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„Ein großes politisches Talent“Lanz bedauert Polit-Abschied von Christian Lindner

Lesezeit 4 Minuten
„Schade, dass er weg ist“, konstatierte Markus Lanz (Bild) in der neuen Folge von „Lanz & Precht“ angesichts des politischen Rückzuges von Christian Lindner. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

„Schade, dass er weg ist“, konstatierte Markus Lanz (Bild) in der neuen Folge von „Lanz & Precht“ angesichts des politischen Rückzuges von Christian Lindner. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Mit der Wahlpleite der FDP endete auch die Politikkarriere von Christian Lindner. Dass ausgerechnet Markus Lanz den Abschied des „großen politischen Talents“ bedauerte, verwunderte nicht nur Podcast-Partner Richard David Precht. Letzterer formulierte derweil eine kühne These über den Ukraine-Krieg.

Nach der Wahlschlappe der FDP bei der Bundestagswahl zog Christian Lindner Konsequenzen - und verabschiedete sich von der Politbühne. (Bild: Getty Images / Sean Gallup)

Nach der Wahlschlappe der FDP bei der Bundestagswahl zog Christian Lindner Konsequenzen - und verabschiedete sich von der Politbühne. (Bild: Getty Images / Sean Gallup)

Mit dem verpassten Einzug der FDP in den Bundestag endete am vergangenen Sonntag auch die Politik-Karriere von Christian Lindner. Markus Lanz bedauerte nun im Podcast mit Richard David Precht, dass der zurückgetretene FDP-Chef der Politbühne den Rücken kehrt. Zwar müsse man seine inhaltlichen Positionen nicht teilen, aber Lanz kam nicht umhin, festzustellen: „Da sind tolle Leute abhandengekommen.“ Precht reagierte überrascht: „Ich wundere mich über deine netten Töne. Niemand ist so schlecht wie sein Ruf, und niemand ist so gut wie sein Nachruf.“

Doch Lanz blieb bei seiner These und schob mit Blick auf Lindner hinterher: „Ein großes politisches Talent - schade, dass er weg ist.“ Irritiert sei er nur vom Auftritt Lindners unmittelbar nach der Wahlniederlage gewesen, als dieser einen Talk zu einer nostalgischen Rückschau auf seine Karriere nutzte. „Gleich kommt Teil zwei der rührenden Geschichten aus Wermelskirchen: 'Wie sie mir mal die Butterdose geklaut haben'“, habe Lanz gedacht.

Neben der aktuellen innenpolitischen Lage debattierten Richard David Precht (links) und Markus Lanz auch über den Stand im Ukraine-Krieg. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Neben der aktuellen innenpolitischen Lage debattierten Richard David Precht (links) und Markus Lanz auch über den Stand im Ukraine-Krieg. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Doch Lindners Abtritt setze eine Reihe von kompetenten Politikern fort, die nun nicht mehr präsent seien, etwa SPD-Mann Kevin Kühnert oder der scheidende Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (“echt ein Profi“). „Da zerbröselt was. Da geht politisches Know-how verloren“, konstatierte Lanz ernüchtert.

Lanz nach Disput mit Bodo Ramelow: „Hatte Angst, dass er auf mich losgeht“

Markus Lanz und Carsten Ramelow gerieten zuletzt im ZDF-Talk hart aneinander. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Markus Lanz und Carsten Ramelow gerieten zuletzt im ZDF-Talk hart aneinander. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Überhaupt gestand Lanz, im Rahmen des Wahlabends eine „wahnsinnige Achterbahn der Gefühle“ durchgemacht zu haben. Ihm als „großen Politikerversteher“ gehe es „immer sehr nah, wenn um 18 Uhr Karrieren zu Ende gehen“. Davon sei er auch in einer der Ausgaben seines ZDF-Polittalks Zeuge geworden, als FDP-Mann Wolfgang Kubicki zu Gast war. „Es ging mir echt nah“, beschrieb Lanz, Kubicki mit „Pipi in den Augen“ dasitzen zu sehen, der mit „tiefer Frustration“ beobachten müsse, dass sein Lebenswerk zerbreche.

