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WahlanalyseWo Lauterbach in Leverkusen zweiter Sieger blieb

Lesezeit 4 Minuten
Karl Lauterbach und Siegmar Heß .

Respekt für den Unterlegenen: Karl Lauterbach (SPD) mit Siegmar Heß (CDU).

Die AfD und ihr Kandidat Yannick Noé verbuchen mancherorts erstaunliche Erfolge.

Im westlichen Wiesdorf und in Quettingen heißt der Sieger der Bundestagswahl nicht Karl Lauterbach, sondern Yannick Noé. In einigen Stimmbezirken hat der Bewerber der AfD tatsächlich mehr Stimmen bekommen als der Leverkusener Seriensieger von der SPD. In Wiesdorf und in Quettingen kam Noé sogar über 30 Prozent. Eine Sphäre, in der sich sonst Lauterbach und punktuell auch der insgesamt Zweitplatzierte des Wahlabends, Siegmar Heß, aufhält. Ein vertiefter Blick in die Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen erklärt, warum Lauterbach im Vergleich zu 2021 knapp 13 Prozent der Erststimmen einbüßte in Leverkusen.

Einen Teil vom Kuchen – nämlich fünf Prozent – bekam Christdemokrat Heß ab, aber noch mehr ging an den AfD-Kandidaten: Noé steigerte sein Ergebnis von gut sieben auf 15,5 Prozent. Auf jeden Fall ein Grund für Heß, die Ergebnisse der AfD in Leverkusen und im gemeinsamen Bundestagswahlkreis mit Köln-Mülheim als „schlimm für die Demokratie“ zu bezeichnen. Es sei jetzt an den Parteien der Mitte, „die Gründe dafür zu bekämpfen“. Den Hauptjob müsse seine CDU machen, die sei schließlich „so stark wie SPD und Grüne zusammen“, bilanzierte Heß am Wahlabend im Rathaus.

Ob für ihn das insgesamt erfreuliche Ergebnis seiner Premiere etwas ist, auf dem man aufbauen kann, ließ er offen: „Ich bin ja auch schon etwas älter“, sagte der 1966 Geborene mit Blick auf eine weitere Kandidatur bei der nächsten Bundestagswahl. Klar sei aber: „Ich werde in der Politik bleiben.“

Überall AfD-Inseln in Leverkusen

In der Don-Bosco-Schule in Quettingen zum Beispiel lag Heß mit 27,9 zwar gut ein Prozent vor Lauterbach, aber genau gleichauf mit Noé. Es ist einer der Stimmbezirke, in dem die AfD die meisten Zweitstimmen bekam: Mit 28,3 Prozent distanzierten die Rechten die SPD um zehn Punkte.

Quettingen hat sich in weiten Teilen als lohnendes Pflaster erwiesen für die AfD. Oftmals wurde die Partei dort stärkste Kraft, gelegentlich mit Zweitstimmen-Anteilen jenseits der 30 Prozent, sogar gegen 35 Prozent. Das ging meist offenbar auf Kosten der SPD, aber deutlich weniger auf Kosten von Karl Lauterbach. Ein ähnliches Bild gibt Steinbüchel ab, das für die Rechten ein gutes Pflaster ist. Auch die Fixheide hat sich zu einer AfD-Hochburg entwickelt. Dort bekam sie mehr als 31 Prozent der Stimmen, die SPD 14, die CDU gut 21, während die Grünen keine neun Prozent bekamen. Noé behielt dort mit gut 28 Prozent die Oberhand über Heß (gut 25) und Lauterbach mit knapp 24 Prozent der Erststimmen.

Rechte Hochburgen sind zudem einige Bezirke in Rheindorf-Nord. Auch dort gibt es Gegenden, in denen die AfD über 30 Prozent erzielte. Das Ziel, auch bei der Kommunalwahl im Herbst drittstärkste politische Kraft in Leverkusen zu sein – im Licht der Bundestagswahl erscheint das gar nicht so utopisch.

Yannick Noé und Markus Wiener von der AfD am Tisch mit Handy

Der Blick auf die Ergebnisse bereitete Yannick Noé (vorn) und Markus Wiener am Wahlabend meistens Freude.

In Bergisch Neukirchen wiederum verbuchte der Gesamtsieger Karl Lauterbach Rekord-Zuspruch: mehr als 40 Prozent. Einen Ausreißer nach oben gab es dort auch für den Freidemokraten Rolf Albach: mehr als 18 Prozent im Bezirk 294, der in der Gaststätte „Zur Delle“ abstimmte. Ansonsten blieb die FDP in Leverkusen diesmal ähnlich schwach wie im Bund. Nebenan in der Gaststätte „Zur Linde“ bedeuteten knapp 33 Prozent für Lauterbach nahezu das Doppelte des SPD-Ergebnisses.

Teile von Alkenrath erwiesen sich diesmal als CDU-Hochburgen. Und im Stimmbezirk, der in der Grundschule am Carl-Maria-von-Weber-Platz abstimmt, ließen die Grünen mit gut 19 Prozent sogar die SPD hinter sich. Ein ähnliches Bild ergab sich im Nachbarbezirk 312. Im Bereich der größeren Wohnhäuser indes schnitt auch die AfD gut ab, wurde auch schon mal stärkste Partei. Große Teile von Schlebusch blieben der CDU treu.

Auch Lützenkirchen bleibt eher CDU-Gebiet, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass Kandidat Heß am besten abschnitt. Dort wurden Erst- und Zweistimme offenkundig aufgeteilt, wie die Auszählung im Werner-Heisenberg-Gymnasium beispielhaft zeigt: Die CDU bekam mit 27 Prozent rund sechs mehr als die SPD – aber Karl Lauterbach lag mit gut 30 Prozent zwei vor Siegmar Heß. Im Lützenkirchener Westen allerdings behielt hier und da auch der CDU-Kandidat die Oberhand.