In Leichlingen hatte die CDU die meisten Stimmen geholt, die SPD schnitt leicht besser ab als im Bund.
„Erschreckend“Wie die Parteien in Leichlingen auf die Ergebnisse der Bundestagswahl blicken
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Im Leichlinger Ratssaal zählten Wahlhelferinnen und Wahlhelfer am Sonntag Stimmen aus.
Copyright: Dominik Scholz
33 Prozent CDU, 19 Prozent SPD, 14,7 Grüne, 14,3 AfD, 5,7 Linke – so haben die Wählerinnen und Wähler in Leichlingen bei der Bundestagswahl am Sonntag ihre Zweitstimmen verteilt. Am Morgen nach der Wahl lecken die Verlierer ihre Wunden, während die Gewinner schon mit Vorfreude auf die Kommunalwahl im September schauen.
„Erschreckend“ findet Bürgermeister Frank Steffes das Ergebnis seiner Partei, der SPD. „Es war zwar klar, dass die SPD für die Ampel abgewatscht wird“, sagt der Bürgermeister. Trotzdem ist er entsetzt über die 16,4 Prozent, die die Sozialdemokraten auf Bundesebene geholt haben. Immerhin: In Leichlingen sieht es für die SPD etwas besser aus.
Ob es ein Fehler war, mit Olaf Scholz in den Wahlkampf zu ziehen, will Steffes im Nachhinein nicht beantworten. „Das ist vergossene Milch.“ Er hofft und setzt darauf, dass sich die Wählerinnen und Wähler bei der Kommunalwahl anders entscheiden werden. Auch die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Kommunalwahl mit dem Bundestrend doch eher wenig zu tun habe.
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Die Wähler standen Schlange vor dem Wahlamt im Rathaus.
Copyright: Dominik Scholz
Maurice Winter, CDU-Parteichef in Leichlingen und Bürgermeisterkandidat, hat am Tag nach der Wahl gut lachen. Schließlich hat seine Partei in der Blütenstadt noch besser abgeschnitten, als im Bund. „Wir haben das aber auch schon am Zuspruch an den Infoständen gemerkt“, berichtet Winter aus dem Wahlkampf. Migration und Wirtschaft, das seien die Themen gewesen, die die Menschen umtreiben. Gerade in Leichlingen mit seinen Handwerksbetrieben und kleineren Unternehmen.
„Wir sind dadurch aber jetzt auch gefordert“, sagt Maurice Winter. Es gebe viel zu tun, auch im Hinblick auf den Wahlkampf, der demnächst für die Kommunalwahl ansteht. Der Christdemokrat sieht auf Bundesebene jetzt seine Partei und die SPD gefordert, eine Koalition zu schmieden. „Wir sind da in der Pflicht, das erwarten die Menschen.“ Die Beteiligten sollen sich an einen Tisch setzen und die beste Lösung für Deutschland finden.
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Im Feuerwehrgerätehaus in Paffenlöh war auch ein Wahllokal eingerichtet.
Copyright: Dominik Scholz
„In großer Freude“ zeigte sich Klaus Reuschel-Schwitalla, Einzelkämpfer der Linken in Leichlingen, ob der 8,8 Prozent seiner Partei, die noch vor gar nicht so vielen Wochen völlig abgeschrieben schien. Über sechs Prozent habe er erwartet, aber nicht über acht. Er will den Rückenwind mit in den Wahlkampf nehmen und ist überzeugt, dass das auch gelingt. Denn: „Wir haben seit Oktober etliche neue Mitglieder bekommen“, auch in Leichlingen. Und zwar vor allem junge Menschen. Er erklärt das gute Wahlergebnis der Linken mit dem „Rechtsruck“ in Deutschland.
