Auto, Urlaub oder Technik auf Pump? Wer für solche Dinge einen Konsumentenkredit aufnimmt, muss entscheiden, bis wann die Schuld getilgt sein soll. Das hat Einfluss auf die Rate und die Gesamtkosten.
VerbraucherkrediteKonsum finanzieren? So beeinflusst die Rate die Gesamtkosten

Wie viel darf's denn sein? Wer einen Kredit aufnimmt, sollte die monatlichen Raten zur Rückzahlung gut überdenken. Denn sie haben entscheidenden Einfluss auf die Gesamtkosten des Darlehens.
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Wenn das Auto kaputtgeht, die Waschmaschine aus dem letzten Loch pfeift oder die Luxusreise einfach nicht aus dem eigenen Einkommen bezahlt werden kann, bleibt manchen Menschen nur die Finanzierung via Kredit.
Ein solches Vorgehen kann - wenn auch nicht immer - sinnvoll sein. Aber worauf achten bei der Finanzierung von Konsum? Und in wie vielen Raten sollte das geliehene Geld spätestens zurückgezahlt werden, damit die Gesamtbelastung gering bleibt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Wie viel Kredit kann ich mir überhaupt leisten?
Dafür ist es wichtig, sein eigenes Budget zu kennen. Nur wer über mehrere Monate hinweg genau ermittelt, welche fixen und variablen Kosten für Miete, Mobilität, Lebensmittel, Versicherungen und sonstige Belastungen vom Einkommen abgehen, kann abschätzen, welcher Spielraum für monatliche Kreditraten bleibt - und zwar auch dann, wenn in einem Monat verschiedene ungeplante Ausgaben hinzukommen. Bleibt am Monatsende schon so nicht viel übrig, kann in absehbarer Zeit auch keine hohe Kreditsumme zurückgezahlt werden.
Auch die Bank prüft die Kreditwürdigkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Jörg Buschan vom Bundesverband deutscher Banken zufolge zum Beispiel anhand von Bonität und Einkommen und ermittelt so, ob und wenn ja in welcher Höhe ein Konsumentenkredit überhaupt gewährt werden kann.
Inwiefern und warum beeinflusst die Laufzeit eines Kredits die Raten und die Gesamtkosten des Kredits?
„Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine längere Kreditlaufzeit zu niedrigeren monatlichen Raten führt, da die Rückzahlung über einen längeren Zeitraum verteilt wird“, sagt Jörg Buschan. Dadurch steigen allerdings gleichzeitig die Gesamtkosten des Kredits. Denn: Bei einer längeren Laufzeit fallen mehr Zinsen auf den noch offenen Kreditbetrag an. „Eine kürzere Laufzeit bedeutet insofern zwar höhere monatliche Raten, aber insgesamt niedrigere Zinskosten“, sagt Buschan.
Sonja Guettat von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt das anhand eines 10.000-Euro-Kredits mit einer Zinsbelastung von fünf Prozent:
Wer also die ideale Balance zwischen bezahlbaren Monatsraten und einer möglichst niedrigen Gesamtbelastung erreichen möchte, tut gut daran, verschiedene Angebote und verschiedene Kreditlaufzeiten sowie deren Einfluss auf die Gesamtkosten miteinander abzugleichen.
Wie lässt sich die geeignete Kreditlaufzeit und -rate ermitteln?
Sonja Guettat hat eine ganz einfache Grundregel: „Die Nutzungsdauer des finanzierten Gegenstands sollte die Finanzierungsdauer nicht überschreiten.“ Bei einer Immobilie sei es daher auch nicht problematisch, wenn diese erst nach Jahrzehnten abbezahlt ist. Auch ein Auto kann gut und gerne zehn Jahre genutzt werden. Wenn der Kredit also eine solche Laufzeit aufweist, ist auch das in Ordnung. Ein zweiwöchiger Sommerurlaub sollte einen im Folgejahr aber nicht mehr belasten - „weil ich ja da wieder in den Urlaub möchte.“
Ansonsten hängt die Kreditlaufzeit laut Salim Rehan vom Verbraucherportal „Finanztip.de“ ganz entscheidend von drei Faktoren ab: der Kreditsumme, dem Zinssatz sowie dem verfügbaren monatlichen Einkommen - also der Frage: Was kann ich mir überhaupt leisten?
