Abwasser-Kooperation in LeverkusenWupperverband plant ein eigenes Klärwerk

Ob die Stimmung so gut bleibt, wenn der Wupperverband in Bürrig ein eigenes komplettes Klärwerk baut? Chempark-Chef Lars Friedrich (vorn) an der Anlage.
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Leverkusen – Beim Wupperverband mehren sich die Zweifel, dass die seit rund 50 Jahren bestehende Klärwerkskooperation mit Bayer, jetzt Currenta, auch in Zukunft ein guter Deal ist. Oder ob es nicht besser ist, sich unabhängig zu machen von dem Betreiber des Chemparks. In den nächsten Monaten wird der Verband das prüfen lassen. Die Planung für den Bau eines kompletten eigenen Klärwerks in Bürrig wird in Auftrag gegeben, kündigte Georg Wulf an, der Vorstand des Wupperverbands.
Bisher sorgt der Verband nur für die grobe, erste Säuberung des Abwassers von rund 320.000 Haushalten in Leverkusen, Leichlingen, Odenthal und den angrenzenden Gebieten. Damit ist das Klärwerk in Bürrig die zweitgrößte von elf Anlagen des Wupperverbands. Die beiden weiteren, viel aufwendigeren Klärstufen besorgt Currenta: Für die nicht unproblematischen Abwässer aus dem Chempark muss das Unternehmen ohnehin eine aufwendige Klärtechnik samt Klärschlamm-Verbrennung vorhalten. Die Behandlung der Haushaltsabwässer bot sich da an und bewährte sich auch. Zuletzt verlängerten der Chempark-Betreiber und der Wupperverband im Jahr 2018 ihre Zusammenarbeit bis 2032.
Macht Currenta ein gutes Angebot?
Danach sei eine Scheidung von Currenta durchaus denkbar, „wir wollen da klarer sehen“ – und in eine bessere Verhandlungsposition mit der früheren Bayer-Tochter kommen, so Wulf am Mittwoch. Mit Blick auf den laufenden Vertrag erwartet Thomas Klein, der Technik-Chef des Verbands, von der Alternativ-Planung eine Antwort auf diese Frage: „Ist das Angebot von Currenta wirklich wirtschaftlich?“ Sicher sei das keineswegs, „das ist eine offene Situation“, sagte Klein.
Dabei geht es auch um die womöglich anstehenden, ganz erheblichen Investitionen in die Anlage. Auf europäischer Ebene wird schon länger darüber diskutiert, die Abwässer besser zu reinigen: Mikroplastik, Spuren von Chemikalien – da könnte viel mehr getan werden. Dafür bräuchten die meisten Anlagen allerdings eine vierte Klärstufe. Das träfe auch auf Bürrig zu, so Vorstand Wulf. Ob eine solche Aufrüstung verlangt wird, sei zwar noch nicht klar: Wegen der Lasten, die als Folge der Corona-Pandemie auf die Volkswirtschaften in Europa zukommen, könnte man in Brüssel einen solchen Schritt auch noch einmal aufschieben, schätzt Wulf. „2022 werden wir da klarer sehen.“
Zeitplan für Diepentalsperre
Vor Herbst 2023 wird es nichts mit der Verwandlung der Diepentalsperre in eine natürliche Bachlandschaft. Der Zeitplan des Wupperverbands sieht vor, erst in zweieinhalb Jahren mit dem Umbau der Seenlandschaft zu beginnen. Fertig sein soll er Mitte 2025. (tk)
Das ist auch der Zeitpunkt, zu dem das eigene Klärwerk des Wupperverbands in Bürrig kalkuliert und somit ein Vergleich zur Fortsetzung der Kooperation mit Currenta möglich sein soll.
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Platzprobleme gibt es auf dem Gelände unweit der Autobahn 1 jedenfalls nicht: Am Rand des Grundstücks sei noch genügend Raum für eigene Anlagen zur Abwasserbehandlung, erläuterte Technik-Chef Klein. Das Rennen ist also offen.