„Beating Hearts“, „The End“ und „Riff Raff - Verbrechen ist Familiensache“, eine Gangsterkomödie mit Starbesetzung. Das sind die Kino-Neustarts am 27. März.
Unerwünschter VerwandtenbesuchDas sind die Kino-Highlights der Woche

Mafiagangster Leftie (Bill Murray) will den Tod seines Sohnes rächen. (Bild: 2024 RR Film Holdings, LLC/Splendid)
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Wer einmal in kriminellen Kreisen verkehrt, kann sich nur schwer von ihnen lösen. So erzählen es unzählige Filme. Kino-Delinquenten, die ihre illegale Karriere aufgegeben haben, werden früher oder später noch einmal von ihrer Vergangenheit eingeholt. Egal, wie zurückgezogen sie auch leben mögen. Eben dieses beliebte Drehbuchmuster greift Dito Montiels Gangsterkomödie „Riff Raff - Verbrechen ist Familiensache“ auf, in der ein pensioniertes Mafiamitglied von den eigenen Verwandten in Teufels Küche gebracht wird. Was den Film vor allem interessant macht, ist seine namhafte Besetzung. Unter anderem Bill Murray und Ed Harris treffen hier aufeinander.

Ruth (Jennifer Coolidge) und ihr Sohn Rocco (Lewis Pullman) sorgen im Ferienhaus für helle Aufregung. (Bild: 2024 RR Film Holdings, LLC/Splendid)
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Außerdem neu im Kino: „Beating Hearts“, eine wilde Lovestory nach Romanvorlage, und „The End“, eine Untergangsparabel im Musical-Gewand.
Riff Raff - Verbrechen ist Familiensache

Clotaire (Malik Frikah) und Jackie (Mallory Wanecque) verlieben sich Hals über Kopf ineinander. (Bild: Cédric Bertrand/2023 Tresor Films/ Chi-Fou-Mi Productions/Studiocanal/France 2 Cinema/Cool Industrie/Pictanovo/Artemis Productions)
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Ex-Mafiagangster Vincent (Ed Harris) hat seine Verbrecherlaufbahn längst hinter sich gelassen. Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Sandy (Gabrielle Union) und ihrem Teenagersohn DJ (Miley J. Harvey) möchte er das Jahr in ihrem einsam gelegenen Ferienhaus ausklingen lassen. Doch dann kommt alles anders. Mitten in der Nacht stehen plötzlich Rocco (Lewis Pullman), Vincents Sohn aus erster Ehe, und dessen hochschwangere Freundin Marina (Emanuela Postacchini) auf der Matte. Mit dabei ist zu allem Überfluss auch noch Roccos zugedröhnte Mutter Ruth (Jennifer Coolidge).
Entspanntes Silvesterfest: auf Wiedersehen! Denn das Trio hat gute Gründe, unangekündigt aufzutauchen. Rocco, der anders als sein Vater noch immer im Unterweltmilieu verkehrt, hat den Sohn von Gangsterboss Leftie (Billy Murray) umgelegt. Was dieser natürlich nicht einfach hinnehmen kann. Gemeinsam mit seinem ebenso loyalen wie irren Handlanger Lonnie (Pete Davidson) jagt Vincents alter Mafiakumpane schon dem Schuldigen nach.

Finden Clotaire (François Civil) und Jackie (Adèle Exarchopoulos) als junge Erwachsene wirklich wieder zueinander? (Bild: Cédric Bertrand/2023 Tresor Films/ Chi-Fou-Mi Productions/Studiocanal/France 2 Cinema/Cool Industrie/Pictanovo/Artemis Productions)
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„Riff Raff - Verbrechen ist Familiensache“ basiert auf einem Theaterstück von John Pollono, das der Autor selbst für die Leinwand adaptierte. Die Bühnenherkunft lässt erahnen: Dialogwitz spielt im Film eine zentrale Rolle. Zynischer Humor gepaart mit einigen Gewaltausbrüchen - diese Mischung kennt man etwa aus den Werken Quentin Tarantinos, den manche Kritiker in ihren „Riff Raff“-Texten zu Vergleichszwecken heranziehen.
Prunkstück der Familiengangsterkomödie ist zweifelsohne die Besetzung. Skurrile Charaktere sind bei Bill Murray in besten Händen. Pete Davidson hat die richtige Ausstrahlung für einen durchgeknallten Killer. Und Ed Harris, dessen markant-faltiges Gesicht von einem aufregenden Leben erzählt, nimmt man den ins Private abgetauchten Ex-Verbrecher sofort ab. Bereits im Trailer deutet sich allerdings an, dass „American Pie“-Star Jennifer Coolidge, jüngst für ihre Darbietungen in der Anthologieserie „The White Lotus“ mit Preisen überhäuft, den anderen Schauspielern ein wenig den Rang abläuft.
Beating Hearts