Auf „Finanztip.de“ können Verbraucherinnen und Verbraucher mit Hilfe eines Kreditrechners ein wenig ausprobieren, wie sich Kredithöhe, Zinssatz und Laufzeit auf die monatliche Rate sowie die Gesamtbelastung auswirkt. Verbraucherschützerin Sonja Guettat empfiehlt, die Rate so auszuwählen, dass sich Kreditnehmer sicher sein können, sie über die gesamte Laufzeit zahlen zu können. Man sollte sie aber auch nicht zu niedrig anzusetzen, sodass die Gesamtkosten nicht in die Höhe steigen.
Was ist besser: eine Finanzierung direkt beim Händler abzuschließen oder den Kredit schon vorher bei einem selbst gewählten Anbieter aufzunehmen?
„Falls eine Finanzierung unvermeidbar ist, empfiehlt es sich in der Regel, den Kredit vor dem Kauf über eine Bank aufzunehmen“, sagt Salim Rehan. So ließen sich - zum Beispiel bei einem Online-Vergleichsportal - verschiedene Angebote miteinander vergleichen und ein Kredit zu günstigen Konditionen abschließen.
Zudem können Verbraucherinnen und Verbraucher so gezielt den Händler aussuchen, der Urlaub, Smartphone oder Waschmaschine zum günstigsten Preis anbietet. Diese Vorgehensweise ist Sonja Guettat zufolge zwar zeitaufwendiger. Sie könne Käuferinnen und Käufern aber noch dazu ermöglichen, einen Rabatt beim Händler auszuhandeln.
Im Vergleich dazu ist die Finanzierung beim Händler zwar einfach und schnell abgeschlossen. Ein Vergleich und die entsprechende Flexibilität sind hier allerdings nicht gegeben. Guettat zufolge achten Händler auch weniger sorgsam auf die Bonität ihrer Kundschaft.
Ist es möglich, eine Finanzierung nachträglich zu verlängern oder zu verkürzen?
„Viele Banken ermöglichen es, einen Kredit nachträglich anzupassen – etwa durch Sondertilgungen oder Laufzeitverlängerungen bei finanziellen Engpässen“, erklärt Salim Rehan.
Für Konsumentenkredite gilt Sonja Guettat zufolge zudem die Sonderregel, dass diese auch vor Ende der Laufzeit jederzeit komplett abgelöst werden können.
„Es kann aber sein, dass dadurch neue Kosten entstehen“, sagt die Verbraucherschützerin. Denn bei einer Restlaufzeit des Kredits von mehr als einem Jahr dürfen sie maximal ein Prozent Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Bei einer Restlaufzeit von weniger als zwölf Monaten sind es nur noch höchstens 0,5 Prozent Vorfälligkeitsentschädigung.
Ist es überhaupt sinnvoll, Konsumgüter wie Möbel, ein Auto oder eine Reise mit Hilfe eines Kredits zu finanzieren?
„Das ist eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage“, sagt Sonja Guettat. Denn die Antwort hänge grundsätzlich vom Kaufgegenstand, den persönlichen Lebensumständen und den Konditionen ab. Je notwendiger ein Geschäft sei, desto eher könne es sinnvoll sein, dieses auch zu finanzieren.
Wer etwa ein Auto für den Weg zur Arbeit benötigt und sich ohne Kredit keines leisten kann, der kann mit einer Finanzierung gut beraten sein. Dabei immer wichtig: die eigenen finanziellen Verhältnisse und das Budget gut einschätzen. Für Luxusartikel und schnell vergängliche Dinge wie Technik, Kleidung oder Reisen ist es hingegen nicht ratsam, eine Finanzierung aufzunehmen.
Salim Rehan rät insbesondere Personen mit geringem Einkommen, unsicherer Beschäftigung oder fehlenden Rücklagen, auf einen Konsumentenkredit zu verzichten. In solchen Fällen sei es sinnvoller, den benötigten Betrag anzusparen, damit Betroffene nicht Gefahr laufen, auf Dauer in die Überschuldung rutschen. (dpa)