US-Vizepräsident J.D. Vance und seine Frau Usha besuchen an diesem Freitag die Militärbasis Pituffik im Nordwesten von Grönland.
Vance-BesuchBei Trumps Grönland-Gag hat der Spaß aufgehört

US-Vizepräsident JD Vance (M.) und seine Frau Usha Vance (2.v.l.) besichtigen die US-Raumfahrtbasis Pituffik in Grönland.
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Das ist zügig eskaliert: Lange galt Donald Trumps Kokettieren mit der Übernahme der teilautonomen dänischen Insel Grönland als Running Gag seiner ersten Amtszeit - irgendwo zwischen leidlich und unfreiwillig komisch. Doch als die Sprüche vor seiner zweiten Amtszeit wieder in seinen Reden auftauchten - zunächst herablassend, dann bedrohlich -, da verging nicht nur den 60.000 Grönländern das Lachen.
Im Januar behielt Trump sich sogar militärische Mittel vor, um seine „Gebietsansprüche“ durchzusetzen - woraufhin EU-Mitglied Dänemark, zu dem die Insel gehört, die eigene Militärpräsenz aufstockte. Und nun ist aus einem Besuch der US-Vizepräsidentengattin, der zunächst nur als Stippvisite auf einer alten Kalten-Krieg-Basis der USA nebst Hundeschlittenrennen geplant war, eine echte Delegationsreise geworden: inklusive Vizepräsident J.D. Vance. Dass nun der Spaß aufhört, zeigte sich darin, dass Arktis-Anrainer Russland prompt die Stationierung weiterer Soldaten in der Region ankündigte.
Trump betont weiterhin Grönlands wichtige Bedeutung
So mag man anfangs gedacht haben, der Grönland-Gag zähle zum „Flood the zone with shit“-Rezept der Trumpianer: So viel Gülle verbreiten, dass die Medien in ihrer Aufregung über die Umbenennung des Golf von Mexiko oder angebliche Annexionspläne für Kanada, Panama und Grönland absaufen und die handfesten Angriffe auf Sozial- und Rechtsstaat untergehen. Nun aber wachsen Zweifel, ob aus dem Witzkrieg doch ein Blitzkrieg werden kann.
Trump wird zudem nicht müde, auf wertvolle Rohstoffe unter Grönlands Eis sowie dessen strategische Bedeutung für Amerikas Sicherheit hinzuweisen. Beides ist unbestritten. China investiert massiv in die polare Rohstoffgewinnung und neue Handelswege. Der US-Luftwaffenstützpunkt fungiert als Raketen-Frühwarnsystem - denn Grönlands Hauptstadt Nuuk liegt näher an New York als an Kopenhagen. Und auch ohne Vance-Visite hat Putin gerade die Sorge geäußert, dass die Nato - gemeint waren Finnen und Schweden - den Norden öfter in ihre Planspiele einbeziehe. Er werde daher die russischen Garnisonsstädte in der Polarzone stärken.
Dieses Dreieck der Traurigkeit müsste den Westen eigentlich mahnen: Wo sich Russland, China und USA belauern, keine Scherze auf Kosten Dänemarks, also der EU! Denn so wenig man den baldigen Einmarsch amerikanischer Truppen auf dänischen Boden fürchten muss, so sehr liefert die Posse doch Putin Argumente dafür, die Besetzung der Krim und andere völkerrechtswidrige Angriffe zu relativieren.
Am kleinen Grönland zeigt sich das große Problem, in das Trump den Westen bewusst steuert: Er zerrüttet die alten Bündnisse und stärkt so die autoritären Regime, die in ihrem Weltmachtstreben über einen zerstrittenen Westen nur jubilieren können.