Ben Christensen hat eine App gelauncht, in der Nutzer sich über Laptop-Verbote informieren können. Auch die Cafés sollen profitieren.
Laptop-Verbot in Kölner CafésUnternehmer entwickelt App für Cafés und Gäste mit Laptop

Ben Christensen arbeitet seit 2018 „remote“ und wurde zuletzt immer häufiger mit einem Laptop-Verbot in Cafés konfrontiert.
Copyright: Ben Christensen
Köln ist ein florierender Start-Up-Standort. Und die vielen jungen Gründerinnen und Gründer haben nicht immer eigene Büros oder einen Platz in einem sogenannten Co-Working-Space. Seit Jahren ist der Anblick am PC arbeitender Menschen in Cafés daher zur Normalität geworden. Der selbständige Architekt und Webdesigner Ben Christensen arbeitet seit Jahren am liebsten in Außenbereichen von Cafés. Er weiß genau, was er hier braucht: in erster Linie eine Steckdose.
„Das Wichtigste ist aber, dass man nicht das Gefühl hat, unerwünscht zu sein. Viele berichten von einer regelrechten Odyssee – vor allem am Wochenende – auf der Suche nach einem Ort, an dem sie arbeiten dürfen“, sagt Christensen, der in Sülz lebt. Denn: Café-Betreiber dulden immer weniger arbeitende Gäste, vor allem am Wochenende. Weil sie stundenlang Tische blockieren und vergleichsweise wenig konsumieren.
Zudem versprühten sie eine unsoziale Atmosphäre, finden manche Betreiber, weshalb sie die Nutzung von Laptops in Lokalen immer mehr regulieren. Im Kaffeesaurus am Friesenplatz etwa ist der Laptop am Wochenende nicht erlaubt, unter der Woche nur noch an zwei ausgewählten Tischen, auch beim Kaffeeröster Ernst in Lindenthal und in der Südstadt ist der PC am Wochenende verboten (wir berichteten).
Mit App: Kölner Unternehmer will Cafébetreiber und Gäste mit Laptop gleichermaßen unterstützen
Christensen hat nun eine App entwickelt, von der er glaubt, sie könne das Problem für beide Seiten lösen. „Remote-Arbeit wird bleiben. Gleichzeitig wächst der Druck auf Cafés – insbesondere in Städten wie Berlin, Leipzig, Köln, aber auch in Barcelona oder Zürich. Unter der Woche haben Cafés aber auch Leerstand und können die Gäste gut gebrauchen.“
Und auch die „Remoties“, wie Christensen die Selbständigen nennt, brauchen dritte Orte, die eben nicht das Zuhause oder das Büro sind. Seine kürzlich gelaunchte App „Co-Fé“, in mehreren Sprachen nutzbar, richtet sich zunächst an Café-Kunden: Über die App sollen sie erfahren, wo und wann in der Stadt, und auch europaweit, Laptop-Verbote existieren, um sich eine lange Suche zu sparen.
Perspektivisch sollen Cafés so profitieren, dass sie auch etwas einnehmen über die App, was mögliche Ausfälle durch geringen Konsum von arbeitenden Gästen kompensieren soll. So könnten sich Cafés zum Beispiel für bestimmte Zeitspannen registrieren lassen, in denen sie Laptops erlauben. Dazu ist Christensen schon im Gespräch mit diversen Café-Betreibern, die sich neben dem Betrieb oftmals nicht noch um technologische Lösungen kümmern könnten, so Christensen.
„Als ich damit angefangen habe, habe ich vor allem nur meine Perspektive als Nutzer gesehen: Warum gibt es keine Abos? Warum keine Möglichkeit, sich als Gemeinschaft sinnvoll zu organisieren? Diese Fragen waren der Ausgangspunkt. Und ich wollte wiederum nicht mehr konsumieren, aber toleriert werden.“ Er nehme nun auch die Belange der Gastronomen ernst: „Für die Cafés soll die Nutzung der App kostenlos sein.“