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Stadt ist VorreiterinBank in Leichlinger Stadtpark macht auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam

Lesezeit 3 Minuten
Nadja Kischka-Wellhäußer (l.) und die Leichlinger Ratsfrauen setzten sich für die Orange Bank im Stadtpark ein. Bürgermeister Steffes und die Ratsherren begrüßten das Projekt.

Nadja Kischka-Wellhäußer (l.) und die Leichlinger Ratsfrauen setzten sich für die Orange Bank im Stadtpark ein. Bürgermeister Steffes und die Ratsherren begrüßten das Projekt.

Die Stadt Leichlingen hat eine zweite Orange Bank eingeweiht. Bisher gibt es in keiner weiteren Kommune in Rhein-Berg eine solche im Freien.

Fast täglich wird eine Frau getötet, alle drei Minuten sind Frauen Opfer von häuslicher Gewalt laut Angaben des Bundesinnenministeriums. Die Zahlen sind eindeutig. „Ich würde mir wünschen, dass es nicht so selbstverständlich ist, dass Frauen auf der schwächeren Seite der Gesellschaft stehen“, sagt Nadja Kischka-Wellhäußer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leichlingen. 2021 hatte sie deshalb erstmals die Idee, mit einer orangen Bank in Leichlingen auf das Thema Gewalt an Frauen hinzuweisen. 

Im vergangenen Sommer konnte die erste Bank vor dem Leichlinger Rathaus eingeweiht werden. Sie steht an einer Bürgerbushaltestelle und wird dementsprechend täglich genutzt. „Es soll auch einfach eine Bank sein“, sagt Kischka-Wellhäußer, schließlich will sie das Thema in der Gesellschaft so alltäglich positionieren, wie eben eine Haltestellenbank. 

Leichlinger Ratsfrauen setzten sich fraktionsübergreifend ein

Am vergangenen Mittwoch konnte die Gleichstellungsbeauftragte nun noch eine weitere orange Bank im Stadtpark einweihen. Für die Bank hatten sich die Leichlinger Ratsfrauen fraktionsübergreifend eingesetzt. Da die Bank ohnehin baufällig war, sanierte der Bauhof sie und strich sie orange. Jetzt soll nicht nur die leuchtende Farbe den Leichlingerinnen und Leichlingern ins Auge stechen, sondern vor allem das Thema: Gewalt an Frauen.

„Ich finde es ein Skandal, dass Femizide und häusliche Gewalt oft als Privatsache abgetan werden“, sagt Nadja Kischka-Wellhäußer und weiter: „Es ist unfassbar, dass in vielen Fällen die Täter nicht wegen Mordes, sondern Totschlags verurteilt werden, weil sie ja ‚gekränkt oder verletzt‘ waren.“

Die Polizeistatistik des Landes NRW für 2024 zeigt, dass im vergangenen Jahr 30.600 Fälle von Sexualstraftaten in Nordrhein-Westfalen erfasst wurden. Damit erfasste die Polizei 5,8 Prozent weniger als 2023. Die Dunkelziffer ist allerdings bei Sexualdelikten bekanntermaßen deutlich höher. Die Zahl der verzeichneten Fälle häuslicher Gewalt stieg in NRW in 2024 auf 61.400. Das sind 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit solchen Aussagen redet man Gewalt an Frauen klein.
Nadja Kischka-Wellhäußer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leichlingen

In der Polizeistatistik sind zwar keine Angaben zur Geschlechterverteilung der Betroffenen gemacht, bei der Einweihung der  orangen Bank am Mittwoch betont Nadja Kischka-Wellhäußer allerdings, dass 80 Prozent der Betroffenen von Partnergewalt Frauen seien. „Es ist ein Unding, dass oft noch der Diskurs vorgebracht wird ‚Männer erleben auch Gewalt‘ – das ist klar und man muss sich auch dafür starkmachen, aber: Es betrifft eine ungleich größere Anzahl von Frauen. Mit solchen Aussagen redet man Gewalt an Frauen klein“, so Kischka-Wellhäußer.

Die Bank soll ein Zeichen dagegen sein: Gegen das Kleinreden, gegen das Totschweigen, gegen das Wegsehen. Und Leichlingen geht damit in Vorreiterposition im Rheinisch-Bergischen Kreis (RBK). Schließlich ist die Stadt die erste Kommune im RBK, die eine orange Bank für alle frei zugänglich, draußen platziert. Mit dieser Aktion soll das Thema außerdem noch nicht beendet sein. Nadja Kischka-Wellhäußer möchte eine weitere Bank nach Witzhelden bringen. An die Bank im Stadtpark soll noch ein QR-Code angebracht werden, der alle Nutzerinnen zu einer Broschüre mit Hilfsangeboten im Umkreis leitet.