Die Gemeinschaft baut auf dem Gelände von Schloss Türnich Gemüse an, das Mitglieder für einen monatlichen Festpreis erwerben können.
Schloss TürnichSolidarische Landwirtschaft in Kerpen vergrößert sich
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Severin von Hoensbroech ist Betreiber und Besitzer von Schloss Türnich.
Copyright: Elena Pintus
Zwei neue Folientunnel und größere Flächen für die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) - das präsentierte Severin von Hoensbroech der Öffentlichkeit am Donnerstag auf dem Gelände von Schloss Türnich. „Zudem planen wir auch, einen Hofladen zu eröffnen. Dort kann dann donnerstags all das Gemüse erworben werden, was übrig bleibt“, führt er aus. Los gehen soll es mit dem Laden ab April.
„Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, das beste Gemüse der Welt anzubauen“, scherzt der Hobby-Gärtner: „Der Ansatz ist, die Ökologie so stabil und komplex zu machen, dass die Pflanzen so gesund wie möglich sind.“ Deshalb werde weder gespritzt noch der Boden umgegraben. „Wir wollen, dass sich hier richtig guter Humus bildet. Das ist ein entscheidender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel“, betont von Hoensbroech.
Kerpen: Anbau ohne Umgraben und mit Papp-Platten
Weil es ohne Umgraben aber schwierig ist, dem Unkraut beizukommen, haben die Gärtnerinnen und Gärtner der Solawi unter dem Beet eine Plane und Pappe ausgelegt. „Die Unkräuter kommen dort nicht durch, auch weil es einfach kein Licht gibt“, führt er aus.
Gern gesehen sei in den Beeten alles, „was einen schnellen Umschlag hat“, sagt von Hoensbroech: „Spinat, Schnittsalat, Mangold, das kann man alles mehrmals im Jahr ernten“, erläutert Mateja Marovt, professionelle Gärtnerin. So sei es möglich, auf einer vergleichsweise kleinen Fläche regelmäßig zu ernten und den Solawi-Mitgliedern ihren Anteil auszugeben.
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Mateja Marovt ist die Chef-Gärtnerin. Sie kennt sich ganz genau mit Gemüse aus.
Copyright: Elena Pintus
Denn bei der Solawi zahlen Mitglieder monatliche Beiträge: 85 Euro für eine kleine, wöchentliche Gemüse-Portion, die etwa für einen Zwei-Personen-Haushalt reicht oder 136 Euro pro Monat für eine wöchentliche Portion, die etwa für eine vierköpfige Familie ausreicht. Das Prinzip sehe vor, dass sich Abnehmer und Anbauer das Risiko teilten, sagt von Hoensbroech: „Die Mitglieder zahlen jeden Monat das Gleiche, aber nicht immer fällt der Ertrag gleich groß aus.“
Wer nicht nur regelmäßig mit Gemüse versorgt werden will, darf auch selbst Hand anlegen: „Man kann sowohl das eine als auch das andere machen. Zu Solidarität gehört für uns auch, dass man eine Gemeinschaft anbietet. Wir veranstalten regelmäßig gemeinsame Unternehmungen und die Mitglieder tauschen Rezepte aus“, verrät von Hoensbroech. Derzeit gebe es auch genug Platz in der Gemeinschaft:„ Wir hätten gern 100 Mitglieder, derzeit sind es etwa 70“, sagt der Schlossbesitzer.
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Dies ist einer von zwei neuen Folientunneln, die als Gewächshaus dienen.
Copyright: Elena Pintus
Bereits seit vier Jahren gibt es die Solawi schon, zu Beginn sei die Fläche aber noch deutlich kleiner gewesen, etwa fünf kleine Beete seien es gewesen. Heute umfasst der Garten den Angaben des Besitzers zufolge etwa 1500 Quadratmeter. Neben der Solawi wird auf dem Schloss-Grundstück aber auch Gemüse für mehrere Gastronomie-Betriebe angebaut, so auch für den schlosseigenen.
Neue, nachhaltige Wege in der Landwirtschaft zu gehen, das sei ihm auch eine Herzensangelegenheit, sagt von Hoensbroech: Ich bin eigentlich Psychologe und Regisseur. „Ich habe vor Jahren mal ein Theaterstück gemacht. In diesem Rahmen habe ich mich mit dem Ernährungssystem und unserer Erde beschäftigt und war tiefenschockiert, als ich mich näher mit dem Thema beschäftigt habe.“ Aus seiner Sicht sei vor allem das Ernährungssystem verantwortlich für den Klimawandel. „Ich habe dann eine Leidenschaft für dieses Thema entwickelt“, resümiert er.
Infoabend über die Solidarische Landwirtschaft
Wer Interesse an einer Mitgliedschaft in der Solawi hat, kann am Samstag, 22. Februar, 17 Uhr zu einem Infoabend auf Schloss Türnich kommen. Hier erfahren Interessierte den Betreibern zufolge alles über den Anbauprozess, die Produkte und die Menschen.