Dessertwein aus dem RheintalEin Besuch bei Winzer Bernd Blöser

In Holzfässern kommt der Wein zur richtigen Reife.
Copyright: Ralf Klodt
Siebengebirge – Die Idee für die neue Rebsorte kam Bernd Blöser beim Besuch des staatlichen Weinbauinstitutes in Freiburg. „2011 wurde uns die Neuzüchtung Muscaris vorgestellt“, erinnert sich der 53-Jährige Winzermeister. Die Rebe sei sehr resistent gegen Pilzerkrankungen, die Trauben hätten ein angenehmes Aroma. Blöser, der auch Präsident des Weinbauverbandes Siebengebirge ist, hatte Interesse.
Bisher wuchs auf einem Teil seiner Hänge im Rheintal die Sorte Optima, doch die Reben hatten an Ertragskraft verloren. Ein Wechsel stand an. „Man sollte mit der Zeit gehen und sein Angebot abrunden“, sagt Blöser. Weinkenner hätten Interesse an „neuen Geschmackserlebnissen“. 2016 fanden 800 neue Rebstöcke auf dem Sülzenberg in Oberdollendorf eine neue Heimat. Vom Jahrgang 2018 konnten erstmals Trauben für 180 Liter geerntet werden.

Ein Blick über das Rheintal.
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„Wir waren sehr gespannt, wie der Wein ankommt“, erinnert sich der Winzer. Denn aus der Muscaris-Traube wird ein schmackhafter Dessertwein gewonnen, der auch als Aperitif getrunken werden kann. Also schon etwas Exklusives, das bewusst gekauft werden sollte. Beim Testen bestätigt sich das sofort.

Seit dem Jahr 2016 baut Winzermeister Bernd Blöser die neu gezüchteten Muscaris-Rebstöcke auf dem Sülzenberg in Oberdollendorf an.
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Gekühlt bei 8 bis 11 Grad ist er angenehm auf der Zunge, sein Bouquet überzeugt. Perfekt als ein Einstieg für ein liebevoll zusammengestelltes Menü oder auch als krönender Abschluss zum Dessert. Dass er ein reiner „Damenwein“ sei, kann so nicht bestätigt werden.

Die erste Lese im Jahr 2018 brachte eine Ernte, die für 180 Liter Dessertwein reichte.
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„Bei der ersten Lese ist der Ertrag immer überschaubar“, beschreibt Blöser die Ernte. Deswegen wurde der Jahrgang 2018 in kleinen Flaschen mit 0,375 Liter angeboten. 470 kamen in den Verkauf. Die Kundschaft war überzeugt, und der Jahrgang 2019 liegt nun in den handelsüblichen 0,75-Literflaschen – allerdings noch ohne Etikett – im wohltemperierten Weinkeller. 1000 Liter wurden abgefüllt, denn der Ertrag wächst mit den Pflanzen. „30 Jahre oder noch länger kann eine Rebe abgeerntet werden“, erklärt Blöser, der auch einen Abschluss als Weinbautechniker hat. „Allerdings ist der Titel Winzermeister bei den Kunden besser bekannt und beliebter.“ Sein Handwerk hat er in Ahrweiler, Eltville und auf dem elterlichen Hof „von der Pike auf gelernt“.
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Die Weinlese im Herbst ist bei den Blösers schon seit Jahrzehnten eine Angelegenheit für das Dorf. Jung und Alt helfen gern bei der Ernte auf den 7,2 Hektar im Siebengebirge. Abends sitzen noch viele Dörfler gemeinsam im Hof, und das ein oder andere Gläschen vorheriger Jahrgänge wird gern getrunken. „Es wird ja Platz im Keller für den neuen Jahrgang gebraucht“, kommentiert Blöser trocken.