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Bis zu 21.000 Euro wertStadt Bad Honnef wirft 42 Designer-Stühle aus Kapelle weg

Lesezeit 4 Minuten
Im Container sind die 42 Designer-Stühle aus der Friedhofskapelle in Rhöndorf gelandet.

Im Container sind die 42 Designer-Stühle aus der Friedhofskapelle in Rhöndorf gelandet. 

Tizian Rein, der Enkel des Architekten der Waldfriedhofskapelle in Rhöndorf, entdeckte die Trümmer in einem Container. 

42 Stühle aus der Kapelle des Waldfriedhofs in Rhöndorf sorgen derzeit für Aufregung. In den vergangenen Wochen hat die Stadt Bad Honnef im Rahmen der beschlossenen Sanierung die Stühle entsorgt.

Die Kapelle ist für den Architekturstudenten Tizian Rein (28) aus Rhöndorf ein magischer Anziehungspunkt. Verständlich, denn sein Großvater Hans-Uwe Rein war ein in der Region bekannter Architekt der Nachkriegszeit, und die Kapelle gehört zu einem seiner Schaffenswerke.

„Ich habe als kleines Kind auf diesen Stühlen gespielt“, erinnert er sich an das Gebäude, das im Jahr 1968 auf dem 100 Jahre alten Friedhof errichtet worden ist.

Weggeworfene Stühle wurden Designer Edlef Bandixen entworfen

Über die 42 Sitzgelegenheiten weiß Tizian Rein eine Menge zu berichten: „Es sind Designerstühle mit dem Namen Santo des Designers Edlef Bandixen, die die Firma Dietker hergestellt hat.“ Ein Stuhl sei bis zu 500 Euro wert. Das würde bedeuten, dass in dem Container vor der Kapelle nun Stühle im Wert von 21.000 Euro lägen – zertrümmert.

Die Stadt Bad Honnef erläutert dazu auf Anfrage, dass im Zuge der Sanierung der Kapelle entschieden worden sei, die Stühle zu entsorgen. „Seit vielen Jahren ist die Neue Kapelle von erheblichem Schimmelbefall betroffen. Zur Beurteilung der Situation hat die Stadtverwaltung 2017 ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben“, heißt es aus der Pressestelle.

Das Ergebnis bestätigte eine massive Kontamination des Gebäudes, das daraufhin sofort geschlossen wurde. Die Stühle hätten jahrelang in in dem Gebäude gestanden. 

Kapelle des Waldfriedhofs ist laut Gutachten kontaminiert

„Die Stühle waren über Jahre der Kontamination ausgesetzt, und die Stadtverwaltung ging davon aus, dass sie durch die jahrelange Lagerung in den betroffenen Räumen ebenfalls von Schimmelpilzen befallen waren“, heißt es in der Erklärung weiter. 

Tizian Rein blutet angesichts des bereits seit sieben Jahren anhaltenden Verfalls des Erbes seines Großvaters das Herz. Er hat aus noch funktionstüchtigen Einzelteilen der zerschlagenen Stühle ein Exemplar hergerichtet.

„Ich habe die Holzverbindungen wiederhergestellt und die Elemente frisch verleimt“, schildert der 28-Jährige. Er würde sich freuen, wenn zumindest dieses Exemplar nach Abschluss der Arbeiten wieder in der Kapelle stehen könnte: „Mir ist bewusst, dass das Eigentum der Kommune ist.“

Der eine wieder zusammengesetzte Designer-Stuhl von Tizian Rein, de er sich nach eigenen Angaben nur von der Gemeinde geborgt hat.

Der wieder zusammengesetzte Designer-Stuhl von Tizian Rein, de er sich nach eigenen Angaben nur von der Gemeinde geborgt hat.

Bei seinen regelmäßigen Besuchen habe er auch schon mal einen Blick in die Kapelle gewagt. „Der Bauzaun stand offen.“ Damit ist er vielleicht schon einen Schritt zu weit gegangen. 

„Aufgrund der starken Kontamination wurde das Gebäude damals aus Gründen des Gesundheitsschutzes sowohl als Arbeitsstätte als auch für den Publikumsverkehr gesperrt“, betont die Stadt und bedauert, dass sich einige Bürgerinnen und Bürger durch widerrechtliches Betreten des Gebäudes selbst in Gefahr gebracht hätten. 

Stadt Bad Honnef warnt vor dem Betreten der Kapelle in Rhöndorf

„Zum Schutz der Bevölkerung warnen wir ausdrücklich vor dem Betreten der Baustelle und der kontaminierten Räumlichkeiten. Nicht umsonst ist die Baustelle mit einem Bauzaun gesichert“, heißt es in dem Schreiben. Von einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch werde man im vorliegenden Fall aber Abstand nehmen.

Vor etwaigem Schimmel hat der Architekturstudent, der derzeit an seiner Masterarbeit schreibt, keine Angst: „In der Trauerhalle herrscht seit einem Jahr gute Zirkulation, weil der Vorbau weggerissen worden ist und oberhalb der Tür alles offen ist.“

Die im Stadtrat beschlossenen Sanierungsmaßnahmen auf dem Friedhof in Rhöndorf haben begonnen.

Die im Stadtrat beschlossenen Sanierungsmaßnahmen auf dem Friedhof in Rhöndorf haben begonnen.

Tizian Rein hofft, dass die Außergewöhnlichkeit des Gebäudes so gut wie möglich erhalten bleibt. „Mein Großvater hat sich damals natürlich auch bei der Innenarchitektur mit den flexibel einsetzbaren Stühlen, die extra für Kirchen entworfen worden sind, was gedacht. Es ist schade, dass so alte Sachen viel zu schnell weggeschmissen werden.“

Viele Jahre sei einfach nichts passiert, und viele Bürger in der Region hätten sich gewundert, was nun mit der Kapelle geschehen würde, so Tizian Rein.

Er habe seit 2021 immer wieder versucht, mit der Stadtverwaltung in Kontakt zu treten. Doch ein Austausch sei nie zustande gekommen. Immerhin sei ein Stuhl gerettet. Vielleicht gebe es nach Abschluss der Sanierung doch noch einen würdigen Platz für das Exemplar Santo. Dies bedeute ja im italienischen „heilig“ und passe somit hervorragend in solch eine Kapelle.