Die Kölnerin Maria Korte feierte am 22. März ihren 100. Geburtstag. Sie mäht noch selbst den Rasen und liest täglich die Zeitung.
Noch im eigenen Haus100-jährige Kölnerin schwört auf Arbeit – und Eierlikör

Prost! Maria Korte aus Dellbrück feierte ihren 100. Geburtstag.
Copyright: Martina Goyert
Immer, wenn Tochter Ruth mit ihrem Enkel kommt, gibt es Eierlikör mit Schokohütchen. „Das gönne ich mir ganz gern“, sagt Maria Korte mit einem Glucksen. Am Samstag, 22. März, gab es den Eierlikör und dazu noch ein Glas Sekt zu einem besonderen Anlass: Da hat Korte, die 1949 mit ihrem Mann Helmut nach Köln kam, in ihrem Eigenheim in Dellbrück ihren 100. Geburtstag gefeiert.
Ja, die 100-Jährige lebt noch allein im eigenen Haus mit kleinem Garten. Sie mäht auch noch selbst den Rasen („Obwohl das langsam schwierig wird“), vor ein paar Wochen ist sie auf die Leiter gestiegen, um die Regenrinne zu säubern („Das fand meine Tochter nicht gut“). Einmal am Tag kommt der Pflegedienst, um die Kompressionsstrümpfe anzuziehen, das Essen wird seit kurzem geliefert, und jeden Montag geht Korte bis nachmittags in eine Tagespflegeeinrichtung, in der sie Gesellschaft hat. Sie könnte jeden Tag dorthin, will sie aber nicht.
Und ins Seniorenheim, sagt Maria Korte, habe sie erst recht nie gewollt. „Ich stand immer gern auf eigenen Beinen“, sagt die 1925 in Oberfrielinghausen bei Lindlar geborene Frau und lacht. Ihre Tochter Ruth, geboren 1951, geht noch ein bisschen weiter: „Meine Mutter lässt nicht gern zu, dass man ihr hilft“, sagt sie, „sie war immer ein bisschen eigen und hat am liebsten ihr Ding gemacht.“ „Ich habe einfach ganz normal gelebt“, sagt die Mutter.
Unser Sohn starb, als er drei war. Damit klarzukommen, war sehr schwer
Großgeworden ist Maria Korte auf einem Bauernhof im Bergischen, als Mädchen musste sie früh mit anpacken. In Köln kam 1951 zuerst Ruth zur Welt, vier Jahre später folgte Sohn Hartmut, der im Alter von drei Jahren starb – „damit klarzukommen, war sehr schwer“. Maria Korte war 40, als Nachzügler Wolfgang auf die Welt kam. Acht Jahre später starb mit nur 58 Jahren ihr Mann. Maria Korte begann jetzt, halbtags im Bundesverwaltungsamt zu arbeiten – und baute ein Haus in Dellbrück. Die Eigentumswohnung in Mülheim und eine weitere Wohnung vermietete sie.
Bescheiden, sparsam, zielstrebig und diszipliniert – so beschreibt Tochter Ruth ihre Mutter. Karneval oder Vereine interessierten sie nicht. Dafür Hand- und Gartenarbeit, Reisen und Lesen. Die Augen sind immer schwächer geworden, eine OP hat es ihr ermöglicht, wieder die Zeitung zu lesen – mit Lupe, jeden Morgen, „von Politik bis Köln, alles“.
„Arbeit, Familie, nach vorn schauen und immer annehmen, was kommt“, sagt sie auf die Frage, was ihr geholfen habe, so alt zu werden. „Ich habe nie etwas getan, von dem ich später gesagt hätte: Das hättest Du niemals tun dürfen.“ Ein Gläschen Eierlikör – „dazu sage ich sehr gern Ja!“