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Diplomatischer StreitFrankreich empört über Haft für Autor Sansal in Algerien

Lesezeit 2 Minuten
Die Autorenvereinigung PEN fordert die Freilassung von Boualem Sansal. (Archivbild von 2015)

Die Autorenvereinigung PEN fordert die Freilassung von Boualem Sansal. (Archivbild von 2015)

Algerien hat den mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichneten Autor Boualem Sansal zu fünf Jahren Haft verurteilt. Frankreich fordert eine humanitäre Lösung.

Frankreich hat empört auf die Verurteilung des franko-algerischen Schriftstellers Boualem Sansal zu fünf Jahren Haft in Algerien reagiert. Zahlreiche Politiker protestierten gegen die Inhaftierung des 80-Jährigen und der ehemalige Premierminister Gabriel Attal sprach von Willkür und einer Justizparodie. 

Algerien nehme mit dem Urteil Frankreich ins Visier. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind im Moment sehr angespannt. Das Pariser Außenministerium forderte einen „schnellen, humanitären und würdigen Ausweg aus dieser Situation“.

Sansal ist Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2011 und wurde bei seiner Landung in Algier Mitte November festgenommen. Verurteilt wurde der Schriftsteller wegen Handlungen gegen die nationale Einheit und Sicherheit. Er hatte in einem Interview die Ansicht vertreten, die marokkanischen Staatsgrenzen seien während der französischen Kolonialzeit zugunsten Algeriens verschoben worden. Die Beziehungen zwischen Algerien und Marokko sind auch wegen Gebietsansprüchen stark belastet.

Autor eckte mit Kritik in Algerien an

In Deutschland verurteilte die Autorenvereinigung PEN Berlin das Urteil gegen Sansal und forderte die Freilassung des 80-Jährigen. Wegen seiner unbestechlichen Kritik an der algerischen Regierung und am politischen Islam sei Sansal seit längerem Schikanen und Bedrohungen ausgesetzt gewesen, weshalb er sich im vergangenen Jahr in Frankreich niederließ, teilte PEN Berlin mit. Sansals Anwalt rief unterdessen den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune zur Begnadigung des Schriftstellers auf.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hofft auf eine humanitäre Entscheidung der höchsten algerischen Behörden, damit Sansal freikomme und sich wegen seiner Erkrankung behandeln lassen könne. „Ich weiß, dass ich sowohl auf den gesunden Menschenverstand als auch auf die Menschlichkeit der algerischen Behörden zählen kann, um eine solche Entscheidung zu treffen.“

Viele Streitpunkte zwischen Algier und Paris

Sansals Schicksal ist im Moment nur ein Streitpunkt zwischen Algier und Paris. Zunächst hatte Macron Algerien brüskiert, als er im vergangenen Sommer den seit Jahrzehnten umstrittenen Anspruch Marokkos auf die Westsahara anerkannte. 

Die Westsahara war bis 1975 eine spanische Kolonie. Nach dem Abzug Spaniens annektierte Marokko mehrere Gebiete des Territoriums. Rabat kontrolliert seitdem weite Teile des dünn besiedelten, aber rohstoffreichen Wüstengebiets. Die Bewegung Frente Polisario strebt in der Westsahara nach einem unabhängigen Staat und wird dabei von Algerien unterstützt. 

Schlagabtausch zwischen Frankreich und Algerien

Einen Schlagabtausch gibt es auch um in Frankreich lebende algerische Influencer, die in den sozialen Medien zu Hass und Terror aufgerufen haben sollen. Und es kocht ein Streit darüber hoch, dass Algerien vielfach seine aus Frankreich ausgewiesenen Staatsbürger nicht zurücknimmt. (dpa)