Die Bedingungen sind schlecht, die Zahlen trotzdem gut. Der Vorstand will im Opladener Kesselhaus etwas Neues ausprobieren.
Bank zieht BilanzWie Leverkusens Sparkasse attraktiv für junge Leute werden will
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Die Sparkasse hat nach dem Überfall Ende Januar ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft.
Copyright: Thomas Käding
Das Jahr hat unruhig begonnen. Nach dem Überfall Ende Januar sind am Eingang der Wiesdorfer Sparkassenzentrale Sicherheitsleute platziert worden. Das soll auch so bleiben. „Wir haben uns eine Menge noch einmal angesehen“, sagte am Donnerstag Vorstandschef Markus Grawe. Das Ereignis wirke noch immer nach, auch wenn die Sache glimpflich ausging und die junge Täterin ganz schnell gefunden und verhaftet werden konnte. Die Mitarbeiterinnen, die mit einer täuschend echt wirkenden Pistole bedroht wurden, „waren eine Zeitlang krank“ und seien natürlich psychologisch betreut worden, ergänzte Grawe auf Nachfrage.
Was die Sicherheitsvorkehrungen angehe, habe es weitere Änderungen gegeben – „über Details kann ich natürlich nicht öffentlich sprechen“, so Grawe. Schon immer bekämen die Beschäftigten der Sparkasse Sicherheitsschulungen. Darin seien aber nicht nur Überfälle Thema, sondern auch, wie man auf „verbale Gewalt“ angemessen reagiere. Das sei zunehmend wichtiger, „die Gesellschaft ändert sich eben“, der Ton werde rauher.
Wir schulen unsere Beschäftigten auch darin, wie sie auf verbale Gewalt reagieren
Im Sommer will die Sparkasse dann etwas ganz Neues ausprobieren: Im Erdgeschoss des Kesselhauses in der Opladener Bahnstadt wird eine Filiale eröffnet, die auch auf den zweiten Blick nicht an eine Sparkasse erinnern soll. Junge Leute, die bei der Sparkasse arbeiten, sollen jungen Leuten zeigen, dass eine städtische Bank kein angestaubtes Institut ist, das langweilige Apps hat und nichts kann, was an Geldgeschäften hip ist. Etwa auf ETFs Sparen und sich an den meist steigenden Kursen in schönen Grafiken erfreuen.

Nach dem Überfall auf die Hauptstelle der Sparkasse am 27. Januar wurde am Marktplatz eine 18-jährige Frau festgenommen.
Copyright: Ralf Krieger
Das Konzept sei für die Sparkassenwelt neu – die Kollegen in Düsseldorf hätten so etwas auf die Beine gestellt, hieß es. „Da haben wir uns ein bisschen was abgeguckt“, so Vorstandschef Grawe. Zum Beispiel, das Logo genauso wegzulassen wie das typische Sparkassenrot: „YouFin“ hat changierende Farben.
Quereinsteiger aus dem Leverkusener Kaufhof
Aber nicht nur auf der Kundenseite schielt der Vorstand von Leverkusens größter Bank auf die Jugend. Sondern auch beim Personal. Der Wettbewerb um Nachwuchs sei hart; die Sparkasse bietet neben 20 statt 15 – das G8 / G9-Loch lässt grüßen – Ausbildungsplätzen auch ein Duales Studium an, teils mit freier Wahl der Hochschule, „auch wenn wir dazu eine Meinung haben“, so Grawe. Auch hier probiert die Bank etwas Neues aus, das aber nicht einzigartig ist: Die Werbekampagne zeigt echten Nachwuchs vor dem echten Leverkusener Panorama samt Wasserturm.
Grawe weiß auch, dass es mit dem jüngst vollzogenen Personal-Aufbau nicht weitergehen wird. 524 Köpfe zählt die Belegschaft mittlerweile, rund zwei Dutzend Quereinsteiger habe man zum Beispiel vom Leverkusener Kaufhof übernommen. Mehr Personal sei auch sinnvoll. Denn trotz regelmäßig preisgekrönter Banking-App – sie wird inzwischen von 42.000 Kunden genutzt – und sich rasant ausbreitender mobiler Zahlungsvorgänge (1,35 Millionen im Jahr 2023, fast 2,1 Millionen 2024) müssten eher mehr als weniger Kundinnen und Kunden beraten werden: Etwa, weil sie an der Sprachbarriere scheitern.
„Wir haben mehrere Tausend Flüchtlingskonten“, nannte Grawe ein Beispiel für menschlichen Beratungsbedarf. Den lasse sich die Sparkasse Leverkusen rund 40 Millionen Euro kosten. Das sind knapp zwei Drittel des Bilanzpostens „Verwaltungsaufwand“.

Oliver Klenner, Markus Grawe und Alessandro Tetté (von links) sind zufrieden mit 2024.
Copyright: Thomas Käding
Damit sei die Sparkasse im abgelaufenen Jahr gut zurechtgekommen, so Markus Grawe. Der Zinsüberschuss habe mit 88,6 Millionen zwar um viereinhalb Millionen Euro unter der Marke von 2023 gelegen. Dafür sei der Provisionsüberschuss mit 26,6 Millionen Euro um eine Million höher als im Vorjahr. Im Kreditgeschäft hat es trotz der schwierigeren Zinssituation ausweislich der Bilanz Neuabschlüsse von fast einer halben Milliarde Euro gegeben.
Wir haben mehrere Tausend Flüchtlingskonten
Das sind allerdings rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Davon entfielen 332 Millionen auf Firmen- und 162 auf Privatkunden. Letzteres seien fast ausschließlich Baudarlehen gewesen. Weitere 115 Millionen flossen in Bauprojekte von Unternehmen. Für die Beseitigung des Wohnungsengpasses in Leverkusen reiche das aber nicht, so Grawe.
Der Kreditbestand insgesamt beträgt 3,75 Milliarden Euro; die Einlagen auf den rund 100.000 Konten bei der Sparkasse summierten sich zum Ultimo 2024 auf fast dreieinhalb Milliarden Euro, eine Steigerung um 135 Millionen. Die Bilanzsumme stieg um 209 Millionen auf reichlich 4,4 Milliarden Euro, das Jahresergebnis weist die Sparkasse wiederum mit drei Millionen Euro aus.
Ob davon wiederum zwei an die Stadt Leverkusen ausgeschüttet werden, steht dahin. Aber das alles sind Zahlen, mit denen der im vorigen Juni neu formierte Vorstand mit Markus Grawe, Oliver Klenner und Alessandro Tetté sich sehr zufrieden zeigte: Die Zeiten seien unruhig, die deutschen Wirtschaftsdaten schlecht. Nur gut, dass die großen Aktiengesellschaften im Ausland gute Geschäfte machten.