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IS-ProzessAngeklagte Sankt Augustinerin distanziert sich von Islamisten

Lesezeit 2 Minuten
Verena_M.

Die Sankt Augustinerin Verena M. muss sich als mutmaßliche Helferin der IS-Terroristen in Syrien in Düsseldorf vor Gericht verantworten. 

Düsseldorf/Sankt Augustin – Eine mutmaßliche IS-Terroristin aus St. Augustin bei Bonn hat sich als Angeklagte vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht von der Terrormiliz distanziert. „Der Islamische Staat erlaubt Dinge, die unser Glaube verbietet. Ich möchte nichts mit den Taten zu tun haben“, ließ die Angeklagte, die am Montag 33 Jahre alt wurde, von ihrer Verteidigerin erklären.

Kein Wort zu den Tatvorwürfen

Der IS habe sie „gelockt und verführt“. Statt der reinen islamischen Lehre „gab es ein System der Zwangsherrschaft mit Folter und Hinrichtungen“, kritisierte die Mutter. Zu den Tatvorwürfen der Anklage wollte sie sich aber nicht äußern.

Laut Anklage hatte sie ihren damals fünfjährigen Sohn gegen den Willen des Vaters 2015 nach Syrien mitgenommen. Außerdem soll sie zwei Sturmgewehre besessen und damit gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben. Die Deutsche hatte sich vor ihrer Ausreise nach Syrien scheiden lassen.

Zeitweise soll die Angeklagte in der damals von den Islamisten kontrollierte irakische Stadt Mossul gelebt haben und später wieder nach Syrien zurückgekehrt sein. Dort soll sie einen IS-Kämpfer nach islamischen Ritus geheiratet haben.

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2019 war sie in Syrien gefangen genommen worden. Aus einem kurdischen Lager war die zweifache Mutter dann Anfang Oktober 2021 nach Deutschland überstellt und noch am Flughafen Frankfurt/Main festgenommen worden.

Vater sagte als Zeuge aus

„Sie hatte mir erzählt, sie wolle mit meinem Sohn in Griechenland Urlaub machen“, sagte der Vater des Kindes am Montag als Zeuge aus.

Die kurdischen Internierungslager seien „menschenunwürdig“, ließ die Angeklagte erklären. Ihre Anwältin beantragte, dazu die Sonderberichterstatterin des UN-Menschenrechtsrats und deutsche Behördenvertreter als Zeugen im Prozess zu hören.

Sohn findet, er habe „sechs Jahre verloren“

Der inzwischen zwölfjährige Sohn der Angeklagten habe die Zeit beim IS gut überstanden, in Deutschland wieder Freunde gefunden, spiele Fußball und gehe gern zur Schule, sagte sein Vater. Nur hin und wieder sage er: „Sechs Jahre verloren.“ Bei einer Verurteilung droht der zweifachen Mutter eine mehrjährige Haftstrafe. Für den Prozess sind bis zum 24. Juni noch 17 weitere Verhandlungstage angesetzt. (dpa)