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RestauratorDas alte Hallenhaus in Marienheide wird durchgecheckt

Lesezeit 3 Minuten
Der Zimmerer Lars Blechmann vermisst Fenster an dem Fachwerkhaus in Kempershöhe.

Messen, fotografieren, die Schäden kartieren: Der 27-jährige Lars Blechmann nutzt das Haus für seine Ausbildung.

Der Zimmermeister Lars Blechmann kartiert in Marienheide-Kempershöhe die Schäden des rund 400 Jahre alten Gebäudes seiner Nachbarn.

Rund 400 Jahre alt ist das denkmalgeschützte Fachwerkhaus von Inge und Franz Königshofen in der Marienheider Ortschaft Kempershöhe. Solche Hallenhäuser, in dem früher der Kuhstall mit darüber befindlichem Grasboden voller Futter für die Tiere an den Wohnraum grenzte, gab es früher viele in Oberberg. Heute sieht man diese Art Bauernhaus seltener. Umso begeisterter war Zimmermeister Lars Blechmann, als er von den Königshofens die Erlaubnis bekam, ihr mittlerweile reines Wohnhaus – ohne Kühe – als Abschluss-Projekt für seine Ausbildung zum Restaurator im Zimmerhandwerk zu nutzen.

Schadenskartierung kann bei späteren Sanierungsmaßnahmen helfen

Der Handwerker aus Eiringhausen und das Ehepaar sind praktisch Nachbarn, und so gaben die Hausbesitzer ihre Erlaubnis gerne. „Ich habe das Haus im Vorbeifahren gesehen, angehalten und gefragt, ob ich eine Schadenskartierung vornehmen darf“, berichtet der Zimmermeister. Inge Königshofen sagt lachend: „Wir kannten Lars und wussten, er macht das gut. Jetzt darf er sich also hier austoben.“

Letztlich ist es nun also eine Win-Win-Situation ist. Lars Blechmann (27) kann seine Ausbildung in Kassel beim Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes, wo er auch schon den Meister machte, mit einem heimatnahen Projekt abschließen – und die Königshofens erhalten eine genaue Schadenskartierung, die bei späteren Sanierungsmaßnahmen hilfreich ist. Dafür hat der Handwerker einen Schreibtisch im Garten aufgebaut, ein Schnurgerüst angebracht, das Haus vermessen und Fotos gemacht.

Der Oberberger wird mit einem Stipendium unterstützt

In der Abschlussarbeit werden Maßnahmen vorschlagen, um das Haus zu erhalten, und ein Arbeitsvorbereitungsplan erstellt. Die praktische Prüfung in Kassel dauert zwei Tage. Dass der Zimmermeister den Kurs absolviert begründet er so: „In ganz Oberberg sind Häuser zu finden, die über eine besondere Bausubstanz verfügen, der man sich mit Fachkenntnis und Fingerspitzengefühl nähern sollte.“

Der Oberberger erhält für die viermonatige Ausbildung zum Restaurator im Zimmerhandwerk ein Stipendium der privaten Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Von der Fachjury wurden 14 männliche und drei weibliche Stipendiaten unter anderem aus dem Buchbinder-, dem Steinmetz- und Steinbildhauer-, dem Stuckateur- sowie dem Zimmererhandwerk ausgewählt. Die Stipendien in Höhe von 6000 Euro sind eine Hilfe, die dazu beitragen soll, dass die Lehrgänge der denkmalpflegerischen Bildungszentren mehr Zustrom bekommen und die Prüfungen bei den zuständigen Handwerkskammern abgelegt werden. Mit 52 eingesandten Bewerbungen sei es ein bewerbungsstarkes Jahr gewesen, teilt die Stiftung mit – entsprechend schwer fiel der Jury die Entscheidung.

Lars Blechmann hat mit dem Stipendium einen Teil des Lehrganges finanzieren können. Er ist fasziniert von den Holzkonstruktionen, die die Jahrhunderte überdauern: „Das Sichtfachwerk macht einen Teil des Charmes eines so alten Hauses aus und sollte daher erhalten werden. Darum ist es bei einer Sanierung immer wichtig, darüber nachzudenken, was gut für das Haus ist.“