In sechs rheinischen IHK-Bezirken hatten insgesamt 2200 Unternehmen an der Erhebung teilgenommen.
IHK-BerichtBetriebe in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis sind „nachhaltig verunsichert“
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Der Einzelhandel bleibt das Sorgenkind der regionalen Wirtschaft.
Copyright: Archivbild: Andreas Helfer
Der Blick aufs Konjunkturbarometer stimmt Stefan Hagen, den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, nicht froh. Denn im Gegensatz zum Wetteranzeiger, der Frühling verspricht, teilt das Messgerät der Kammer mit, dass die Wirtschaft weiter stagniert. Und zwar nicht nur in der Region, sondern auch im gesamten Rheinland.
Hagen und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille stellten am Dienstag den Konjunkturklimaindex der sechs rheinischen IHK-Bezirke vor, an dessen Erhebung sich 2200 Betriebe beteiligt hatten. Danach sind viele Unternehmen „nachhaltig verunsichert“, sagte Hagen; für ihn „auch eine Folge der internationalen Entwicklung, vor allem aber das Ergebnis einer verfehlten Wirtschaftspolitik in Deutschland“.
Konjunkturindex steht weiter unter 100 Punkten
Der Konjunkturindex liege mit 89,5 Punkten zum sechsten Mal hintereinander unter 100-Punkte-Marke. Sie gilt als Indikator für die Selbsteinschätzung der Firmen, Zahlen über 100 signalisieren eine gute Geschäftslage. Doch zurzeit überwiegt der Pessimismus.
Nur 22 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Situation als gut, knapp 30 Prozent als schlecht. Die Stagnation belaste auch die Finanzen. Zwar sagen 63 Prozent der befragten Manager, ihre Kassenlage sei unproblematisch, doch 18 Prozent berichten von einem Rückgang des Eigenkapitals, 17 Prozent von Liquiditätsengpässen, 12 Prozent haben Probleme, ihre Forderungen einzutreiben.
Entsprechend zurückhaltend sind die Unternehmen mit Investitionen, oft werde nur „in das Notwendigste investiert“, stellte Hagen fest. Das trifft auch die Beschäftigten. Trotz des weiter bestehenden Fachkräftemangels beabsichtigen 22 Prozent der Firmen, ihren Personalbestand zu verringern, nur 14 Prozent wollen neu einstellen, die übrigen ihre Belegschaft halten.
Der Blick in die einzelnen Branchen: Bei der Industrie ist die Lage unverändert schlecht, besonders mies schaut es im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Metallindustrie aus. Sollte US-Präsident Donald Trump seine Zollpläne umsetzen, könnte sich die Abwärtsspirale noch beschleunigen, befürchten die Kammern. Der Branchenreport über das Baugewerbe zeigt, dass hier vor allem Firmen profitieren, die öffentliche Infrastruktur wie Straßen oder das Glasfasernetz ausbauen, während der Wohnungsbau wegen der hohen Preise und der vorgeschriebenen Baustandards flächendeckend zurückgegangen ist.
Handel bleibt das Sorgenkind für Wirtschaft in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis
Der Handel bleibt weiterhin das Sorgenkind der regionalen Wirtschaft; 30 Prozent der Einzelhändler senken den Daumen bei der Frage nach ihren Geschäften. Das Konjunkturbarometer im Dienstleistungssektor, der in Bonn/Rhein-Sieg besonders ausgeprägt ist, bewegt sich seit zwei Jahren im Bereich der 100-Punkte-Linie.
Während Gastgewerbe und Tourismus pessimistisch sind, haben Berater und Wirtschaftsprüfer offenbar gut zu tun. IHK-Präsident Hagen weiß, warum: „Sie profitieren davon, dass sie betriebliche Nachweisprüfungen, etwa beim Lieferkettengesetz, ausfüllen und die Corona-Hilfen abrechnen müssen“.
Die schwierige Lage der Wirtschaft war aus guten Gründen eines der Top-Themen bei dieser Wahl
Damit ist er bei einem seiner Lieblingsthemen, nämlich der Forderung nach dem Abbau bürokratischer Hemmnisse. Sie steht ganz oben auf der Wunschliste der Kammer an die neue Bundesregierung; dazu kommen Beschleunigung bei Planungs- und Genehmigungsverfahren, Digitalisierung von Verwaltungsleistungen, Begrenzung der Sozialabgaben, Senkung der Unternehmenssteuern sowie Entlastung bei den Stromkosten.
„Die schwierige Lage der Wirtschaft war aus guten Gründen eines der Top-Themen bei dieser Wahl", erklärte Hagen. „Im Wahlergebnis drückt sich auch eine große Unzufriedenheit mit der bisherigen Wirtschaftspolitik aus. Jetzt kommt es darauf an, dass sich schnell eine neue Bundesregierung bildet, die daraus die richtigen Schlüsse zieht.“ Auch die Unternehmen in unserer Region wünschten sich „einen echten Aufbruch durch mehr Verlässlichkeit in der Wirtschaftspolitik.“ Die neue Regierung könne die Stimmung im Land und in der Wirtschaft „schon mit einem überzeugenden Sofortprogramm heben.“