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Vor Duell beim Ex-KlubLeistner leidet mit einem Kölner und spricht vom „Schandfleck“ seiner FC-Zeit

Lesezeit 6 Minuten
04.12.2024, Fussball: DFB Pokal, Saison 2024/2025, Achtelfinale, 1. FC Koeln - Hertha BSC Berlin im RheinEnergieStadion in Koeln. Zweikampf zwischen Toni Leistner Hertha BSC Berlin, 37 und Linton Maina 1. FC Koeln, 37. Wichtiger Hinweis: Gemaess den Vorgaben der DFL Deutsche Fussball Liga bzw. des DFB Deutscher Fussball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoaehnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. Foto: Kirchner-Media/TH *** 04 12 2024, Football DFB Cup, Season 2024 2025, Round of 16, 1 FC Koeln Hertha BSC Berlin at RheinEnergieStadion in Koeln duel between Toni Leistner Hertha BSC Berlin, 37 and Linton Maina 1 FC Koeln, 37 Important note In accordance with the regulations of the DFL German Football League and the DFB German Football Association, it is prohibited to utilize or have utilized photographs taken in the stadium and / or of the match in the form of sequential images and / or video-like photo series Foto Kirchner Media TH Copyright: xKirchner-Media/THx

Hertha-Kapitän Toni Leistner (l.) im Duell mit Kölns Linton Maina. Am 4. Dezember verloren die Berliner ein packendes Pokalspiel beim FC 1:2 nach Verlängerung.

Toni Leistner spricht über das Duell der Traditionsklubs am Samstag, Schlüsselspieler, Erwartungen und seine ereignisreiche Karriere.

Toni Leistner hat in seiner Karriere schon einiges erlebt. Für den 34-jährigen Innenverteidiger ist Hertha BSC bereits die achte Profi-Station. Eine davon war auch der 1. FC Köln. 

Vor dem Duell am Samstag (20.30 Uhr) in Müngersdorf spricht Herthas Kapitän im Interview über seine kurze, aber turbulente Zeit beim FC, Schlüsselspieler auf beiden Seiten, Revanche-Gelüste und seine ereignisreiche Karriere.

Herr Leistner, Sie wechselten im Januar 2020 von den Queens Park Rangers aus London als Leihspieler zum FC. Welche Erinnerungen haben Sie an das halbe Jahr in Köln?

Da muss ich unterscheiden: Persönlich war es für mich eine Zeit, die zwar kurz war, aber auf die ich gerne zurückblicke. Ich habe fast immer gespielt und mich allgemein in Köln und beim FC wohlgefühlt. Ich habe einige Freundschaften schließen können. Es war eine intensive, aber auch eine merkwürdige Zeit. Sportlich ging es super los, wir hatten einen richtigen Lauf. Ich erinnere mich auch gerne an das Heimspiel gegen Schalke, das wir nach einem begeisternden Spiel vor 50.000 Fans mit 3:0 gewannen. Dann kam Corona und unser erstes Geisterspiel im Derby in Gladbach. Danach war es ohne Fans wie abgerissen. Wir sind richtig in die Abwärtsspirale geraten.

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Das war der Schandfleck der Saison.
Toni Leistner über sein letztes Spiel für den 1. FC Köln

Ihr letztes Spiel im FC-Trikot war das 1:6 in Bremen...

...das war der Schandfleck der Saison. Wir hatten zuvor den Klassenerhalt geschafft, es war viel Last von uns allen abgefallen. Wir sind bereits vor dem Spiel alles zu locker angegangen, selbst unser damaliger Trainer Markus Gisdol war mit den Gedanken schon im Urlaub. Das war insgesamt keine gute Spielvorbereitung.

Wären Sie gerne länger beim FC geblieben?

Ich hätte mir das vorstellen können. Aber nach Corona konnte keiner wirklich planen. Als Leihspieler musste ich erst einmal nach London zurück. Der FC wiederum hatte zur neuen Saison acht oder neun Innenverteidiger im Kader. Der FC und ich sind nicht mehr zueinandergekommen. Da aber alles klar kommuniziert worden war, konnte ich mit der Entscheidung leben.

