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Ruinierter RufPeter Hartz lebt heute zurückgezogen

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Peter Hartz ist der Namensgeber der umstrittenen Reform.

Berlin – An seinem 60. Geburtstag ließ es Peter Hartz so richtig krachen. Gäste aus nah und fern kamen zur Feier in den edlen Gutshof „Haus Rhode“ in der Nähe von Wolfsburg. Auch Kanzler Gerhard Schröder machte seinem Freund die Aufwartung und schwebte mit dem Hubschrauber ein. Hartz war eine große Nummer bei Volkswagen: Der Manager, Mitglied der SPD und der IG Metall, galt als personifizierte Sozialpartnerschaft. Als Beweis dafür, dass Deutschland reformierbar ist und die Arbeitslosigkeit bekämpft werden kann. Hartz war ein Mann, mit dem sich die Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gerne blicken ließen. Das war im August 2001.

Zu seinem 70. Geburtstag zehn Jahre später kam niemand mehr vorbei. Hartz verbrachte diesen Tag gemeinsam mit seiner Frau in der Abgeschiedenheit der saarländischen Heimat. Er wünsche keine Feier, kein Tamtam und keine großen Worte, ließ er damals die Lokalpresse wissen.

Wer hoch hinauswill, kann auch tief fallen: Am Beispiel des Peter Hartz wird das deutlich. Als Rot-Grün ihn Anfang 2002 mit der Entwicklung eines Reformkonzepts für den Arbeitsmarkt beauftragte, hatte Hartz einen Ruf wie Donnerhall. In den 80er Jahren hatte er mitgeholfen, den Strukturwandel in der Stahlindustrie sozialverträglich zu gestalten. 1993 wechselte er zu Volkswagen, wo er als Personalvorstand in der Rezession die Vier-Tage-Woche durchsetzte und so Zehntausende Beschäftigte vor dem Jobverlust rettete. Später kam das Projekt 5000 x 5000 hinzu: Dieses sah vor, dass VW 5000 Arbeitslose für einen Monatslohn von jeweils 5000 Mark (2 556 Euro) einstellt.

Von den Gesetzen distanziert

Heute ist Hartz’ Ruf ruiniert. Er selbst hat einmal gesagt: „Hartz IV, dieses den Menschen so verhasste Gesetz, ist unverrückbar mit meiner Person verbunden.“ Gerhard Schröder wollte einst das gesamte Arbeitsmarkt-Konzept „eins zu eins“ umsetzen. Das ist nicht geschehen, die Politik verlangt eben Kompromisse. Schon früh hat sich Hartz von den Hartz-Gesetzen distanziert.

Die personifizierte Sozialpartnerschaft war Peter Hartz nicht. So wurde sein Ruf endgültig durch einen weiteren Vorgang ruiniert: Den VW-Betriebsrat machte er sich jahrelang mit Geld, Luxusreisen und Bordellbesuchen gefügig. Als all das herauskam, trat Hartz 2005 von seiner Funktion als VW-Vorstand zurück. Anfang 2007 verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig wegen Untreue und Begünstigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Hinzu kam eine Geldstrafe von 576 000 Euro. Heute lebt er zurückgezogen im Saarland. Er ist noch an regionalen Projekten für Langzeitarbeitslose beteiligt. Die große Bühne sucht Peter Hartz nicht mehr.