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Betrug im Amateur-Fußball?Anklage gegen Straelener Vereinsmäzen Tecklenburg zugelassen

Lesezeit 2 Minuten
Hermann Tecklenburg ist alleine auf einer Fußballtribüne zu sehen.

Hermann Tecklenburg ist Präsident und Mäzen seines Heimatklubs am Niederrhein.

Bauunternehmer Hermann Tecklenburg steht im Zentrum mutmaßlicher Finanzschiebereien um den Regionalligisten SV Straelen. 

In die Affäre um Finanzschiebereien beim früheren Fußballregionalligisten SV Straelen kommt Bewegung. Wie ein Justizsprecher dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestätigte, hat das Landgericht Kleve die Anklage gegen den Bauunternehmer Hermann Tecklenburg, 76, sowie vier weitere Vertraute zugelassen.

Der Bauunternehmer Hermann Tecklenburg und Ehemann der abgetretenen Trainerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, Martina Voss-Tecklenburg, steht im Zentrum mutmaßlicher Finanzschiebereien um den Fußballclub SV Straelen. Tecklenburg fungierte als Präsident und Mäzen seines Heimatklubs am Niederrhein.

Laut Anklage sollen Spieler und Trainer des damaligen Regionalligisten bis 2020 über Schattenverträge schwarz entlohnt worden sein. Auch soll Bauunternehmer Tecklenburg Beiträge an die Sozialversicherung und die Berufsgenossenschaft nicht abgeführt haben. Die Schadenssumme bezifferte die Staatsanwaltschaft auf rund 860.000 Euro. Der Betrug soll den Ermittlungen zufolge über Tecklenburg-Firmen gelaufen sein. Einer der Mitangeklagten soll demnach zum Monatsanfang Schwarzgeld in Briefumschlägen verteilt haben. Insider sprachen vom „Lohntütenball“.

Mittelfeldspieler soll 6500 Euro im Monat verdient haben

Die Nachricht über die Anklage schlug im deutschen Amateurfußball ein wie eine Bombe. Geht es nach dem Deutschen Fußballbund (DFB), dürfen die Kicker unterhalb der dritten Spielklasse höchstens 250 Euro monatlich annehmen. Ab 450 Euro muss der Verein seine Geldempfänger offiziell bei der Krankenkasse und der Berufsgenossenschaft anmelden, zudem werden Steuern fällig. Diese Regeln werden wohl häufig von den Vereinsbossen in der vierten oder fünften Liga umgangen. Ein Mittelfeldspieler beim Klub des angeklagten Bauunternehmers Tecklenburg soll offiziell für gut 500 Euro je Monat zu den Spielen angetreten sein. Tatsächlich aber strich er den Ermittlungen zufolge bis zu 6500 Euro ein.

Der Kölner Sportökonom Professor Christoph Breuer kennt das Problem. Nach seinen Angaben gibt es auch andere wohlhabende Gönner, die einen Fußballverein finanziell üppigst ausstatten. „Mitunter werden auch noch in der fünften Liga an Spitzenspieler bis zu sechsstellige Summen pro Jahr gezahlt“, sagt der Dozent der Kölner Sporthochschule. Diese Schwarzgeld-Honorare führten zu einer Wettbewerbsverzerrung. „Schließlich gibt es auch viele Vereine, die sauber wirtschaften und solche Tarife nicht aufrufen können.“

Inzwischen musste der einst so vermögende Fußballpatriarch Tecklenburg für mehrere seiner Firmen Insolvenz anmelden. Das galt auch für sein privates Portfolio. Folglich dürfte es schwierig sein, den Unternehmer im Falle eines Schuldspruchs finanziell zu belangen. Bereits nach der Anklageerhebung räumte Tecklenburg ein, dass er einem etwaigen Strafprozess „mit einer gewissen Anspannung entgegen“ sehe, auch wenn er die Höhe der im Verfahren genannten Schadensbeträge anzweifele.