Tief im Berg hat sich die Industriellengattin (Tilda Swinton) mit ihrer Familie und engsten Vertrauten vor der Klimakatastrophe in Sicherheit gebracht. (Bild: MUBI/NEON/Felix Dickinson)
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Nordfrankreich in den 1980er-Jahren: Vor einer Schule trifft die aus bürgerlichem Hause kommende Jackie (Mallory Wanecque) auf das großmäulige Arbeiterkind Clotaire (Malik Frikah). Und gleich ist es um die beiden geschehen. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft träumen die Teenager von einer gemeinsamen Zukunft. Dann aber lässt sich Clotaire von Bandenchef La Brosse (Benoît Poelvoorde) umgarnen und findet sich nach einem missglückten Raubüberfall im Gefängnis wieder - für eine Tat, die er nicht begangen hat.

Von links nach rechts: Der Butler (Tim McInnerny), der Vater (Michael Shannon), der Sohn (George MacKay) und die Mutter (Tilda Swinton) lassen im Bunker ihre Stimmen erklingen. (Bild: MUBI/NEON)
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Zwölf Jahre später kommt der junge Mann (nun gespielt von François Civil) aus dem Knast und ist fest entschlossen, sich zu rächen. Daneben will er seiner großen Jugendliebe wieder nahe sein. Jackie (jetzt: Adèle Exarchopoulos) hat unterdessen in Jeffrey (Vincent Lacoste) einen neuen Partner gefunden. Wirklich vergessen kann aber auch sie den raubeinigen Clotaire nicht.
„Beating Hearts“ ist eine Verfilmung des irischen Romans „Jackie Loves Johnser OK?“ von Neville Thompson. Seinen Mix aus Romanze und Gangsterstory lädt der vor allem als Schauspieler bekannte Regisseur Gilles Lellouche mit großer Energie auf, nicht zuletzt dank eines mitreißenden, das jugendliche Gefühlsleben treffend umreißenden Soundtracks. Stark auch: Mallory Wanecque und Malik Frikah als frisch verliebte Teenager.
The End
Immer dann, wenn die Welt aus den Fugen gerät, haben Endzeitstoffe Hochkonjunktur. Zum stetig wachsenden Repertoire an Untergangsvisionen gesellt sich nun auch das Spielfilmdebüt des Dokumentarexperten Joshua Oppenheimer, der mit den Werken „The Act of Killing“ (2012) und „The Look of Silence“ (2014) über die Massaker in Indonesien in den Jahren 1965 und 1966 für internationales Aufsehen sorgte.
Sein programmatisch betitelter Postapokalypse-Streifen „The End“ setzt 25 Jahre nach einer Klimakatastrophe ein, die die Erde an der Oberfläche unbewohnbar gemacht hat. In einem zu einem prächtigen Bunker umfunktionierten Salzbergwerk lebt seither ein Großindustriellenpaar (Tilda Swinton und Michael Shannon) mit seinem Sohn (George MacKay), der in dem goldenen Käfig zur Welt gekommen ist. Ebenfalls anwesend sind die beste Freundin der Eheleute (Bronagh Gallagher), ihr Arzt (Lennie James) und ihr Butler (Tim McInnerny). Rituale und Routinen sollen von der Eintönigkeit ablenken. Mit dem Auftauchen einer weiteren Überlebenden (Moses Ingram) wird der Alltag in der Luxusanlage jedoch gehörig durcheinandergewirbelt.
Ungewöhnlich ist nicht nur das Setting. Überraschend ist auch, dass Oppenheimer seine Endzeitgeschichte als Musical aufzieht. In den wenigsten dystopischen Filmen wird schließlich gesungen und getanzt. Thematisch bewegt sich der Regisseur auf ähnlichem Terrain wie in „The Act of Killing“ und „The Look of Silence“, wo die Frage nach dem Verdrängen im Mittelpunkt stand. Die „Fähigkeit“ des Menschen, sich selbst zu belügen, das eigene Handeln schönzufärben, wird in „The End“ genauestens unter die Lupe genommen. Schmerzhafte Selbsterkenntnisse aufseiten der Zuschauer nicht ausgeschlossen! (tsch)