Der linke Liedermacher Dieter Süverkrüp ist mit 90 Jahren in Köln gestorben. In den 1970ern kannte ihn jedes Kind.
Kölner Liedermacher Dieter Süverkrüp totDer kommunistische Baggerfahrer

Der Liedermacher Dieter Süverkrüp ist am 16. März in Köln gestorben
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In Dieter Süverkrüps Ballade vom Baggerführer Willibald scheint der Klassenkampf kinderleicht. Willibald hat ein großes Loch ausgehoben, da kommt ein Haus drauf, doch das gehört dem Boss und der kassiert von den feinen Leuten, die dort einziehen, mehr Miete, als sich ein Baggerführer leisten kann: „Wer arm ist, darf nicht rein! Gemein!“ Willibald wird wütend, agitiert die Kollegen. Gemeinsam erbaggert man sich eigene Häuser und ein Schwimmbad, „da spritzen sich die Leute nass, das macht sogar dem Bagger Spaß“.
Das war 1970, als auch das Linkssein noch Spaß machte und die Kunst der Liedermacher hoch im Kurs stand. Unter denen war Dieter Süverkrüp einer der populärsten und schärfsten, eine Gründerfigur der Szene, die sich 1964 auf dem „Chanson Folklore International“-Festival auf Burg Waldeck formierte.
Süverkrüp wetterte gegen Konsumterror und arbeitete in einer Werbeagentur
Ein Dogmatiker und DKP-Anhänger, der zugleich wunderbar subtil dichten konnte. In „Kirschen auf Sahne“ beschreibt er einen ehemaligen KZ-Häftling, der im Wirtschaftswunderland eine schöne, aber fette Dame beim Verzehr der titelgebenden Süßspeise beobachtet: „Kirschen auf Sahne/Blutspur im Schnee/eine Mark fünfzig/sanftes Klischee“. Süverkrüp war ein Antikapitalist, der gegen den Konsumterror wetterte und lange Jahre als Art Director in einer Düsseldorfer Werbeagentur arbeitete. Ein kommunistischer Jazz-Virtuose.
1934 in Düsseldorf geboren, studierte der Malerssohn an der dortigen Werkkunstschule. In seiner Freizeit spielte er Gitarre, so gut, dass er beim Amateur-Jazz-Festival 1957 zum besten Jazzgitarristen Deutschlands gekürt wurde. Die Debatte um Deutschlands Wiederbewaffnung politisierte ihn. Er begann zusammen mit dem 15 Jahre älteren Feuilletonredakteur Gerd Semmer eigene Protestsongs zu komponieren.
Zusammen mit Semmer und anderen gründete Süverkrüp das Indie-Plattenlabel pläne records, das Alben von Hanns Dieter Hüsch, Hannes Wader und der Kölner Band Floh de Cologne veröffentlichte, später zudem internationale Größen wie den griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, den israelischen Klarinettisten Giora Feidman und Aufnahmen des chilenischen Folksängers Víctor Jara, der 1973 von den Putschisten ermordet worden war. Süverkrüp gestaltete viele der Cover des Labels.
In der „Schröckliche Moritat vom Kryptokommunisten“ hatte Süverkrüp den Tagesablauf eines Linken mit den Klischees der Kommunistenfresser beschrieben, bereits „um neun Uhr zehn frisst er das erste Kind (blauäugig, blond)“. Er selbst blieb auf Parteilinie, verteidigte 1973 in einem Streitgespräch mit Marcel Reich-Ranicki das DDR-Auftrittsverbot für Wolf Biermann. Nach dem Mauerfall zog sich Süverkrüp auf die Bildende Kunst zurück, zeichnete und komponierte Bild- und Liedgeschichten für die „Sendung mit der Maus“. Der Kommunismus hatte erheblich an Leichtigkeit verloren. Am Sonntag ist Dieter Süverkrüp in Köln gestorben. Er wurde 90 Jahre alt.