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Signal an PutinDeutschland beschlagnahmt russischen Tanker und 40 Millionen Euro-Fracht

Lesezeit 2 Minuten
Auf dem Foto ist der russische Tanker „Eventin“ in den Gewässern vor Rügen zu sehen.

Deutsche Behörden haben den russischen Tanker „Eventin“ beschlagnahmt und mit dem Schiff rund 100.000 Tonnen Öl im Wert von 40 Millionen Euro. 

Deutsche Behörden haben vor Rügen den russischen Tanker „Eventin“ festgesetzt. Das strikte Vorgehen ist auch ein Signal an Putin.

Immer wieder werden von europäischen Behörden Schiffe festgesetzt, die im Verdacht stehen, verbotene Fracht im Auftrag von russischen Firmen zu transportieren. „Schattenflotte“ werden die Schiffe genannt, die unter der Flagge anderer Länder laufen und mit denen russische Unternehmen versuchen, die Wirtschaftssanktionen gegen ihr Land zu umgehen.Nun hat der deutsche Zoll vor der Ostsee-Insel Rügen zu einer ungewöhnlichen scharfen Maßnahme gegriffen.

Deutsche Behörden beschlagnahmen Öl im Wert von 40 Millionen Euro

Bereits am Freitag (14. März) haben die Behörden den unter der Flagge Panamas operierenden Frachter „Eventin“ und dessen Ladung beschlagnahmt. Möglich gemacht hat das ein sogenannter Einziehungsbescheid der Generalzolldirektion.

Das Schiff ankert bereits seit Mitte Januar vor Rügen, der Tanker und die gut 100.000 Tonnen Rohöl im Wert von umgerechnet rund 40 Millionen Euro gehen nun in den Besitz des deutschen Staates über. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Dem gingen sind umfangreiche Beratungen verschiedener beteiligter Ministerien zum Umgang mit dem Schiff voraus. Die „Eventin“ war durch die Ostsee mit Ziel Ägypten unterwegs, trieb aber seit Mitte Januar manövrierunfähig nördlich der größten deutschen Insel Rügen.Da die Gefahr eines Ölaustritts bestand, wurde der Tanker zunächst in die Gewässer vor Sassnitz geschleppt und anschließend rund um die Uhr von deutschen Sicherheitsbehörden überwachtEnde Februar wurde das Schiff von der EU auf die Liste der russischen Schattenflotte gesetzt. Jetzt soll es umgeflaggt werden.

„Eventin“: Ungewöhnlich striktes Vorgehen Deutschlands

Für deutsche Behörden ist das Vorgehen bei der „Eventin“ ungewöhnlich strikt. Aus Kanzleramt und Außenministerium heißt es dazu, Deutschland wolle so ein Zeichen setzen, dass man dem russischen Treiben in der Ostsee keinesfalls tatenlos zusehen würde. 

Das vom dänischen Verteidigungskommando zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Nord Stream 2-Gasleck in der Nähe von Bornholm aus der Luft.

Das vom dänischen Verteidigungskommando zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Nord Stream 2-Gasleck in der Nähe von Bornholm aus der Luft.

Immer wieder kommt es in den Gewässern auch zu anderen Auffälligkeiten, etwa der Sichtung von Schiffen, die der Spionage verdächtig werden oder der Sabotage von Unterwasserleitungen, wie etwa Stromleitungen oder Datenkabeln.Russland steht ebenfalls in Verdacht, verantwortlich für die Lecks an den Gaspipelines Nord-Stream 1 und 2 im September 2022 zu sein. Experten sind sich sicher, dass diese durch eine Explosion herbeigeführt wurden.

Russland bestreitet Vorwürfe – und provoziert mit Militärübungen

Russland bestreitet jede Verantwortung für die Sabotage und macht seinerseits die Ukraine für die Lecks verantwortlich. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass die Operation von dem damaligen ukrainischen Oberbefehlshaber autorisiert wurde. Die Ermittlungen in dem Fall dauern noch an.

Auch militärisch provoziert Russland immer wieder die Ostsee-Anrainerstaaten und das Verteidigungsbündnis NATO, etwa durch das Abhalten von Manövern. Mehrfach drangen russische Militärjets in den vergangenen Jahren in feindliche Lufträume ein, darunter auch über deutschem Gebiet.