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Singen im KarnevalKarnevalslieder aus Zülpich vor dem Vergessen bewahrt

Lesezeit 4 Minuten

Zülpich – Es liegt vielleicht am Vornamen. Der berühmte Kölner Willi Ostermann und der Zülpicher Willy Kampschulte hörten nicht nur auf den gleichen Vornamen, sie hatten auch die gleiche Passion: Heimat- und Karnevalslieder schreiben und komponieren. Aus Kampschultes Feder stammt auch das wohl bekannteste Zülpicher Karnevalslied „En Zöllechs ahle Muure“. Fast schon logisch, dass das Stück das erste von insgesamt 20 Liedern im ersten Zülpicher Karnevalsliederbuch ist.

„Das ist ein echter Klassiker. Vergleichbar mit »Heimweh noh Kölle« von Willi Ostermann“, sagt Arno Kampschulte. Der Sohn des großen Zülpicher Liederschreibers ist Mitglied der ältesten Zülpicher Karnevalsgesellschaft, der Zölleche Öllege. Mit der Unterstützung von Versicherungsfachmann Ferdinand Nagelschmitz haben die Karnevalsjecken nun das Liederbuch erstellt.

„Der Karneval gehört zu Zülpich wie der Dom zu Köln, und zum Karneval gehören die Lieder, die Geschichten erzählen über unsere schöne Stadt. Was gibt es Schöneres, wenn Klein und Groß, Alt und Jung zusammen diese Lieder singen und sich daran erfreuen“, sagt der Präsident der Zölleche Öllege, Günter Esser: „Wenn wir die Lieder jetzt nicht an die Kinder weitergeben, sind sie bald für immer verschwunden, denn wir alte Karnevalsjecken werden ja nicht jünger.“

Dementsprechend will sich Esser mit den Lehrern in Grundschulen und weiterführenden Schulen in Verbindung setzen, damit Zülpicher Karnevalslieder ab sofort wieder Bestandteil des Unterrichts sind.

„Ein Liederbuch ist die schönste Form, das Brauchtum in vielfältiger Weise wiederzugeben“, sagt Arno Kampschulte, der sich nicht immer gerne an die musikalische Früherziehung seines Vaters erinnert. „Während die anderen Kinder Rollschuh liefen, musste ich am Klavier sitzen – jeden Tag 30 Minuten mindestens.“

Das habe auch dazu geführt, dass er später 30 Jahre lang kein einziges Instrument angefasst habe. Mittlerweile spielt der Zülpicher wieder gerne Instrumente und setzt sich leidenschaftlich mit dem musikalischen Nachlass seines Vaters auseinander. „Die Leute haben immer wieder nach Noten gefragt. Sie wollten nicht nur die Texte der alten Lieder haben, sondern eben auch Noten“, sagt Karnevalsjeck Kampschulte. Aber genau das sei mitunter gar nicht so einfach gewesen.

Der Zülpicher Arno Kampschulte (2.v.r.) hat für die alten Zülpicher Karnevalslieder die Noten zusammengetragen.

Im Archiv des Musikers befinden sich zwar die Noten von Klassikern wie „En Zöllechs ahle Muure“ oder „Am Kiesmaat han mir e Hüsje stohn“, aber es gibt auch Lieder im Fundus ohne Noten – wie zum Beispiel das Lied „De Schlacht am Schievelsberg“. Kampschulte: „Dafür habe ich dann einen Notensatz gekauft. Das Lied ist einfach zu schön, um es nicht spielen zu können.“

Das älteste Lied in dem neuen Liederbuch stammt aus dem Jahr 1874. Hierfür habe Kampschulte keine Noten gekauft, da das Lied einfach für sich stehen solle. „Es gibt Lieder, da wagt man sich nicht heran. Wichtig ist einfach, dass wir nicht vergessen, wie der Zülpicher Karneval entstanden ist“, sagt er.

Von den bekannteren Liedern gibt es sogar Partituren, also Arrangements für mehrstimmige Kapellen, damit die Songs während der Karnevalsveranstaltungen gespielt werden können. „Die Lieder sind bei uns ein fester Bestandteil“, so Präsident Esser. Zülpichs Prinz Franz I. (Becker) ist vom Liederbuch begeistert: „Das macht den Karneval und das Brauchtum aus. Wir sind eine herrlich jecke Stadt. Da ist so ein Buch genau das richtige.“

Das Karnevalsliederbuch ist kostenlos in der Agentur bei Ferdinand Nagelschmitz in Zülpich, Frankengraben 60, zu erhalten.

Chronik des Euskirchener Karnevals

Zahlreiche Karnevals- und Heimatlieder umfasst auch eine Dokumentation des Euskirchener Karnevals, die Ferdy Pfahl in Zusammenarbeit mit der Prinzengarde erstellt hat. Sie deckt die Zeit von den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart ab. Pfahl ist Ehrenpräsident der Prinzengarde, die er rund 20 Jahre leitete, und war in der Session 1999/2000 Prinz im Euskirchener Dreigestirn. Die rund 600 Seiten starke Chronik enthält Hunderte Fotos, Schriftstücke und andere Dokumente.

Bei der Liederauswahl handelt es sich um einen Abdruck des Heftes „Sang und Klang im Euskirchener Karneval“, dessen Erstauflage die Stadt Euskirchen um 1960 herausgab. Die Sammlung wurde von Franz Sievernich zusammengestellt. Er hat auch die meisten der abgedruckten Lieder getextet und komponiert. Zu den Ausnahmen gehört „Oeskerche, Oeskerche“. Die Musik des bekannten Heimatliedes stammt von Matthias Honnef, der Text von Werner Kirfel. (ejb)