In Wesseling klagen Bürger wiederholt über Schuss-Geräusche, Verursacher könnten Landwirte sein.
Anlagen von Landwirten im BlickSchuss-Geräusche in Wesseling geben wiederholt Rätsel auf

An der Grenze zwischen Wesseling und Bornheim könnten die Geräusche entstehen.
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Insbesondere in den Morgen- und Abendstunden peitschten sie durch die Stille und dringen dabei einigen Menschen unwillkürlich durch Mark und Bein: Schüsse. Bei der Stadt Wesseling sind in den vergangenen Monaten häufiger Anfragen und Meldungen über schussähnliche Geräusche eingegangen.
Mal seien die Schüsse in Wesseling-Keldenich am Entenfang zu hören, mal in Wesseling-Süd oder auch in Urfeld. Auch in den sozialen Netzwerken sind diese Knallgeräusche je nach Wetterlage und Windrichtung immer mal wieder ein Thema. Die Ursache für die Schussgeräusche könnten laut der Sprecherin der Stadt Wesseling, Andrea Kanonenberg, Selbstschussanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf dem benachbarten Stadtgebiet von Bornheim sein.
Schreckschussanlagen sollen Vögel und Rehe von Feldern vertreiben
Christoph Lüttgen, Sprecher der Stadt Bornheim, bestätigt diese Vermutung: „Dabei handelt es sich in der Regel um Schreckschussanlagen, die Vögel, seltener aber auch Rehwild vertreiben sollen, die auf den Feldern auf Nahrungssuche sind.“ Auch im Bornheimer Rathaus seien bereits Beschwerden wegen Lärmbelästigung durch Selbstschussanlagen eingegangen.
„Solche Anlagen sind nicht genehmigungspflichtig“, erklärt Lüttgen. Allerdings sei im Landes-Immissionsschutzgesetz (LImschG) in Verbindung mit Nummer 10 der Verwaltungsvorschriften zum LImschG geregelt, dass auch Schussgeräte zur Vertreibung von Vögeln in der Landwirtschaft nur in Lautstärken benutzt werden dürfen, durch die unbeteiligte Personen nicht erheblich belästigt werden. Für die Immissionsschutz-Prüfung beziehungsweise die Kontrolle sei das jeweilige Ordnungsamt zuständig. „Dazu gehört auch, dass die Häufigkeit der ausgelösten Schüsse begrenzt ist“, erklärt der Behördensprecher.
Der Ordnungsaußendienst der Stadt Bornheim hat deswegen nach den eingegangenen Beschwerden direkt gehandelt und Lärmmessungen bei den Anlagen durchgeführt, die sich in relevanter Nähe zur Wohnbebauung befinden. „Ahndungswürdige Sachverhalte wurden dabei aber keine festgestellt“, berichtet Lüttgen. Lediglich mit einem Landwirt habe man im Sinne des Schutzes der Nachtruhe die Stilllegung einer Anlage zwischen 22 und 6 Uhr besprochen und schließlich auch umgesetzt. Insgesamt haben im Stadtgebiet Bornheim noch mindestens fünf Landwirte sogenannte Vogel-Vergrämungsanlagen im Einsatz.
Die Landwirte seien der Stadt bekannt. Namen dürften jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt werden. Auszuschließen ist, dass eine Hasenjagd Ursache für die zuletzt gehäuft zu hörenden Schussgeräusche gewesen sein könnte. Nach Anfragen beim zuständigen Amt in der Kreisbehörde in Bergheim und den Jagdausübungsberechtigten konnte Behördensprecherin Claudia Barleben zusichern, dass in den betreffenden Bereichen keine Jagd ausgeübt wurde.