Das Hospiz Pallilev organisiert im Frühjahr zwei Benefizveranstaltungen, um Spenden zu akquirieren.
„Der Alte“ als SchirmherrLeverkusener Schauspieler unterstützt Spendenaktion des Pallilev

Marianne Müller vom Förderverein, Schirmherr Jan-Gregor Kremp und Christoph Meyer zu Berstenhorst, Leiter des PalliLev, im Garten des Hospizes.
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„Der Bedarf ist riesig“, sagt Christoph Meyer zu Berstenhorst, Leiter und Geschäftsführer des „Pallilev“ zur aktuellen Situation in seiner Einrichtung. Dabei ist die derzeitige Lage kein Einzelfall. Seit der Eröffnung des Hospizes im Februar 2021 sind die Wartelisten voll, die zwölf Plätze begehrt. Die Einrichtung muss nach Dringlichkeit entscheiden. Vergrößern kann sich das Hospiz allerdings nicht. In Deutschland sei es nicht möglich, mehr als 16 Plätze in einem Hospiz anzubieten, dahinter stecke der Gedanke eines familiären Miteinanders, erklärt Meyer zu Berstenhorst.
Dabei stelle dieses Miteinander die Mitarbeitenden aber auch alltäglich vor eine Herausforderung: Die Balance zwischen Nähe und Distanz mit den Gästen – so nennt Meyer zu Berstenhorst die Betroffenen – zu halten. „Es ist wichtig, die Distanz zu halten, um sich emotional zu schützen und nicht alle drei Wochen einen Trauerprozess zu durchleben. Wir werden nicht zu neuen Verwandten oder Familie für unsere Gäste, unsere Aufgabe ist die Begleitung“, sagt er. Trotzdem haben die Mitarbeitenden auch die Möglichkeit, bei Bedarf den psychologischen Dienst in Anspruch zu nehmen.
Das Leben soll hier möglichst viel Platz haben
Ihren Auftrag des Begleitens nimmt die Einrichtung sehr ernst. „Nach der Diagnose hören viele Patienten im Krankenhaus den Satz ‚Wir können nichts mehr für Sie tun‘, das ist ein unmöglicher Satz, denn nur die Heilung ist nicht mehr möglich, man kann aber noch sehr viel für die Menschen tun hinsichtlich Begleitung und Versorgung“, klärt Christoph Meyer zu Berstenhorst auf. Jedes Jahr feiern Gäste und Mitarbeitende des Hospizes zum Beispiel Karneval. In diesem Jahr sei das Lützenkirchener Dreigestirn zu Besuch gewesen, sagt Meyer zu Berstenhorst, denn: „Das Leben soll hier möglichst viel Platz haben.“
Und so zählt auch das Erfüllen letzter Wünsche zu den Aufgaben der Palliativpflege. Vom Stadionbesuch bis zum Lieblingsessen sei schon alles dabei gewesen. Die Menschen hätten ganz unterschiedliche Bedürfnisse am Lebensende: Ob Veränderung und noch zu heiraten oder sich scheiden zu lassen oder Gewohnheit und noch einmal Kindheitserinnerungen aufkommen zu lassen. Der Großteil der Gäste seien ältere Menschen, sagt Meyer zu Berstenhorst, der Altersdurchschnitt liege bei 60 Jahren, der jüngste Gast sei 32 gewesen.
Häufigste Erkrankung im Leverkusener Hospiz sind Tumore
„Die Menschen kommen in 95 Prozent der Fälle mit Tumorerkrankungen: Hirntumor, Lungenkarzinom, Bauchspeicheldrüsenkrebs“, berichtet Meyer zu Berstenhorst. Der wesentlich kleinere Teil seien zum Beispiel neurologische Erkrankungen. Um die Schmerzen der Gäste zu lindern, arbeitet das Hospiz eng mit der Palliativmedizin zusammen. Die Begleitung im Haus stemmen 30 hauptamtliche und 25 ehrenamtliche Mitarbeitende. Die Personalsituation sei stabil, betont der „Pallilev“-Leiter.
Dringenderer Bedarf bestehe bei den Spenden, macht das Hospiz deutlich. „Der Hospizdienst ist in Deutschland auf Spenden angewiesen. Das hat der Gesetzgeber festgelegt, weil die Hospizbewegung ursprünglich aus bürgerlichem Engagement entstanden ist und das soll auch so bleiben“, erklärt Christoph Meyer zu Berstenhorst. Marianne Müller vom Förderverein des Hospizes merkt in Bezug auf die aktuelle Spendensituation an: „Die gesamtwirtschaftliche Lage ist nicht mehr so rosig wie noch vor einigen Jahren. Das merkt man natürlich.“ Auch Firmen würden nun seltener spenden.
Diese Benefizveranstaltungen plant das Leverkusener „PalliLev“
Um sich finanzieren zu können, organisiert das „Pallilev“ in jedem Jahr auch mehrere Benefizevents. So steht am 15. März die Veranstaltung „Wie alt bist Du eigentlich?“ an, die die Schirmherren des Hospizes, die Schauspieler Johanna Gastdorf und Jan-Gregor Kremp, sowie Mariele Millowitsch und Olaf Weiden textlich und musikalisch begleiten. „Man kennt das: Beim Klassentreffen sieht man die ganzen alten Menschen, bis man bemerkt, dass man selbst so alt ist“, skizziert der „Der Alte“-Darsteller Jan-Gregor Kremp das Thema der Veranstaltung, die um 19 Uhr im Erholungshaus beginnt.
Es gehe um das Älterwerden, die Pläne für die Pension, das Loslassen. Aber auch Gefühle, die mit der Rente einhergehen: Das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden und wie man dem Leben dann einen neuen Sinn geben kann. „Und es geht um Humor. Es sind ernste Themen, aber es wird auch ein humorvoller Abend“, so Kremp. Der Vorverkauf für „Wie alt bist Du eigentlich?“ ist schon angelaufen, Karten sind noch erhältlich.
Für den 10. April plant „Pallilev“ eine weitere Benefizveranstaltung im Erholungshaus: Dort tritt, ebenfalls um 19 Uhr, das Musikkorps der Bundeswehr auf. Rund 60 Musikerinnen und Musiker geben hier Marsch- aber auch moderne Filmmusik von John Williams und Hans Zimmer zum Besten.
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen, Karten und die Möglichkeit, für das PalliLev zu spenden, finden Sie auf der Homepage des Hospizes.