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„Dann muss man auch angepisst sein“Robert Andrich kämpft um Platz in Leverkusens Luxus-Mittelfeld

Lesezeit 3 Minuten
Robert Andrich im Spiel bei Holstein Kiel

Robert Andrich im Spiel bei Holstein Kiel

Der Nationalspieler war in der Rückrunde der Double-Saison gesetzt. Nun ist er im Ranking abgerutscht.

36 Pflichtspiele hat Bayer 04 Leverkusen in der Saison 2025/26 bislang absolviert – aufgeteilt in Bundesliga (23), Champions League (8), DFB-Pokal (4) und Supercup (1). Sieben Profis genießen unter Trainer Xabi Alonso mehr oder weniger eine Einsatz-Garantie: Jonathan Tah (35 Einsätze), Granit Xhaka (36), Edmond Tapsoba (35), Alejandro Grimaldo (34), Piero Hincapie (33), Florian Wirtz (36) und Jeremie Frimpong (35). Im Normalfall bildet dieses Septett das Gerüst der Werkself und hat die mit Abstand meisten Einsatzzeiten. Geschont werden hin und wieder die Offensivkräfte Wirtz, Frimpong und Grimaldo. Allerdings nur für eine Halbzeit – eingewechselt werden sie fast immer.

Sieben Spieler sind unter Xabi Alonso mehr oder weniger gesetzt

Auf den verbleibenden Plätzen gibt es keine klassischen Stammkräfte für Xabi Alonso, nicht einmal im Tor, wo sich Lukas Hradecky und Matej Kovar die Rolle der Nummer eins teilen. Hier entscheiden die Qualitäten des Gegners, die Tagesform oder der Grad der Belastung – und natürlich Xabi Alonsos persönliche Präferenzen. Im luxuriös besetzten Mittelfeldzentrum ist Exequiel Palacios in den wegweisenden Partien aktuell der Spieler der Wahl für den Platz neben Xhaka. Und im Angriff haben Patrik Schick und Rückkehrer Amine Adli die Nase vorn.

Als Konsequenz bedeutet das: Viele ambitionierte und namhafte Nationalspieler kommen in Leverkusen derzeit nicht auf die Einsatzzeit, die sie im eigenen Selbstverständnis vielleicht verdient hätten. „Wir haben einen riesigen Kader, einen riesig-guten Kader. Man kann leider nicht 22 Spieler aufstellen“, erklärte Robert Andrich, einer jener Profis, die zwischen Bank und Startelf pendeln, nach dem 2:0-Sieg bei Holstein Kiel. „Natürlich nervt es einen, wenn man zu wenigen Einsätzen kommt. Dann muss man auch angepisst sein“, sagte der 30-Jährige. In den jüngsten Highlight-Spielen gegen die Bayern, im Pokal gegen Köln oder in der Königsklasse gegen Inter Mailand sowie Atlético stand Andrich nur eine Minute auf dem Feld. Xabi Alonso schätzt die fußballerischen Qualitäten von Palacios und Aleix Garcia mehr als den Kampfeswillen des deutschen Nationalspielers.

Bei Holstein Kiel durfte Robert Andrich 90 Minuten spielen

In Kiel durfte Andrich über 90 Minuten ran. Gegen das harmlose Tabellenschlusslicht hatte der gebürtige Potsdamer an der Seite von Xhaka keine große Mühe, das Spiel im Zentrum zu kontrollieren – konnte allerdings auch keine offensiven Akzente setzen, um sich nachhaltig für eine Startelf-Berufung beim anstehenden Champions-League-Achtelfinale gegen die Bayern zu bewerben. Andrich kam auf 42 Ballkontakte und absolvierte neun Sprints. Nebenmann Xhaka hatte mehr als doppelt so viele Ballaktionen (86) und legte 15-mal den Turbo ein. Der Schweizer ist Herz des Leverkusener Spiels – Andrich derzeit nur ein Zuarbeiter.

In der Double-Saison war der Nationalspieler gerade in der Rückserie im Kampf um die Titel unverzichtbar und neben Xhaka auf der Doppel-Sechs gesetzt. In dieser Zeit entwickelte Andrich auch eine beeindruckende Selbstverständlichkeit bei Fernschusstoren, die dem Werksklub mehrfach die Serie ohne Niederlage retteten. Die laufende Spielzeit nimmt offenbar einen umgekehrten Verlauf: Zu Beginn, als Palacios sich noch von seiner Verletzung erholte und Aleix Garcia noch mit der Eingewöhnung beschäftigt war, hatte Andrich seinen Platz sicher. Seit Beginn der Rückrunde wurde er vom Argentinier und vom Spanier in die zweite Reihe verdrängt. Trainer Xabi Alonso gibt auf Fragen nach der Zufriedenheit von Ersatz- oder Ergänzungsspielern in der Regel immer die gleiche Antwort: „Alle Spieler sind wichtig, wir brauchen sie alle.“

Jonas Hofmann ist komplett außen vor

Deutlich härter als Andrich hat es einen anderen ehemaligen Stammspieler getroffen: Spätestens seit der Verpflichtung von Emiliano Buendia im Winter ist Jonas Hofmann komplett außen vor. 2025 kommt der Routinier erst auf 32 Spielminuten in drei Kurzeinsätzen. Und hat, gerade nach dem starken Comeback von Adli, kaum Aussichten auf mehr Spielzeit.