Grandioser Kuchen, aber auch eine ambitionierte Abendkarte sind die Trümpfe dieser Kölner Institution, findet unsere Kritikerin Julia Floß.
Julias LieblingsortWarum das Café Sehnsucht in Ehrenfeld immer noch ein Volltreffer ist

Ein Dauerbrenner in Ehrenfeld, und das zurecht: Das Café Sehnsucht
Copyright: Leah Strube
Das Café Sehnsucht ist seit über 40 Jahren eine feste Ehrenfelder Institution. Am Wochenende wird das hübsche Lokal regelmäßig von Frühstück- und Kuchen-hungrigen Gästen überrannt und jeder freie Tisch ist hart umkämpft. Vor knapp zwölf Jahren schrieb ich meine allererste Kolumne für den „Kölner Stadt-Anzeiger“, das Café Sehnsucht taugte bereits zum Lieblingsort. Damals war Monika Linden die Gastgeberin, die das Lokal in den frühen 90ern von Regina Würfel übernommen hatte. Seit 2018 sind die Betreiber Leah Strube, Dominik Khan Rana und Max Strube. Ging es früher hauptsächlich um die legendäre Kuchenauswahl und das üppige Frühstücksangebot, so hat sich die Abendkarte mittlerweile längst etabliert.
Die Auswahl ist ein wilder Ritt durch sämtliche Landesküchen, was eher selten ein gutes Zeichen ist. Allzu oft liest sich die Karte besser, als die Umsetzung schmeckt, und in der Folge variiert die Qualität der einzelnen Teller stark. Im Café Sehnsucht werden japanische, italienische, spanische, skandinavische und französische Einflüsse bunt gemischt. Mal funktioniert das sehr gut, wie beim Lauchsoufflé, und mal wirkt der Teller aromatisch überladen, wie etwa beim Zander.
Ganz grundsätzlich ist das Nörgeln auf hohem Niveau. Die Küchenleistung ist durch und durch stabil. Jeder Teller wurde bis aufs letzte Saucen-Tröpfchen leer geputzt und ich freue mich jetzt schon auf die Frühjahrs-Gerichte. Die Bedürfnisse von Vegetarier*innen und Veganer*innen werden völlig selbstverständlich und charmant in die Speisenauswahl integriert.
Ich war einigermaßen unsicher, was ich mir unter einem Lauchsoufflé vorstellen muss. Ein klassisches Soufflé ist eine äußerst fragile, luftige Angelegenheit, die innerhalb weniger Minuten zusammenfällt, sobald sie den Ofen verlässt. Das Lauchsoufflé kommt da schon robuster daher und erinnert an einen extrem fluffigen Semmelknödel mit zarten Lauchstückchen im Teig. Die wuchtige Romesco Sauce aus gebrannter Paprika, Knoblauch und Mandeln müsste nicht sein, weil das Soufflé saftig genug ist. Sie bleibt aber eine schöne Ergänzung und man ist ein bisschen traurig, wenn der Teller leer ist.
Wie ein Knödel zu Missverständnissen führen kann
Offenbar führt der Kräuterknödel des Öfteren zu Missverständnissen, weil Gäste mit unterschiedlichen Kloß-Vorstellungen an die Sache ran gehen. Im Sehnsucht wird weder Kartoffel- noch Hefeteig zu Kugeln geformt. Der Kräuterknödel ist ein reichlich kompakter Semmelkloß, allerdings aus Semmelmehl oder die Brotstücke werden sehr lange geknetet, so dass eine einheitliche Masse entsteht. Ich habe ein bisschen die Kräuter vermisst (und die Fluffigkeit des Lauchsoufflés). Eine schwere, cremige Sauce aus Ziegenkäse und die gebratenen Birnen machen aus dem Teller ein deftiges Wintergericht.

Miso Zander - die Aromen machen sich Konkurrenz.
Copyright: Floß
Der Miso Zander: Zum zart gebratenen Fisch wird erneut die kräftige Sauce aus Paprika, Knoblauch und Mandeln gereicht. Die Wiederholung ist nicht besonders elegant, aber lecker. Allerdings wird die Miso-Note komplett überlagert und der Knollensellerie am Kartoffelstampf reißt jede Aufmerksamkeit an sich.
Nicht den Sizilianern sagen: Arancino in fruchtiger Tomatensauce ist sehr gut!
Das Arancino wird in einer herrlich fruchtigen Tomatensauce serviert, was ich persönlich sehr gut finde. In Sizilien darf man das nicht laut sagen, aber ich dachte schon oft beim Genuss von frittierten Reisbällchen: „Und jetzt noch ein bisschen Sauce.“ Die überraschend feine Pilzfüllung ist kräftig mit Thymian abgeschmeckt.
Kommen wir zur Wildcard. Ich dachte, der frittierte Tofu wird der schwächste Teller und hätte mich nicht mehr täuschen können. Die blassen Tofuwürfel überzeugen mit einer hauchfeinen Knusperhülle. Der Pak Choi-Sesam-Salat mit eingelegtem Ingwer und Rettich ist wirklich gut abgeschmeckt und der Teller ist total stimmig. Ähnliches lässt sich über das Pilzrisotto mit Kräuterseitlingen und Babyspinat sagen. Uneingeschränkt empfehlenswert.
Café Sehnsucht, Körnerstraße 67, 50823 Köln, Tel. 0221/528347, Öffnungszeiten: Mo-Do 9-23 Uhr + Fr-Sa 9-0 Uhr + So 9-19 Uhr, sehnsucht-koeln.de

Kuchen ist im Café Sehnsucht eine Attraktion.
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Meine Auswahl:
Agedashi Tofu // Knuspriger Tofu mit Pak Choi-Sesam-Salat, Ingwer und Rettich // 13 Euro
Lauchsoufflé mit Romesco Sauce und eingelegten Radieschen // 11 Euro
Arancini // Frittierte Reisbällchen mit Pilzfüllung, Tomatensugo und Parmesan // 13 Euro
Miso Zander mit Kartoffel-Sellerie-Püree, wildem Brokkoli und pikanter Paprika-Mandel-Creme // 25 Euro
Pilzrisotto mit Kräutersaitlingen, Babyspinat und Parmesan // 19 Euro
Kräuterknödel mit Ziegenkäseschaum, gebratenem Chicorée und Birne // 19 Euro