Sie sprachen von Freundschaften. Halten einige bis heute?

Ich habe heute immer noch einen Draht zu Jonas Hector. Oder zu Tony Modeste und Mark Uth. Ich bezog das aber nicht nur auf Spieler, sondern auch auf Leute aus Köln oder aus dem Umfeld des Vereins.

Uth verließ den FC ebenfalls im Sommer zu seinem Stammklub Schalke 04, kehrte dann 2021 wieder nach Köln zurück und wurde seitdem immer wieder von Verletzungen heimgesucht. Können Sie sich ihn hineinversetzen?

Da leidet man mit. Mark ist nicht nur ein sehr starker, sehr schlauer Spieler, sondern auch ein guter Typ. Natürlich ist es auch bitter für die Mannschaft, wenn ein Spieler seiner Klasse so lange ausfällt. Dass er sich nach so vielen Rückschlägen immer wieder zurückgekämpft hat, davor ziehe ich meinen Hut.

Nach Stationen beim Hamburger SV und St. Truiden in Belgien spielen Sie nun seit Juli 2023 in Berlin. Wie kam es, dass Sie, der frühere Union-Profi, bei Lokalrivale Hertha BSC zum Publikumsliebling wurden?

Natürlich wurde ich als Ex-Unioner nicht von jedem mit offenen Armen empfangen. Aber ich denke, die Fans haben es schnell honoriert, dass ich Leistung gebracht und mich für Hertha voll reingehauen habe. Wie zu Beginn meiner Zeit, als ich mir im Spiel gegen den HSV die Nase gebrochen hatte, aber dennoch mit getackerter Nase weiterspielte. Das alles trug dazu bei, dass sich das Blatt schnell wendete.

Sie waren vor Ihrer Hertha-Zeit Kapitän von QPR, dem HSV und St. Truiden. Auch Pal Dardai, der damalige Hertha Coach, ernannte Sie zum Mannschaftsführer und gab Ihnen den Spitznamen „Papa Bär“. Stört Sie das?

Damit habe ich kein Problem. Die jungen Spieler können gerne auf mich zukommen und nach Rat fragen. Mein Anspruch ist es, voranzugehen und mit meiner Erfahrung zu helfen.

Hertha ist bereits Ihr achter Profi-Klub. Brauchen Sie die Abwechslung?

Es gibt sehr viele Spieler, die noch viel öfter den Klub gewechselt haben als ich. Man kann in dem Geschäft auch nicht immer alles genau planen und ist auch von Faktoren abhängig, die man nicht oder nur wenig selbst beeinflussen kann. Es war immer mein Traum, einmal in England zu spielen. Den habe ich mir in London erfüllt. Sportlich hat es gepasst, und meine Familie hat sich dort auch wohlgefühlt. Wir hatten ein schönes Haus im Stadtteil Ealing. Nur für unseren Hund Eddy war es schlimm – es gab dort einfach zu viele Füchse, die ihn immer wieder gepiesackt haben (lacht).

Wir müssen uns auch eingestehen, dass wir die schwierige Situation zu lange schöngeredet haben.
Leistner über Herthas Saisonverlauf

Jetzt leben Sie wieder in einer Weltstadt. Sportlich hingegen verläuft die Saison für Hertha enttäuschend. Dabei sollte mit dem vorhandenen Kader deutlich mehr möglich sein. Warum wird die Mannschaft den Erwartungen nicht gerecht?

Es gibt bestimmt mehrere Gründe: Ende August war der Kader nicht mehr der gleiche wie noch in der Vorbereitung, da uns mit Haris Tabakovic (wechselte zur TSG Hoffenheim, d. Red.), dem Torschützenkönig der vergangenen Saison, und Marc Oliver Kempf (der Innenverteidiger schloss sich dem italienischen Erstligisten Como an, d. Red.) zwei ganz wichtige Spieler verlassen hatten. Dann kamen riesige Verletzungssorgen dazu, die man irgendwann einfach nicht mehr kompensieren konnte. Aber ich will nicht nach Ausreden suchen. Wir müssen uns auch eingestehen, dass wir die schwierige Situation zu lange schöngeredet haben. Denn es ist richtig, dass wir mit unserem Kader, der immer noch über genügend Qualität verfügt, besser dastehen müssten.

