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Kommentar

Bürgermeisterkandidatur
CDU Kerpen stellt Parteichef bloß – droht der Bruch?

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Lesezeit 2 Minuten
Das Foto zeigt den Bürgermeisterkandidaten der CDU, Harald Stingl.

Die CDU wählte ihren Bürgermeisterkandidaten. Harald Stingl siegte gegen Addy Muckes.

Vermutlich hätte Addy Muckes als Verwaltungschef vor fachlichen Herausforderungen gestanden, Harald Stingl fehlt es dagegen an Bekanntheit.

Es wirkte wie eine einwandfreie Darbietung, die sich im Kampf um die Bürgermeisterkandidatur der CDU seit der vergangenen Woche abspielte. Sie hatte all das, was gutes Schauspiel braucht: einen klaren Favoriten und einen plötzlich auftretenden „Underdog“, der am Ende triumphierte.

Und eine Handlung, die sich kurz vor dem Ende zuspitzte, in schnellem Tempo auf ihren Höhepunkt zusteuerte und dann mit einem Knall endete. Hinzu kamen spannende Nebencharaktere, die wie – manch einer hinter vorgehaltener Hand behauptete – im Hintergrund die Fäden gezogen hätten.

Ob dem Betrachter nun wirklich ein ausgefeiltes Bühnenstück präsentiert wurde oder ob die Umstände es nur so wirken lassen, das vermag nur der innerste Kreis der Partei zu sagen. Sicherlich ist es nicht ungewöhnlich, dass weitere Bewerber im Kampf um die Bürgermeisterkandidatur auftauchen. Und auch ist es denkbar, dass jemand unerwartet in eine Partei eintritt und sofort Bürgermeisterkandidat wird.

Kerpen: Auffallend viele Mitglieder nahmen teil

Von außen betrachtet lässt sich aber sagen: Es fällt auf, wenn sich auf einer Versammlung plötzlich doppelt so viele CDU-Mitglieder wie üblich einfinden. Es fällt auf, wenn ein Kandidat, der sich seit Jahren in einer Partei engagiert, der überall bekannt ist und dem von allein Seiten Mut gemacht wurde, plötzlich mit 43 zu 75 Stimmen geringeren Rückhalt genießen soll, als jemand, der vor etwas mehr als einem Monat in die Partei eingetreten ist.

Die Auswirkungen dessen machen auch vor den Mitgliedern nicht Halt. Schon auf der Versammlung wurde deutlich: Das Ergebnis der Kandidatenwahl sorgte bei einigen CDU-Leuten für Verärgerung, was sie auch verbal zum Ausdruck brachten. 

Hier zeichnet sich ein möglicher Konflikt ab. Die stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Irmgard Bremer analysierte daher vollkommen richtig: Das Wichtigste für die CDU ist jetzt, geschlossen hinter dem gewählten Kandidaten zu stehen, um auch im Wahlkampf stark auftreten zu können.

Rational betrachtet muss man anerkennen, dass sowohl Addy Muckes als auch Harald Stingl ihre Stärken und Schwächen haben. Während Stingl durchaus eine beeindruckende Verwaltungsexpertise vorweisen kann und sicherlich auch gute Gründe hat zu kandidieren, ist Addy Muckes deutlich bekannter und mit den Menschen in Kerpen eng vernetzt und beliebt. Zudem steht seine politische Vita für sich selbst. Fachlich hätte Muckes aber vermutlich vor vielen neuen Herausforderungen gestanden, wäre er am Ende wirklich Bürgermeister geworden.

Dementsprechend hätte, wäre es denn überhaupt möglich gewesen, der CDU bei diesen beiden Kandidaten vermutlich eine Doppelspitze gut getan: mit einem, der unter der Bevölkerung beliebt ist und einem, der die Verwaltung in- und auswendig kennt.