Kinder der Hilde-Domin-Schule in Köln-Holweide haben ein Kunstwerk zu Ehren der Namensgeberin mithilfe von Wortmalerei erstellt.
Kunst-Projekt an KlinikschuleHolweider Schüler schaffen Porträt von Hilde Domin aus ihren Gedichten

Von links: Bettina Busch, Echhard Busch Stiftung, Ela Kimmig, Saxa Atelier, Gabriele Balfar, ehemalige Schulleiterin, und Jürgen Bördgen, Schulleiter
Copyright: Rika Kulschewski
„Man muss weggehen können und doch sein, wie ein Baum: Als bliebe die Wurzel im Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest“. Die ersten Zeilen von Hilde Domins Gedicht „Ziehende Landschaft“ stehen mehrfach in Großbuchstaben ohne Satzzeichen und Abstände zwischen den Wörtern auf weißem Hintergrund. Einige der Buchstaben sind teils oder komplett gefettet. Daneben stehen weitere Gedichte und Zeilen aus Domins Werk. Auch diese Wörter sind teils gefettet, teils nicht.
Was von Nahem interessant, aber doch ein bisschen konfus wirkt, ergibt erst mit ein paar Schritten Abstand Sinn. So entpuppt sich dann ein Portrait der Schriftstellerin aus Köln. Die gefetteten Stellen dienen als Schattierungen ihrer Gesichtszüge und das Gedicht „Ziehende Landschaft“ ist ihre linke Augenpartie.

Die gefetteten Stellen dienen als Schattierungen der Gesichtszüge Hilde Domins.
Copyright: Rika Kulschewski
Köln-Holweide: Hilde-Domin-Schule enthüllt Portrait von Namensgeberin
Es ist ein Kunstwerk der Schülerinnen und Schüler der Hilde-Domin-Schule in Köln-Holweide. Im Rahmen des Schulprojekts „Saxa macht Schule“ haben sie die Namensgeberin ihrer Schule kennengelernt, ihre Texte erarbeitet und die Technik der Wortmalerei gelernt. Dabei geht es eben darum, mit Worten Bilder zu malen. Das Kölner Atelier Saxa, das das Projekt deutschlandweit begleitet, bereite dafür alles vor, kommuniziere mit den zuständigen Pädagoginnen und Pädagogen und stelle die Materialien.
„Das Bild besteht aus 49 Einzelblättern, sogenannten Patches“, erklärt Ela Kimmig vom Saxa Atelier, „wir haben die Patches so vorbereitet, dass die Stellen, an denen die Kinder die Buchstaben fetten mussten, grau hinterlegt waren“. Für die Schrift haben die Kinder Stabilos an den dünnen und Eddings an den gefetteten Stellen genutzt. Schlussendlich hat das Saxa Atelier die Patches dann zu dem Bild zusammengefügt und groß ausgedruckt.
Köln: Hilde Domin war eine beeindruckende Frau und Künstlerin
Das fertige Kunstwerk, dass nun ihre Schule schmücken wird, wurde nun feierlich enthüllt. Bettina Busch von der Eckhard Busch Stiftung, die das Projekt gemeinsam mit der Sparkasse KölnBonn förderte, zeigte sich ganz begeistert: „Es ist großartig, was ihr gemeinsam geschaffen habt. Es zeigt einmal mehr, dass das große Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile“.
Die Schülerinnen und Schüler stellten das Projekt und Hilde Domin auch nochmal vor und berichteten, wie sie die Arbeit wahrgenommen haben. So scheint es, als seien sie alle beeindruckt von der Schriftstellerin, die jüdische Eltern hatte und deshalb während des Zweiten Weltkriegs ins Exil musste. „Sie hat nie die Hoffnung aufgegeben und das haben wir auch an ihren Texten gesehen“, sagte eine Schülerin.
„Domin verkörpert all das, was Schülerinnen und Schüler dieser Schule mitgegeben werden soll“, erklärt Gabriele Balfar, die von 2006 bis 2018 Schulleiterin war und die Namensgebung mitentschieden hat. Damals hieß die Klinikschule noch „Schule für Kranke“, was diskriminierend war, weshalb Balfar es wichtig gefunden habe, die Schule nach einer inspirierenden Frau, zu benennen. „Ich hoffe, dass ihr die kleinen Wunder um euch genießen könnt und so wie Hilde Domin die Hoffnung nicht aufgebt“.