Ihre Mannschaft musste auch mehrere Monate auf Fabian Reese verzichten, der für viele der beste Spieler der 2. Bundesliga ist. Wie sehr hat er Hertha gefehlt?

Seine Tore und aktuellen Leistungen sprechen für sich. Ich merke jeden Tag, wie viel Qualität der Junge hat. Auch für mich als gestandenen Innenverteidiger ist es kein Vergnügen, ihn im Training zu verteidigen. Wir haben ihn schmerzlich vermisst, er ist sicher einer der besten, wenn nicht der beste Spieler der Liga.

Auch dank Reese gewann Hertha die vergangenen beiden Spiele in Braunschweig (5:1) und gegen Karlsruhe (3:1) deutlich. Ist das schon ein Aufwärtstrend?

Wir haben den Abstand auf den Relegationsrang auf acht Punkte vergrößert. Für uns geht es darum, den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu sichern. Wir sind aber nicht nur vorne gefährlicher geworden und kommen schneller vor das Tor, sondern stehen auch hinten dank der Umstellung auf die Dreierabwehrkette sicherer. Unser neuer Trainer Stefan Leitl hat da schon etwas bewegen können.

Anfang Dezember spielten Sie mit Hertha bereits im Pokal-Achtelfinale in Köln. Und verloren durch ein Tor in der Nachspielzeit der Verlängerung mit 1:2. Ist die Partie noch im Kopf?

Das Spiel hat uns damals schon einen Knacks gegeben. Es war alles äußerst unglücklich gelaufen. Wir waren nach einer frühen Rote Karte fast 100 Minuten in Unterzahl und boten dem FC dennoch einen aufopferungsvollen Kampf. Ich war stolz aufs Team. Dennoch war es ein absoluter gebrauchter Tag für uns. Vor dem Spiel, weil wir zu spät im Stadion ankamen, im Spiel und auch danach. Beim Rückflug mussten wir wegen Nebels am Flughafen nach Hannover ausweichen und dann in der Nacht zweieinhalb Stunden mit dem Bus zurück nach Berlin fahren. Einen Tag später mussten wir bereits nach Fürth reisen – und auch hier hatte der Zug Verspätung. Da kam eins zum anderen.

Marvin Schwäbe hat seiner Mannschaft oft die Punkte gerettet. Er ist der Kölner Unterschiedsspieler.
Leistner über den FC-Torwart

Was erwarten Sie nun für ein Spiel am Samstagabend?

Ein sehr intensives. Wir wollen gewinnen und auf Sieg spielen. Ich denke, der Druck für den FC ist noch etwas größer, da die Kölner die Tabellenführung verteidigen wollen. Wir haben in dieser Saison jetzt zweimal knapp gegen den FC verloren (zudem 0:1 in der Liga, d. Red.), da wollen wir jetzt Revanche nehmen. Wir wissen natürlich auch, dass es nicht einfach wird – erst recht nicht in dem Hexenkessel in Köln. Der FC hat sich stabilisiert und gewinnt die Spiele, die auf Messers Schneide stehen. Und dies auch dank Marvin Schwäbe, der seiner Mannschaft wie zuletzt in Paderborn oft die Punkte gerettet hat und für mich der beste Torwart der Liga ist. Er ist der Kölner Unterschiedsspieler.

Wer steigt auf?

Der FC und der HSV werden es schaffen – unabhängig von unserem Spiel in Köln.

Und wie geht es bei Ihnen ab Sommer weiter? Ihr Vertrag läuft am 30. Juni aus...

Was den Vertrag angeht, ist noch keine Entscheidung gefallen. Für mich steht aber fest, dass ich noch mindestens ein Jahr weiterspielen will – ob nun bei Hertha oder woanders.