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AstronomietagAm Radioteleskop Effelsberg ist der Blick in die Weiten des Himmels möglich

Lesezeit 4 Minuten
Zahlreiche Menschen tragen Schutzbrillen und betrachten die partielle Sonnenfinsternis. Im Hintergrund ist das Radioteleskop Effelsberg zu sehen.

Fasziniert von der partiellen Sonnenfinsternis waren die Kinder einer Wuppertaler Gruppe, die eigens nach Effelsberg angereist war.

Zum Astronomietag konnten die Besucher am Radioteleskop in Effelsberg die partielle Sonnenfinsternis beobachten. Besuche dort sind oft möglich.

Mehr als 200 große und kleine Sternenfreunde, die die partielle Sonnenfinsternis am Samstag sehen wollten, nutzten die Gelegenheit zum Besuch bei den Profis der Weltraumlauscher am Radioteleskop in Effelsberg. Dort hatte das Max-Planck-Institut zum bundesweiten Tag der Astronomie alles zur „Sofi“-Beobachtung vorbereitet.

Nikolaus Sulzenauer, der am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie an seiner Doktorarbeit schreibt, ist begeistert: „Da unten rechts: Man kann schon einen kleinen schwarzen Fleck des Mondes erkennen.“ Der Fachmann macht schnell den Weg frei, so dass auch andere den Blick durch das leistungsstarke Teleskop genießen können. Zum Beispiel Malte, zehn Jahre alt: „Gigantisch“, entfährt es ihm.

Durchs Teleskop: So nah haben die Besucher die Sonne noch nicht gesehen

So nah und in all ihrer gleißenden Pracht hat er die Sonne noch nie gesehen. Und die schon kurz vor 11 Uhr beginnende partielle Sonnenfinsternis durch den sich vorschiebenden Mond natürlich ebenfalls nicht. Dank des meist blauen, wolkenlosen Himmels ist der Blick durch das mit einer Schutzfolie präparierte Teleskop nicht nur für ihn ein Erlebnis.

Zu bis zu 18 Prozent war die Sonne am Samstag vom Mond bedeckt, knapp 120 Minuten lang war der Blick vom Standort vor dem Besucherzentrum in Effelsberg möglich. Das wollte sich auch eine 17-köpfige Reisegruppe aus Wuppertal nicht entgehen lassen, zu der neben Malte weitere sieben Kinder zwischen acht und elf Jahren gehören.

Ein Mann schaut durch ein Teleskop. Ein weiterer Mann und eine Frau stehen rechts und links von ihm und schauen dabei zu.

Doktorand Nikolaus Sulzenauer (M.) richtete für Wenjie Wu, ebenfalls Student der Radioastronomie in Bonn, und Ekterina Moeruva vom MPI das Maksutov-Teleskop ein.

Zahlreiche Menschen sitzen in einem großen Raum auf roten Stühlen. Sie schauen auf einen Bildschirm, auf dem das Radioteleskop bei Bad Münstereifel-Effelsberg zu sehen ist.

Die Arbeit der Wissenschaftler im Radioteleskop wurde im Besucherzentrum mit Filmen und Vorträgen erklärt.

Dr. Norbert Junkes trägt eine Schutzbrille, um die partielle Sonnenfinsternis zu betrachten.

Seine „Sofi“-Brille von 1998 hat auch Dr. Norbert Junkes mitgebracht.

Ihre Eltern kennen sich aus deren Krabbelgruppen, seitdem wird einmal im Jahr ein gemeinsamer Ausflug geplant, berichtet Meike Lorenz. Ihre Familie habe zwar auf dem heimischen Balkon ein eigenes Teleskop stehen – doch das Ablicht der Stadt im Tal der Wupper sei zu stark. Da helfe nur der Wohnmobilurlaub an der nachts dunkleren Nordseeküste. Oder ab und an ein Abstecher in die Eifel. Nach dem Besuch am Radioteleskop wird es bald eine Nacht im Sternenpark bei Vogelsang sein.

Unterdessen hat Nikolaus Sulzenauer neben der beginnenden partiellen Sonnenfinsternis auch noch etwa anders entdeckt: Sonnenflecken, magnetische Felder aus dem Sonneninnern, die sich beim Austritt auf die 6000 Grad heiße Oberfläche abkühlen und mit der Gasbildung leicht verdunkeln. Diese Materie wird mit dem Sonnensturm ins Weltall geschleudert:. „Wir können mit Sicherheit von einem solchen Sturm ausgehen, der aber nicht so stark sein wird wie im vergangenen Jahr.“

Experte geht davon aus, dass Nordlichter in der Region zu sehen sind

Erreichen die Sonnenwinde die Erde, lösen sie die Nordlichter aus. Im Frühjahr und wieder im Herbst dürften nach Sulzenauers Einschätzung auch in diesem Jahr in der Region bei klarem Nachthimmel die spektakulären Lichtphänomene zu sehen sein.

Während die einen Besucher die partielle Sonnenfinsternis beobachten, lenkt Dr. Nobert Junkes , für die Öffentlichkeitsarbeit des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie zuständig, den Blick von mehr als 40 Zuschauern auf den Erklärfilm zur Arbeit der Wissenschaftler in den Fachräumen am 100-Meter-Radioteleskop in der Talsenke unterhalb des Besucherzentrums. „Der Tag der Radioastronomie ist für uns der Testlauf vor dem Saisonstart am Dienstag“, so Junkes. Für ihn ist es eine Art Abschiedstour: Nach 28 Jahren im Dienst der astronomischen Allgemeinbildung und tausenden von Vorträgen geht er am Jahresende in den Ruhestand.

Besuche am Radioteleskop sind nahezu täglich möglich

In all den Jahren hat sich der Wissenschaftler bemüht, es den jeweiligen Besuchergruppen recht zu machen: „Ich habe hier alles, vom Kindergartenabschluss bis zum Astronomiestudenten“, berichtet er. Da müsse der Vortrag entsprechend angepasst werden. Das Interesse am Thema sei immer da, man müsse die Leute aber „da abholen, wo sie wissensmäßig stehen“. Kinder stellten dabei oft die interessantesten Fragen, berichtet er aus seiner Erfahrung. Etwa: „Warum ist der Himmel blau?“ Das sei gar nicht so einfach verständlich zu beantworten.

Mittlerweile ist die Gruppe der neugierigen „Sofi-Gucker“ vor dem Besucherzentrum auf um die 50 Personen angewachsen. Das Team des Instituts verteilt entsprechende Brillen, manche Besucher haben sogar noch das Exemplar vom 11. August 1998 mitgebracht, als eine totale Sonnenfinsternis über Deutschland zu sehen war. 

Die Kinder aus der Wuppertaler Gruppe stellen sich nebeneinander auf, setzen ihre Schutzbrillen auf, richten den Blick konzentriert zur Sonne. Ein gar nicht mehr so kleiner, schwarzer, sichelförmiger Kreisanriss ist unten rechts zu erkennen. Oder ist doch ein Raumschiff von Außerirdischen im Anflug? Die Kinder jedenfalls würden es willkommen heißen.


Radioteleskop des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, Max-Planck-Straße 10, in Effelsberg. Vorträge finden ab dem 1. April dienstags bis samstags um 10, 13 und 15 Uhr statt. Informationen dazu gibt es auf der Homepage. Anmeldungen werden per E-Mail unter public@mpifr-bonn.mpg.de erbeten.