Klara Bühl hat sehr selten schlechte Laune, sorgt für Glücksbringer - und Tore: Wenige Monate vor der Fußball-EM wird die Münchnerin immer wichtiger.
DFB-FrauenBeidfüßig und fix bei Handarbeiten: Klara Bühl

Gute-Laune-Faktor im DFB-Team: Klara Bühl (l.).
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Auch die knackige Trainingseinheit bei ungemütlichen Temperaturen auf dem DFB-Campus beendet Klara Bühl mit einem breiten Lächeln. Sonnenschein, Maskottchen-Macherin und vor allem Weltklasse-Stürmerin: Bühl wird bei den deutschen Fußballerinnen im EM-Jahr besonders gebraucht - und geschätzt.
Auf dem Weg zur Europameisterschaft im Juli in der Schweiz hat Bundestrainer Christian Wück so manche Baustelle und noch kein eingespieltes Team. Umso mehr kommt es auf Bühl und ihre Qualitäten auf Linksaußen an. Sie ist eine, die vorangehen kann, und einer der wenigen Fixpunkte beim Umbruch.
„Man hat gesehen, was wir leisten können. Man hat gesehen, was wir auf den Platz bringen können“, sagt die 24-Jährige vom FC Bayern - allen Skeptikern zum Trotz - vor den beiden nächsten Nations-League-Spielen: Am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) in Dundee und am kommenden Dienstag (17.45 Uhr/ARD und KiKA) in Wolfsburg geht's gegen Schottland. Danach bleiben nur noch zwei Länderspiele vor der EM.

Auch bei öffentlichen Auftritten wirkt Klara Bühl authentisch.
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Im Nationalteam verfügt Bühl über gleich zwei Alleinstellungsmerkmale. Eine Besonderheit hat mit Fuß-, die andere mit Handarbeit zu tun. „Ich kenne niemanden, der so beidfüßig ist wie sie. Diese Qualität besitzen im Frauen- und im Männerbereich nur sehr, sehr wenige“, sagte Wück in einem „Kicker“-Interview über seine Angreiferin.
Ein kraftvoller Antritt, mit einem Haken vorbei an der Gegenspielerin und ein Schrägschuss oder eine präzise Flanke - so sieht Bühls Ideallinie aus.
Bühls gehäkeltes Maskottchen mal mit, mal ohne Fortune
In den sozialen Medien ist Bühl auch für etwas anderes bekannt: Sie häkelte und präsentierte unter großer Anteilnahme der Fans - zum Beispiel bei der Namenssuche - die DFB-Maskottchen der vergangenen beiden Turniere.
Der Koala Waru brachte den deutschen Fußballerinnen bei der WM 2023 in Australien allerdings kein Glück - Aus in der Vorrunde. Aber Otter Ottiene: In Frankreich holten Bühl und Co. im vergangenen Jahr unter Chefcoach Horst Hrubesch Olympia-Bronze. Ein Wolltier für die EM im Sommer hat Klara Bühl noch nicht. „Einfach mal schauen, wie's kommt, wie's wird“, sagt sie.

Klara Bühl hat vor den letzten beiden Turnieren ein Maskottchen für das Nationalteam gehäkelt.
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Fest steht inzwischen, dass die 64-fache Nationalspielerin (27 Tore) weiter in München spielt. Ihre Vertragsverlängerung bis 2027 freut neben Wück („Es geht auch um den Standort Deutschland, um unsere Bundesliga“) vor allem den FC Bayern. Für den Titelverteidiger und Tabellenführer ist Bühl „eine sehr wichtige Spielerin und gibt der Mannschaft auf und neben dem Platz unglaublich viel“, meint Direktorin Bianca Rech.
Beim großen FC Barcelona im Gespräch
Die frühere Freiburgerin soll auch beim FC Barcelona, dem derzeit wohl besten Vereinsteam der Welt, auf dem Zettel gestanden haben. „Dass von so einem Verein Interesse kommt, macht mich stolz“, sagt Bühl. „Ich muss zugeben, ich habe das eine oder andere Mal darüber nachgedacht.“ Sie habe aber ihrem „Bauchgefühl“ vertraut und darauf, dass „ich noch eine lange Karriere vor mir habe, um eine solche Chance wahrzunehmen“.
Bei öffentlichen Auftritten wie diese Woche bei einer DFB-Pressekonferenz zeichnet Bühl etwas aus, was im Profigeschäft - auch der Frauen - oft irgendwann verloren geht: eine hohe Authentizität. Ihre Gefühlslage steht ihr meist ins Gesicht geschrieben - und sie macht auch keinen Hehl daraus.
Mit München auf Meisterkurs
„Am wichtigsten ist es, sich selbst treu zu bleiben“, sagte Bühl kürzlich in einer Titelstory der neuen UEFA-Plattform „Queenzine“ zur Champions League. Die Saison in der Königsklasse ist für Bühl allerdings beendet. 0:2 und 1:4 hieß es für Bayern im Viertelfinale gegen Olympique Lyon. Das einzige Tor in beiden Spielen erzielte Bühl.
Zuletzt sorgte sie mit dafür, dass die Münchnerinnen in der Liga auf Meisterkurs bleiben. Beim 2:0 gegen Leverkusen gelang ihr der erste Treffer selbst, den zweiten bereitete sie vor. Auf solche Momente setzt Wück auch im Nationalteam. Dafür schätzt er Bühl, dafür braucht er sie. Spätestens bei der EM. (dpa)