfe. „Auch im Karneval außerhalb Kölns wie in Düsseldorf und Bonn gibt es Prinzenpaare, die traditionell aus Mann und Frau bestehen. Da wird das nicht in Frage gestellt.“ Ja, von ihm nicht.

Ob seine Haltung zeitgemäß sei, wollte Kleine auf Anfrage nicht beantworten. Und auch nicht, ob der Verband sich künftig Menschen anderer Religionen öffnen solle – er wolle der Diskussion der Schützen nicht vorgreifen. Emil Vogt, Bundesschützenmeister des Verbands aus Leverkusen, hat zur Frage nach homosexuellen Königen klarer Stellung bezogen.

Er sagt: „Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört zu seiner Identität und ist für die Aufnahme in eine Bruderschaft unerheblich.“ Die Frage, wie er das sehe, ließ Kleine, der sich derzeit auf dem Jakobsweg befindet, unbeantwortet. Ob er damit dem bereits angekratzten Image des Verbands und jenem der katholischen Kirche dient? Über eine Öffnung und ein neues Selbstverständnis will der HDSB im November diskutieren.