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Größter Kunstraub aller ZeitenVon diesen 13 Kunstwerken fehlt jede Spur – 10 Millionen Dollar winken für Hinweise

Lesezeit 5 Minuten
Leerer Rahmen des gestohlenen Gemäldes „Eine Dame und ein Herr in Schwarz“ von Rembrandt im Isabella Stewart Gardner Museum, Boston (USA).

Leerer Rahmen des gestohlenen Gemäldes „Eine Dame und ein Herr in Schwarz“ von Rembrandt im Isabella Stewart Gardner Museum, Boston (USA). (Archivbild)

Vor 35 Jahren verschwanden Werke von Vermeer, Rembrandt, Manet und Degas aus einem Museum – bis heute fehlt jede Spur. 

Vor 35 Jahren verschwanden 13 Kunstwerke aus dem Isabella Stewart Gardner Museum in Boston – darunter unendlich kostbare Meisterwerke von Vermeer, Rembrandt, Manet und Degas. Ihr Wert: rund 500 Millionen Dollar. Bis heute gilt der ungelöste Fall vom 18. März 1990 als teuerster Kunstraub der Geschichte.

Die Täter kamen in Polizeiuniformen, fesselten das Wachpersonal - und verschwanden spurlos. Seitdem ranken sich viele Theorien um den spektakulären Kriminalfall: War es ein Mafia-Coup? Ein Insider-Job? Ein Auftrag aus dem Ausland? Trotz einer Belohnung von mittlerweile zehn Millionen Dollar fehlt bis heute jede Spur – von den Bildern und von den Dieben. Um welche Kunstwerke handelt es sich?

Gemälde

Johannes Vermeer – „Das Konzert“

„Das Konzert“ von Jan Vermeer

„Das Konzert“ von Jan Vermeer (ca. 1663 bis 1666)

Dieses Meisterwerk aus den Jahren 1663–1666 zeigt drei Musiker – eine Sängerin, einen Lautenspieler und einen Cembalisten – in intimer Atmosphäre. Mit Abmessungen von etwa 72,5 × 64,7 cm zählt es zu Vermeers größeren Werken. Da Vermeer nur etwa 34 Gemälde schuf, ist jedes seiner Werke von unschätzbarem Wert; „Das Konzert“ allein wird auf über 200 Millionen Dollar geschätzt. Es gilt als eines der teuersten vermissten Gemälde weltweit.


Rembrandt van Rijn – „Christus im Sturm auf dem See Genezareth“

„Christus im Sturm auf dem See Genezareth“ von Rembrandt

„Christus im Sturm auf dem See Genezareth“ von Rembrandt (1633)

Dieses Gemälde von 1633 ist Rembrandts einziges bekanntes Seestück und misst etwa 160 × 128 cm. Es stellt die biblische Szene dar, in der Jesus und seine Jünger in einen Sturm geraten. Der dramatische Einsatz von Licht und Schatten demonstriert Rembrandts meisterhafte Technik. Der Wert dieses Werkes wird auf etwa 100 Millionen Dollar geschätzt.


Rembrandt van Rijn – „Eine Dame und ein Herr in Schwarz“

„Eine Dame und ein Herr in Schwarz“ von Rembrandt (1633)

„Eine Dame und ein Herr in Schwarz“ von Rembrandt (1633)

Dieses Doppelporträt aus dem Jahr 1633 zeigt ein wohlhabendes niederländisches Paar in formeller schwarzer Kleidung. Mit Maßen von etwa 130 × 110 cm zählt es zu den bedeutenden Porträts Rembrandts. Der Wert wird auf mehrere zehn Millionen Dollar geschätzt.


Édouard Manet – „Chez Tortoni“

„Chez Tortoni“ von Édouard Manet

„Chez Tortoni“ oder „Der Journalist“ von Édouard Manet (ca. 1878-80)

Dieses Werk aus den 1870er Jahren zeigt einen Gentleman, der in einem Pariser Café sitzt und Notizen macht. Mit Maßen von etwa 26 × 34 cm ist es relativ klein, aber typisch für Manets impressionistischen Stil. Der Wert wird trotz seiner geringen Größe auf mehrere Millionen Dollar geschätzt, dennoch gab es im Museum vergleichsweise wertvollere Gemälde von Botticelli, Raffael oder Tizian, die unangetastet blieben.


Govaert Flinck – „Landschaft mit Obelisk“

„Landschaft mit Obelisk“ von Govaert Flinck

„Landschaft mit Obelisk“ von Govaert Flinck (1638)

Dieses Gemälde von 1638 wurde lange Zeit Rembrandt zugeschrieben, stammt jedoch von seinem Schüler Govaert Flinck. Es zeigt eine düstere Landschaft mit einem markanten Obelisken und misst etwa 54 × 71 cm. Der Wert des Gemäldes wird auf zwei bis fünf Millionen Dollar geschätzt – eine vergleichsweise hohe Summe für einen Flinck, die allerdings vor allem dem Kontext des berühmten Kunstdiebstahls geschuldet ist.


