„Das Bild, dass Dicksein schlecht ist und Dünnsein gut, bekommt man sehr früh vermittelt“, weiß Sophia Thiel. In einer ARD-Doku spricht die ehemalige „Let's Dance“-Kandidatin und Fitness-Influencerin offen über ihre Essstörung. Auch Ex-“Bachelorette“ Sharon Battiste widmet sich der titelgebenden Frage: „Bin ich schön?“
Sophia Thiel spricht in ARD-Doku über ihr Gewicht„Alles Gute passiert mir, wenn ich abnehme“

„Ich freue mich auf meine 30er“, sagt Influencerin Sophia Thiel in der ARD-Dokureihe „Bin ich schön?“. „Erst mit 28 habe ich so richtig mit meinem Leben angefangen.“ (Bild: NDR/DRIVE beta/Dominik Böhm)
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1,3 Millionen Menschen folgen Sophia Thiel auf Instagram - und das, obwohl die Fitness-Influencerin sich 2019 von heute auf morgen aus den sozialen Netzwerken zurückzog. Die Rückkehr folgte im Februar 2021. Die heute 30-Jährige erklärte damals öffentlich, an der Essstörung Bulimia nervosa erkrankt zu sein, die sich vor allem durch plötzliche und starke Essanfälle auszeichnet.
„Ich hab sehr, sehr lange nicht gewusst, dass überhaupt ein Problem besteht. Ich konnte drei Monate hardcore durchziehen und sehr streng sein, und dann kamen auf einmal wieder Essanfälle“, erinnert sich Thiel nun in der ARD-Dokureihe „Bin ich schön?“. Bereits in jungen Jahren habe sie unter dem gesellschaftlichen Druck gelitten, erklärt die gebürtige Rosenheimerin: „Ich denke, das Bild, dass Dicksein schlecht ist und Dünnsein gut, bekommt man sehr früh vermittelt. Vor allem auch in der Schulzeit.“
Als Kind habe sie „auch mit Mobbing zu tun gehabt und auch sehr früh das Gefüh vermittelt bekommen: 'Okay, so wie du bist, bist du nicht richtig.'“ Mit ihrem Einstieg ins Social-Media-Business habe sie „sehr schnell gemerkt: 'Alles Gute passiert mir, wenn ich abnehme und Leistung erbringe. Und wenn ich das nicht tue, dann bin ich nicht liebenswert oder gut genug.'“
Sophie Thiel: „Ich möchte nie wieder Anfang 20 sein“

„Haare definieren einen nicht, sondern das, was von innen kommt“, weiß die an Alopezie erkrankte Ex-“Bachelorette“ Sharon Battiste. (Bild: ARD)
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Thiel habe „alles kontrollieren“ wollen - bis 2019 der große Zusammenbruch kam und sie sich aus der Öffentlichkeit zurückzog. „Dann gab es so eine existenzielle Krise für mich, weil ich meinen ganzen Selbstwert eigentlich nur über Kraftsport und Social Media definiert habe. Und auf einmal war alles weg - und mir ging es so schlecht wie nie.“ Trotz der selbst verordneten Pause habe sich der Internet-Star weiter im „Selbstzerstörungsmodus“ befunden. „Die Wertschätzung meinem Körper gegenüber kam dann später erst, als ich mit Therapie angefangen habe.“
Inzwischen sei es ihr gelungen, weniger streng mit sich selbst zu sein. „Das kommt aber auch mit dem Alter. Ich möchte nie wieder Anfang 20 sein“, betont Thiel, „ich finde Älterwerden richtig geil. Ich freu mich auf meine 30er. Erst mit 28 habe ich so richtig mit meinem Leben angefangen.“
Mit ihrem Selbstwert haderte einst auch Ex-“Bachelorette“ Sharon Battiste. Die 33-Jährige spricht in der ARD-Doku offen über ihr Leben mit Alopezie. Erstmalig sei der kreisrunde Haarausfall aufgetreten, als Battiste acht Jahre alt war. „Ich habe Therapien gemacht, ich habe verschiedene Sachen geschluckt und das hab ich einfach noch weitere zehn Jahre durchgezogen“, erinnert sich die Schauspielerin. „Ich weiß auch nicht, wie ich das geschafft habe, das Thema war jeden Tag präsent.“
Sharon Battiste: „Ich war einfach total gebrochen“
Die Entscheidung, sich den Kopf zu rasieren, sei Battiste nicht leicht gefallen: „Ich war einfach total gebrochen“, sagt sie rückblickend. „Also diese sechseinhalb Minuten waren Horror. In dem Moment habe ich wirklich gedacht: 'Jetzt hast du dann eine Glatze, siehst wahrscheinlich krank aus, wirst keinen Mann mehr an deiner Seite haben, wirst als Schauspielerin wahrscheinlich auch nicht mehr arbeiten können.“
Letztlich sei alles ganz anders gekommen. „Direkt nach der Rasur dachte ich: 'Okay krass, ich bin voll stolz auf mich.'“ Sie sei sich sicher gewesen, dass sie ihren neuen Look „schon rocken“ werde, erinnert sich der TV-Star: „Das, was ich all die Jahre verloren habe an Selbstwert und an Power, war einfach zurück.“
Die einstige RTL-Rosenkavalierin räumt ein: „Ich habe natürlich auch mal einen schlechten Tag und fühle mich hässlich und habe keine schönen Gedanken.“ Dennoch habe sie gelernt, sich selbst zu akzeptieren. Heute blicke Battiste ganz anders auf den Begriff „Schönheit“: „Haare definieren einen nicht, sondern das, was von innen kommt. Das, was man von innen auch ausstrahlt - das ist für mich Schönheit.“ (tsch)