Richard David Precht zufolge sei es eine „Verschwörungserzählung“, dass Russland „unmittelbar“ einen neuen, größeren Krieg anfange, sollte der Krieg in der Ukraine ein Ende finden. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Richard David Precht zufolge sei es eine „Verschwörungserzählung“, dass Russland „unmittelbar“ einen neuen, größeren Krieg anfange, sollte der Krieg in der Ukraine ein Ende finden. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

„Da bekam man ein Gefühl dafür, wie sich diese alte Bundesrepublik auflöst“, teilte Lanz seine Einschätzung und bescheinigte der politischen Gegenwart einen „Kulturkampf“. Emotional sei in jener Ausgabe auch Bodo Ramelow geworden, erinnert sich Lanz an eine besondere Talkshow-Ausgabe. Ramelow sei „verletzt, weil man ihn all die Jahre als Extremisten, Kommunisten und Outlaw behandelt hat von der CDU“. Precht sprang dem Linken-Politiker zur Seite und lobte ihn als „tüchtigen Ministerpräsidenten“.

In der Sendung aber sei Ramelow aufgrund penetranter Nachfragen von Lanz mehrfach aus der Haut gefahren, beschrieb dieser zutreffend. „Ich hatte zwischenzeitlich Angst, dass er endgültig die Contenance verliert und auf mich losgeht“, so Lanz, der aber gleichzeitig vermutete: „Ganz heimlich mag er mich ein bisschen.“ Trotzalledem sei die Lage nicht weit von „Totaleskalation“ entfernt gewesen.

„Total alberner Quatsch“: Precht glaubt nicht an weitere russische Überfälle

Die Sorge von Markus Lanz (rechts), Russland könne nach einem möglichen Friedensschluss in der Ukraine weitere Kriege lostreten, konnte Richard David Precht nicht teilen. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Die Sorge von Markus Lanz (rechts), Russland könne nach einem möglichen Friedensschluss in der Ukraine weitere Kriege lostreten, konnte Richard David Precht nicht teilen. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Abgesehen von innenpolitischen Themen warfen Lanz und Precht auch den Blick über den nationalen Tellerrand hinaus. Mittelfristig brauche es dringend eine europäische Armee, forderte Letzterer - speziell mit Blick auf US-Präsident Donald Trump. An der vielfach anvisierten Bereitstellung eines Sondervermögens von 200 Milliarden Euro für die Aufrüstung der Bundeswehr übte er aber scharfe Kritik: „Was mich stört, ist, dass wir panikartig eine Riesensumme in den Raum stellen, ohne dass so richtig klar ist, wie eine künftige europäische Verteidigungsstrategie aussehen soll.“

Laut Precht sei es eine „Verschwörungserzählung“, dass Russland „unmittelbar“ einen neuen, größeren Krieg anfange, sollte der Krieg in der Ukraine ein Ende finden. Lanz konnte diese Gelassenheit nicht teilen und verwies auf die „Internationalisierung des Konflikts“ - inklusive sechs beteiligter Atommächte. Precht bezeichnete es als „feuchten Traum von Putin“, eine Marionettenregierung in der Ukraine einzusetzen. Lanz merkte an, in diesem Szenario würde ihm Angst machen, dass Putin dann auch Herr einer „extrem kampferprobten, taktisch sehr geschickten“ ukrainischen Armee wäre.

Richard David Precht holte daraufhin aus, Russland käme bei einer möglichen diplomatischen Lösung nur dank Donald Trump mit einem „blauen Auge“ aus dem Krieg, habe aber „schrecklichen Blutzoll“ gezahlt. So sei man weit entfernt von einem „schillernden Sieg“, sofern Russland nur Gebiete bekäme, „die du in drei Jahren komplett kaputtgemacht hast“. Ein Ende des Krieges in der Ukraine als Grundlage für weitere Überfälle Putins zu nehmen, sei auch alleine deshalb „total alberner Quatsch“, weil die Wirtschaftsleistung Russlands niemals für die Finanzierung einer großen Armee reiche. (tsch)