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NamensgebungDer Auerbachplatz in Sülz erinnert nunmehr an eine ganze Familie

Lesezeit 3 Minuten
Eine Frau enthüllt eines der neuen Erklärschilder am Auerbachplatz.

Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp bei der feierlichen Enthüllung eines der neuen Erklärschilder.

Der Name des Sülzer Platz bezieht sich nun auch auf die Frauen der Familie Auerbach. Neue Erklärschilder geben über ihre Persönlichkeiten Auskunft.

Ida, Lisbeth, Edith und Benjamin sind nun an einem Ort vereint, namentlich zumindest. Der Auerbachplatz erinnert nicht mehr nur an Benjamin Auerbach, sondern auch an seine Frau und Töchter. Die Lindenthaler Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp hat gerade die neuen „Erklärschilder“ enthüllt, die auch auf die Frauen verweisen. Vor einiger Zeit hatte die Bezirksvertretung Lindenthal auf Initiative vom ehemaligen „Fahrradbürgermeister“ Reinhold Goss beschlossen, dass die Benennung des Platzes auf den weiblichen Teil der Familie erweitert wird und die Schilder hinzugefügt werden.

Das Straßenschild Auerbachplatz. Darunter hängt ein Erklärschild mit Informationen zur Malerin Edith Auerbach.

Ein Erklärschild ergänzt nun jeweils das Platzschild mit Informationen zu jeweils einem Mitglied der Familie Auerbach.

Starke Frauen als Vorbild

Bürgermeisterin Brigitta von Bülow betonte bei der feierlichen Enthüllungszeremonie, wie bedeutsam die Sichtbarkeit außergewöhnlicher Frauen und auf Straßenschildern ist: „Sie zeigt ihre Geschichte und trägt dazu bei, dass sie als Vorbilder entdeckt werden können“, sagt sie. „Gerade in heutigen Zeiten, angesichts des rückwärtsgewandten Frauenbild rechter Kräfte, ist es wichtig, ihnen etwas gegenüberzustellen, Bilder starker Frauen und unserer Werte wie Gleichberechtigung sowie Selbstbestimmung.“ Sie sei auch im Hinblick auf den steigenden Antisemitismus froh, dass die jüdische Familie Auerbach besonders vorgestellt wird.

Ida und Benjamin Auerbach.

Ida und Benjamin Auerbach flohen 1939 über Großbritannien nach New York.

Die Sozialarbeiterin Ida Auerbach

Irene Franken, Mitbegründerin des Kölner Frauengeschichtsvereins, informierte über die neuen Namensgeberinnen des Sülzer Platzes: Ida Auerbach, die 1869 im schlesischen Bennisch geboren wurde, in Wien aufwuchs und Sozialarbeit studierte, heiratete 1898 den Kölner Arzt Benjamin Auerbach und zog in seine Heimatstadt. In Köln arbeitete sie als eine der ersten zwei Armenpflegerinnen, schloss sich der bürgerlichen Frauenbewegung an und trat dem israelitischen Frauenverein bei, dessen Leiterin sie später wurde. Sie war Mitbegründerin des Stadtverbands Kölner Frauenvereine und ab 1918 sein Vorsitzende. „Sie war sehr am Thema Wohnen interessiert“, schildert Franken, „weil viele Menschen hier in engen Mietskasernen lebten.“ Sie habe sich daher in Köln für das aus England stammende Modell der „Gartenstadt“ eingesetzt. Nachdem sie in ihrer Heimatstadt nicht mehr sicher war, floh sie schließlich 1939 mit ihrem Mann Benjamin über Großbritannien nach New York zu ihrer Tochter Lisbet und verstarb dort 1942.

Eine alte Sepia-Fotografie der Malerin Edith Auerbach

Edith Auerbach

Die Malerin Edith Auerbach

Die ältere Tochter der Auerbachs, Edith, wurde 1899 geboren und war ein Freigeist. Die Eltern verhinderten zunächst, dass sie freie Malerei studierte. So schloss sie eine Ausbildung als Keramikerin in Höhr bei Koblenz ab, zog dann aber 1926 nach Paris in eine Künstlerabsteige, das Hotel des Terrasses, wo hauptsächlich Männer lebten, beispielsweise der Schriftsteller Henry Miller. Sie malte nun und hatte Erfolge, Ausstellungen in Galerien und Museen – bis die Nazis auch in Paris ankamen. Unter dem Vichy-Regime wurde die Frau deutscher Herkunft als „Indésirable“, „Unerwünschte“ verhaftet und in dem südfranzösischen Internierungslager Camp de Gurs interniert. Immer wieder wurden jüdische Menschen von dort per Zug nach Auschwitz verschleppt. Lebensangst war allgegenwärtig. Edith wurde psychisch krank, kam in ein Krankenhaus in Toulouse, konnte fliehen und lebte versteckt als Dienstmädchen und in den Weinbergen bis Paris im September 1945 befreit wurde. „Diese Traumatisierung hat sie in ganz neuen Bildern zum Thema gemacht“, schildert Franken, „unter dem Titel ‚Contre l’Oublie‘, ,gegen das Vergessen‘“. Es war ihr letztes großes Werk als Malerin. Sie arbeitete danach nur noch ein wenig als Journalistin und verstarb 1994 im Alter von 95 Jahren in Paris.

Die Ärztin Lisbeth Auerbach

Lisbeth Auerbach, 1900 geboren, studierte in Köln Medizin, ging dann nach Breslau und arbeitete dort bei dem bedeutenden Internisten Erich Frank am Wenzel-Hancke-Krankenhaus. Lisbeth kehre Anfang 1931 nach Köln zurück und ließ sich als erste Internistin in der Stadt nieder. Sie erkannte jedoch schnell den Ernst der Lage für jüdische Deutsche und emigrierte bereits 1934 zunächst nach London und von dort nach New York, wo sie in Manhattan eine Praxis eröffnete. Sie verstarb dort 1976 und wurde neben ihren Eltern bestattet.