Zeichnungen und Drucke

Auffällig und bis heute unerklärlich: Unter den gestohlenen Objekten befand sich ein ganzer Schwung kleiner Arbeiten auf Papier – allesamt vom selben Künstler: Edgar Degas. Kein anderer Zeichner oder Maler war in dieser Kategorie betroffen, keine weiteren Skizzen oder Drucke wurden entwendet. Die Werke hingen nicht einmal direkt beieinander, sondern waren im Museum an verschiedenen Stellen verteilt. Warum also gerade diese Auswahl? War es Zufall, ein ungeschultes Auge – oder doch ein gezielter Auftrag mit unerwartetem Fokus?

Edgar Degas – „La Sortie de Pesage“

FBI-Bild oben (3. Reihe, 1. von links)

Diese Zeichnung zeigt Jockeys und Pferde, die das Paddock verlassen. Degas' Faszination für den Pferdesport wird hier deutlich. Obwohl kleiner und weniger wertvoll als die gestohlenen Gemälde, sind solche Werke dennoch von kunsthistorischer Bedeutung.

Edgar Degas – „Le Cortège aux Environs de Florence“

FBI-Bild oben (3. Reihe, 1. von rechts)

Diese Zeichnung zeigt eine Prozession in der Nähe von Florenz. Degas' Interesse an Bewegung und menschlicher Figur wird hier deutlich. Solche Werke bieten Einblick in seine künstlerische Entwicklung.

Edgar Degas – „Program for an Artistic Soirée 1“

FBI-Bild oben (2. Reihe, 2. von rechts)

Ein Entwurf für ein Veranstaltungsprogramm, der Degas' Vielseitigkeit und sein Engagement in der Pariser Kunstszene zeigt. Solche Werke sind für die Forschung zu Degas' Leben und Werk von Interesse.

Edgar Degas – „Program for an Artistic Soirée 2“

FBI-Bild oben (2. Reihe, 2. von links)

Eine weitere Pferdestudie, die Degas' kontinuierliche Erforschung von Bewegung und Form zeigt.

Edgar Degas – „Three Mounted Jockeys“ (Trois jockeys à cheval)

FBI-Bild oben (3. Reihe, 2. von links)

Diese Zeichnung zeigt drei Jockeys zu Pferd und reflektiert Degas' wiederkehrendes Thema des Pferderennsports. Obwohl weniger wertvoll als seine Gemälde, sind solche Studien für das Verständnis seiner Arbeitsweise wichtig.


Objekte & Kleinkunst

Noch merkwürdiger wirkt die Auswahl jener Stücke, die nicht aus der Malerei stammen. Neben den berühmten Gemälden und Zeichnungen nahmen die Täter auch ein chinesisches Ritualgefäß aus Bronze, eine kleine Adlerfigur von einer napoleonischen Standuhr und eine Rembrandt-Radierung mit. Keines dieser Objekte erreicht den materiellen oder künstlerischen Wert der übrigen Beute – was umso mehr die Frage aufwirft, ob hier gezielt gehandelt wurde oder einfach wahllos, was nicht festgeschraubt war, mitgenommen wurde

Chinesisches Bronzegefäß – Gu (Ritualgefäß)

FBI-Bild oben (1. Reihe, 2. von links)

Dieses antike rituelle Trinkgefäß stammt aus der Shang-Dynastie (ca. 12. Jahrhundert v. Chr.) und ist etwa 25 Zentimeter hoch. Solche „Gu“-Gefäße wurden bei Zeremonien verwendet, meist für Weinopfer, und gelten als bedeutende Artefakte chinesischer Bronzezeitkunst. Trotz seines geringeren materiellen Werts im Vergleich zu den gestohlenen Gemälden besitzt es großen archäologischen und kulturellen Wert.

Rembrandt van Rijn – „Selbstporträt“ (Radierung)

FBI-Bild oben (2. Reihe, 1. von links)

Hierbei handelt es sich um eine nur wenige Zentimeter große, detailreiche Radierung – also eine Druckgrafik – auf Papier. Rembrandts Radierungen waren im 17. Jahrhundert weit verbreitet und gehören heute zu seinen wichtigsten grafischen Werken. Zwar nicht so wertvoll wie seine Gemälde, doch aufgrund der Seltenheit dieses Blattes und seines ikonischen Motivs ist es dennoch ein bedeutender Verlust.

Napoleonische Bronze-Adlerfigur (Zierstück)

FBI-Bild oben (1. Reihe, 1. von links)

Diese kleine, fein gearbeitete Adlerfigur war ursprünglich auf einer napoleonischen Standuhr montiert und misst etwa 25 cm. Ihr Wert liegt vermutlich weniger im Marktpreis als im historischen und symbolischen Gehalt. Ihre Entwendung wirkt besonders kurios – wie ein beiläufiges Mitbringsel am Rande eines viel größeren Coups.

Das Isabella Stewart Gardner Museum in Boston, Massachusetts, hat eine Belohnung von bis zu zehn Millionen Dollar ausgesetzt – für Hinweise, die zur sicheren Rückgabe eines oder mehrerer der gestohlenen Kunstwerke in gutem Zustand führen. Es handelt sich um die höchste Belohnung, die je von einem privaten Museum in den USA ausgelobt wurde. Das FBI betrachtet den Fall weiterhin als aktiv und verfolgt jede neue Spur. Anlässlich des 35. Jahrestages des spektakulären Raubs hat das Bureau seine öffentliche Fahndung noch einmal bekräftigt und die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eines Tages zumindest ein Teil der Sammlung wieder auftaucht.