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Grundstücke notgedrungen verkauftSenioren-Bungalows in Kommern sind gefloppt

Lesezeit 3 Minuten

Einen wunderbaren Blick auf den historischen Kommerner Ortskern mit Kirche hat man vom Baugebiet an der Gielsgasse.

Kommern – Das ehemals aus Wiesen und Ackerland bestehende Terrain zwischen Gielsgasse und Münsterweg in Kommern wurde von den Verantwortlichen in Rat und Verwaltung gerne als „Filetstück“ bezeichnet. Also als besonders wichtige Fläche in direkter Nähe zum historischen Ortskern. Viele Jahre grübelte man im Mechernicher Rathaus darüber nach, was an dieser Stelle entstehen könnte.

Schließlich war man sich einig, dass die Grundstücke für eine Senioren-Wohnsiedlung optimal wären, weil ältere Menschen von dort aus zu Fuß oder mit dem Fahrrad schnell in die Kommerner Ortsmitte gelangten. Die Geschäfte dort würden durch den potenziellen Zuwachs an zahlungskräftiger Kundschaft ganz nebenbei aufgewertet, so glaubte man. So weit, so gut.

Viele Sonderwünsche waren schwer zu erfüllen

Grundstücke fast alle verkauft

Die Firma „Lebensziel“ hatte auf der von der Stadt erworbenen Fläche in Kommern insgesamt 39 Grundstücke ausgewiesen. Die Parzellen sind nach Auskunft von Geschäftsführer Marko Peckmann inzwischen bis auf zwei Baustellen verkauft. „Wir stehen aber auch bei diesen beiden Grundstücken kurz vor dem Verkaufsabschluss“, versicherte Peckmann. Von den ursprünglich geplanten seniorengerechten Bungalows wurden nur zwei realisiert.

Auf den übrigen Parzellen werden fast ausschließlich anderthalbgeschossige Häuser entstehen, wie Bürgermeister Dr. Schick bestätigte. (hoc)

Die Sache mit der Senioren-Wohnsiedlung hat allerdings nicht geklappt, wie Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick freimütig zugab: „Wir hatten uns das anders vorgestellt. Das ist keine Erfolgsgeschichte.“ Ende 2014 hatte die Stadt die noch nicht bebauten Grundstücke zwischen Münsterweg und Gielsgasse an die Firma Lebensziel im niedersächsischen Holle verkauft. Man darf davon ausgehen: zu einem ordentlichen Preis.

Marko Peckmann, der Geschäftsführer von Lebensziel, hatte der Stadt ein durchaus attraktives Konzept vorgestellt, das im Mechernicher Stadtrat Zustimmung fand. Menschen im vorgerückten Alter, die in der nachfamiliären Phase nicht mehr so viel Platz brauchen und sich verkleinern wollen, sollten in die eingeschossigen, barrierefreien Bungalows der Firma Lebensziel einziehen. Drei unterschiedliche Modelle standen zur Auswahl.

Der Akquirierung der Bauwilligen erwies sich jedoch als schwierig, wie Geschäftsführer Peckmann im Gespräch mit dieser Zeitung zu berichten wusste. „Die Kunden hatten jede Menge Sonderwünsche, die sich nicht so einfach erfüllen ließen, weshalb viele Interessenten wieder abgesprungen sind“, so Peckmann.

Waren unterschiedliche Preisvorstellungen der Grund?

„Im Nachhinein wäre es besser gewesen, die Häuser hinzustellen und anschließend zu verkaufen“, meinte er. Aus Verwaltungskreisen war zu hören, dass möglicherweise auch die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Kunden und Anbieter der Grund gewesen sein könnte, warum die Grundstücke plus Häuser nicht zügig an den Mann gebracht werden konnten.

Da der Kauf der Parzellen für das Unternehmen „Lebensziel“ mit einem nicht geringen finanziellen Aufwand verbunden und deshalb ein rascher Abverkauf der Grundstücke angezeigt war, standen Peckmann und Co. ziemlich unter Druck. Nachdem sich in den Jahren 2015 und 2016 erst mal nicht viel tat auf dem Kommerner „Filetstück“, weil die Stadt die Erschließung der Parzellen bewerkstelligen musste, kam man im vergangenen Jahr zum Schluss, vom ursprünglichen Konzept abzuweichen.

„Lebensziel“ entschloss sich schweren Herzens, die Baustellen ohne Hausaufbau an Interessenten zu verkaufen. Ein Musterhaus, das die Firma ursprünglich bauen wollte, um den Kunden eines ihrer drei Modelle schmackhaft zu machen, wurde nicht mehr realisiert.

„Ich finde es schade, dass Lebensziel seine Pläne nicht umsetzen konnte. Man hat in diesem Fall und bei der nicht zustande gekommenen Holzbausiedlung gesehen, dass spezielle Wohngebiete in der Eifel nicht angenommen werden“, sagte Stadtplaner Thomas Schiefer. Das sei zwar schade, aber damit müsse man wohl leben.