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„Niederlagen sind scheiße“Handballerinnen verlieren Olympia-Auftakt – viel Frust

Lesezeit 3 Minuten
Meike Schmelzer versucht im Spiel gegen Südkorea ein Tor zu erzielen.

Das Team steht in den kommenden Gruppenspielen nun mächtig unter Druck.

Deutschlands Handballerinnen verpatzen ihren Olympia-Auftakt. Vor allem das Angriffsspiel bereitet Sorgen. Nun geht es gegen einen Medaillenfavoriten.

Mit leeren Blicken und hängenden Köpfen verließen die frustrierten deutschen Handballerinnen nach ihrem misslungenen Comeback bei den Olympischen Spielen das Parkett. Nach einer teils desolaten Leistung im Angriffsspiel verlor die Auswahl von Bundestrainer Markus Gaugisch ihr Auftaktspiel gegen Südkorea mit 22:23 (10:11) und verpasste einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale.

Wir haben uns fünf Wochen den Arsch aufgerissen. Es ist scheiße, wenn man sich dafür nicht belohnt.
Antje Döll

Beste Werferin für das DHB-Team war mit sechs Toren Linksaußen Antje Döll, die nach dem Abpfiff bittere Tränen vergoss. „Das war einfach zu wenig. Wir sind rundum enttäuscht“, sagte die 35-Jährige und ergänzte: „Wir haben uns fünf Wochen den Arsch aufgerissen. Es ist scheiße, wenn man sich dafür nicht belohnt.“

Handballerinnen bei Olympia: Schwere Aufgaben warten

Am Sonntag sind die DHB-Frauen Außenseiter im Duell mit Schweden. Weitere Vorrundengegner sind die skandinavischen Topteams aus Dänemark und Norwegen sowie die vermeintlich schwächeren Sloweninnen. Die besten vier Mannschaften aus der Sechsergruppe qualifizieren sich für die K.o.-Phase.

„Niederlagen sind scheiße. Aber ich werde jetzt nicht sagen, dass wir nach Hause fahren“, sagte Kreisläuferin Meike Schmelzer zu den gesunkenen Aussichten auf das Weiterkommen. Auch Döll wollte das Viertelfinale noch nicht abhaken: „Es ist noch nichts passiert und ich will nichts schwarz malen. Aber es ist einfach ärgerlich.“

Fakt ist: Das Team um Co-Kapitänin Emily Bölk, für das es der erste Auftritt bei Olympischen Spielen seit 2008 in Peking war, steht in den kommenden Gruppenspielen nun mächtig unter Druck.

Fehlerhafte Anfangsphase – Maßnahmen vom Bundestrainer fruchten nicht

Wochenlang hatten sich die DHB-Frauen akribisch mit dem Thema Ablenkung beschäftigt. Bundestrainer Gaugisch wollte so sicherstellen, dass der Fokus trotz all der aufregenden äußeren Eindrücke auf dem Sportlichen bleibt. Welche Maßnahmen die Verantwortlichen auch immer ergriffen hatten, sie fruchteten überhaupt nicht.

Das DHB-Team legte einen nervösen Start hin, erlaubte sich zu viele technische Fehler und vergab einen Siebenmeter. Die deutsche Abwehr stand gut, aber im Angriffsspiel fehlte gegen die kleinen und flinken Südkoreanerinnen die Präzision. Bölk, Xenia Smits und Co. kamen fast überhaupt nicht zu einfachen Würfen.

Nach einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung lag das DHB-Team plötzlich 8:10 zurück. Gaugisch wirkte ratlos an der Seitenlinie. Seine Schützlinge auf dem Parkett zeigten in der ersten Halbzeit eine ihr schlechtesten Leistungen des Jahres und konnten zu keinem Zeitpunkt den Aufwärtstrend aus den Testspielen bestätigen.

Dölls Treffer bringt die Wende, Südkorea auch mit Ballverlusten

Die Unkonzentriertheiten konnte das DHB-Team auch nach der Pause nicht ausmerzen. Schlechte Abschlüsse machten die gute Deckungsarbeit immer wieder zunichte. Dass Deutschland zumindest ergebnistechnisch weiter voll im Spiel war, lag daran, dass sich auch Südkorea zu viele Ballverluste erlaubte.

Als Döll ihr Team 21 Minuten vor Spielende endlich wieder in Führung brachte (13:12), sorgte dies für Jubel auf der deutschen Bank. Der Code der südkoreanischen Abwehr schien geknackt und das DHB-Team zog auf vier Tore davon (18:14). Dann schlichen sich wieder Fehler ein und Südkorea kam zurück ins Spiel. Am Ende herrschte tiefe Enttäuschung bei den DHB-Frauen. (dpa)