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KundgebungInitiative engagiert sich unermüdlich für den Ausbau der Geburtshilfe in Rhein-Sieg

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Eine Gruppe von Männern und Frauen vor einem Transparent mit der Aufschrift „Minister Laumann, retten Sie die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis“

Vertreter der Kommunen aus der Region bei der Kundgebung vor dem Cura-Krankenhaus.

Die Gesundheitsinitiative Bonn/Rhein-Sieg organisierte eine Kundgebung vor dem Krankenhaus Bad Honnef. Sie hat auch angrenzende Kreis im Blick.

Am 8. Februar in der Früh musste es für Alice König ganz schnell gehen. Einen Tag, bevor die Geburt ihres Kindes ausgerechnet war, bestand plötzlich der Verdacht einer Plazentaablösung. Doch die Rettungssanitäter fragten mehrfach irritiert nach, ob denn wirklich erst in Bonn die nächstgelegene Geburtshilfe sei.„Ich habe mir Sorgen gemacht“, berichtete die 38-Jährige, „und bis das alles geklärt war, hat es gedauert.“

Aber es ist alles gut gegangen. Ihr Sohn Anton lag am Montag gesund und vergnügt in seinem Kinderwagen vor dem Krankenhaus in Bad Honnef, als die junge Mutter aus Unkel an einer kleinen Kundgebung des Gesundheitsbündnisses Bonn/Rhein-Sieg teilnahm. Gäbe es im Cura-Krankenhaus noch die Geburtshilfe, hätte sie mit eigenem Auto keine fünf Minuten bis ins Krankenhaus gebraucht, so König.

Unkeler Bürgermeister spricht in Bad Honnef von „dramatischer“ Situation

„Minister Laumann, retten Sie die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis“, hieß es auf einem Transparent, vor dem sich nicht nur der Eitorfer Bürgermeister Rainer Viehof, Windecks Bürgermeisterin Alexandra Gauß und Bad Honnefs Erster Beigeordneter Holger Heuser aufstellten, sondern auch Vertreter aus den rheinland-pfälzischen Asbach, Bruchhausen, Linz und Unkel.

Denn auch im nördlichen Kreis Neuwied sei der Mangel an Kreißsälen in der Region „absolut dramatisch“, sagte Unkels Verbandsgemeindebürgermeister Karsten Fehr. Das zeigten die Beispiele von Alice König und von Carsten Krause.

Dessen Sohn und Frau überlebten nach Überzeugung des Vaters vor vier Jahren nur, weil die Geburtshilfe im Cura-Krankenhaus schnell zu erreichen war. Seit sie 2021 geschlossen wurde, ist Krause ganz vorne mit dabei beim Engagement für eine Verbesserung der Situation in der Region. „Ich höre nicht auf“, betonte der Vater von Arian (vier) und Luna (sechs) am Montag.

Nachdem das Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg schon im März zum Auftakt einer Unterschriftensammlung für eine Petition in Eitorf und in Bad Honnef demonstriert hatte, stand gestern laut Knut Kornau die länderübergreifende Krankenhausplanung im Mittelpunkt der Veranstaltung. Daher gab es die Einladungen an die politischen Vertreter aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz.

Geschlossener Kreißsaal in Bad Honnef hat Auswirkungen bis in die Berggemeinden

Der geschlossene Kreißsaal in Bad Honnef wirke sich bis in die Berggemeinden und die rechtsrheinische Talschiene aus, Eitorfs Einzugsbereich – auch in Siegburg und Sankt Augustin wurden in den vergangenen Jahren die Geburtsstationen geschlossen – überlappe den Kreis Altenkirchen.

Knut Kornau forderte die NRW-Landesregierung einmal mehr auf, ihre eigenen Regeln einzuhalten, wonach es maximal 40 Minuten bis zur nächsten Geburtsstation dauern dürfe. Das sei gerade auch im östlichen Rhein-Sieg-Kreis schwierig.

Zu den „Sofortforderungen“ des Gesundheitsbündnisses zählen zudem die Absage an weitere Schließungen von Geburtsstationen und die Wiedereröffnung von Kreißsälen im Rhein-Sieg-Kreis. In der Petition für die Geburtshilfe in NRW steht zudem die Forderung, die Geburten nicht mehr aus den Fallpauschalen zu finanzieren. In diesem Fall müsse die NRW-Landesregierung eine Initiative im Bundesrat starten.

Die Online-Petition (Rettet die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis), die sich an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann richtet, hatte bis Montagnachmittag 1275 Unterstützende, bei der ähnlichen Petition an seinen rheinland-pfälzischen Kollegen Clemens Hoch waren es 206 (Rettet die Geburtshilfe im Kreis Neuwied).

Delegation der Initiative hat einen Termin im Düsseldorfer Gesundheitsministerium

Laut Knut Kornau hat eine Delegation der Initiative in NRW am 2. August ein Gespräch mit Gesundheitsstaatssekretär Matthias Heidmeier. Daran nimmt auch Bürgermeister Rainer Viehof teil.

Alice König, für deren Sohn Anton es am 8. Februar schnell gehen musste, war mit dem Rettungswagen zwar recht schnell im Marienhospital in Bonn. Der Notfall war allerdings auch um 3 Uhr in der Früh. Bei Kontrollfahrten im Vorfeld der Geburt sei sie im normalen Verkehr 45 bis 60 Minuten unterwegs gewesen, sagte die junge Mutter am Rande der Kundgebung vor dem Cura-Krankenhaus.