Einer der Wahlverlierer dagegen ist die FDP. „Man hat sehr viel riskiert, um eine Wende für das Land zu bewirken“, sagt der Leichlinger Ortsvorsitzende Lothar Esser. Aber er glaubt, dass viele seiner Partei übel genommen hätten, dass man in der Ampel zu wenig eigene Ziele habe durchsetzen können. Und das Ampel-Aus sei zu spät gekommen. „Schon als der Haushalt in die Luft geflogen ist“, hätte man die Koalition auflösen müssen, meint er. Esser wirbt für Respekt vor der Leistung von Christian Lindner, der noch am Sonntagabend seinen Rückzug aus der aktiven Politik verkündet hatte. Er habe die Partei quasi aus dem Nichts wieder in den Bundestag geführt, trage natürlich aber auch Verantwortung für das aktuelle Ergebnis.
Wer bei den Zweitstimmen in Leichlingen wo besonders stark war
Die CDU holte ihr stärkstes Ergebnis an der Wahlurne im Wahllokal Kinder-/Jugenddorf St. Heribert: 36,78 Prozent. Bei den Briefwählern war sie im Briefwahlbezirk 14, der dem Stimmbezirk Sängerheim Herscheid zugeordnet ist, am erfolgreichsten mit 42,7 Prozent. Die SPD war mit 23,94 Prozent im Bisto-Café Lanzelot am erfolgreichsten, bei den Briefwählern im Bezirk 6, der auch dem Lanzelot zugeordnet ist. Die Grünen bekamen die meisten Stimmen in der Sekundarschule Am Hammer (18,72 Prozent) und im Briefwahlbezirk 12 (Schule Bennert). Die AfD war in der Stadtbücherei am erfolgreichsten (23,91 Prozent) und im Briefwahlbezirk 6 (14,61 Prozent, Lanzelot). Die Linke erlangte nur in der Stadtbücherei mit 10,47 Prozent ein zweistelliges Ergebnis und war auch im Briefwahlbezirk 6 mit 8,77 Prozent am erfolgreichsten. (nip)
Wer bei den Zweitstimmen in Burscheid wo besonders stark war
Die CDU war mit 36,58 in Blasberg, Paffenlöh und Benninghausen an der Urne am erfolgreichsten, bei den Briefwählern im Bezirk 2 (36,86 Prozent), der Massiefen, Nagelsbaum, Kuckenberg, Rötzinghofen, Heddinghofen, Bornheim, Kaltenherberg, Sträßchen, Hammerweg, Dierath, Großhamberg, Dürscheid, Steinweg, Dünweg, Eschhausen und Kotten zugeordnet wird. Die SPD bekam die meisten Stimmen im Wahllokal Dürscheid/Steinweg mit 25 Prozent und im Briefwahlbezirk 1 (20,16 Prozent: Zentrum Ost, Liesendahl, Höhestraße, Geilenbach, Luisenstraße, Burbachstraße, Im Durfeld, Zentrum Süd, Jahnstraße, Adolph-Kolping-Straße, Zentrum, Pastor-Löh-Straße, Griesberg, Büchel, Eulenflug, Füllsichel). Mit 15,56 Prozent waren die Grünen im Wahllokal Zentrum Süd, Jahnstraße, Adolph-Kolping-Straße am erfolgreichsten sowie mit 16,68 Prozent im Briefwahlbezirk 2. Die AfD holte ihr bestes Ergebnis an der Urne mit 26,9 Prozent im Lokal Luisenstraße/Burbachstraße/Im Durfeld und im Briefwahlbezirk 1 (13,44 Prozent: Zentrum Ost, Liesendahl, Höhestraße, Geilenbach, Luisenstraße, Burbachstraße, Im Durfeld, Zentrum Süd, Jahnstraße, Adolph-Kolping-Straße, Zentrum, Pastor-Löh-Straße, Griesberg, Büchel, Eulenflug, Füllsichel). Die Linke war mit 11,93 im Lokal Luisenstraße/Burbachstraße/Im Durfeld am stärksten und im Briefwahlbezirk 1 mit 5,6 Prozent. (nip)