Erste Worte mit dem BallspielUkrainische Vorschulkinder lernen in Overath Deutsch

Sylvia Knewel (l.) und Melissa Befus mit ihren Schützlingen, denen sie die deutsche Sprache näherbringen.
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Overath – Der kleine rote Ball rollt über den Tisch, von einem Kind zum anderen. „Ich heiße Julya“ sagt das kleine Mädchen mit den roten Haaren und schießt den Ball über den Tisch zu einem Jungen, der brav ebenfalls den Satz sagt: „Ich heiße Maxsim.“ Besonders häufig wandert der Ball zu den beiden Betreuerinnen der zehnköpfigen Kindergruppe, Sylvia Knewel und Melissa Befus.
Die beiden Honorarkräfte der Individuellen Flüchtlingshilfe Overath (Ifo) gestalten den Nachmittag für die Vorschulkinder, helfen ihnen, die deutsche Sprache zu erlernen. Mit spielerischen Übungen erwerben die Fünf- bis Sechsjährigen einen ersten kleinen deutschen Wortschatz, der ihnen helfen soll, bei der im Sommer anstehenden Einschulung zurechtzukommen.
Dreimal zwei Stunden
Jeweils montags, dienstags und mittwochs kommen die Mädchen und Jungen für zwei Stunden mit den Honorarkräften zusammen und lernen, deutsch zu sprechen und zu verstehen.
Organisiert hat den Kurs, der in der Kindertagesstätte „Der bunte Luftballon“ stattfindet, die Individuelle Flüchtlingshilfe Overath (Ifo), unterstützt von Nurhan Dogruer-Rütten, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums. Rainer Koß, designierter Vorstand der Ifo, berichtet: „Im Januar sollte eigentlich unsere Auflösung beschlossen werden, weil unsere Arbeit mit den Flüchtenden von 2015 beendet war.“
Individuelle Flüchtlingshilfe Overath sucht Helfer
Doch dann kam der russische Einmarsch in der Ukraine und alles sah ganz anders aus – die Ifo engagierte sich wieder und half, wo es nötig war. „Momentan suchen wir dringend noch Helfer, die die Menschen aus der Ukraine bei Behördengängen oder Umzügen zum Beispiel unterstützen. Ganz besonders suchen wir Menschen, die ukrainisch oder russisch sprechen, als Sprachmittler.“
Es werde wohl ein Kampf mit der Bürokratie werden, vermutet Rainer Koß, wenn die aus der Ukraine Geflüchteten künftig nicht mehr vom Sozialamt, sondern vom Jobcenter betreut würden und ihre Grundsicherung bekämen. „Allein das Problem mit der Krankenkasse ist schon kompliziert“, schildert Koß, „wir wissen nicht, was da auf uns zukommt.“
Leichterer Einstieg in die Schule
Erst einmal sind die Beteiligten aber froh, dass es mit dem Deutschkurs für Vorschulkinder geklappt hat und die Kleinen einen leichteren Einstieg in die Grundschule haben werden. „Wir haben uns zusammengeschlossen“, so Koß, „die Stadtverwaltung hat für den Raum gesorgt, die Ifo für Materialien und das Kommunale Integrationszentrum hat das Geld für die Honorarkräfte beigesteuert.“
Zwei Kinder stehen noch auf der Warteliste für einen Platz in dem Sprachkurs, denn es sollen höchstens zehn Kinder sein, damit alle noch konzentriert etwas aufnehmen können.
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Toben und Vokabeln lernen
Natürlich geht es nicht zu wie in der Schule, die ukrainischen Kinder sollen ja spielerisch deutsches Vokabular erwerben. Und deshalb geht es nach einer Weile am Tisch auch in die Turnhalle von „Der bunte Luftballon“, die der Sprachkurs mit nutzen darf. Hier können die kleinen Teilnehmer auch mal rennen, toben und nur nebenbei ein paar deutsche Vokabeln mitlernen.
Das Kommunale Integrationszentrum sucht noch Erzieherinnen und Lehrkräfte, die auch für die geflüchteten Kinder zuständig sein sollen.
Außerdem vermittelt das KI auch Schulplätze für geflüchtete Kinder, es ist erreichbar unter (02202) 133100.