Die Dreharbeiten zum 96. Kölner „Tatort“ sind Anfang März gestartet. Der Handlungsort stellt das Team vor außergewöhnliche Herausforderungen.
Ausstrahlung 2026„Die Enge ist beklemmend“ – Neuer Kölner „Tatort“ spielt im Atombunker

Im Tatort „Die letzten Menschen von Köln“ schlüpfen die Schauspieler Dietmar Bär (links) und Klaus Behrendt wieder in ihre Rollen als Kriminalhauptkommissare Alfred Schenk und Max Ballauf.
Copyright: Alexander Schwaiger
Wo sich für gewöhnlich zwischen schmalen Gängen, Schlafsälen mit dreistöckigen Etagenbetten und dem grellen Licht der künstlichen Notbeleuchtung die „Dokumentationsstätte Kalter Krieg“ befindet, arbeitet in diesen Tagen eine Film-Crew: Im Atombunker in Kalk an der U-Bahn-Station Kalk-Post laufen die Dreharbeiten zum 96. Kölner „Tatort“ „Die letzten Menschen von Köln“. Seit 28 Jahren dabei sind Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk.

Der Atombunker in Kalk ist über die U-Bahn-Station „Kalk-Post“ erreichbar. V. l.: Dietmar Bär, Katharina Schüttler, Florian Stetter, Klaus Behrendt am Set des neuen Tatorts.
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„Das Schöne am Tatort ist, dass wir auch nach 28 Jahren noch immer besondere und eben auch neue Drehorte finden. Wir waren im Colonius, wir waren in der Oper – und jetzt ist der Atombunker wiederum ein neuer Ort“, sagt Bär. Die Kölner Tatort-Folgen zeigen zudem ein Stück Stadtgeschichte: So ermittelten die Kommissare 1997 noch im alten Rheinauhafen – die Kranhäuser gab es damals noch nicht. Die berühmte Wurstbraterei stand von 2013 bis 2020 im Rheinauhafen am Südkai.
Für die Dreharbeiten wurde die Imbiss-Bude ans Deutzer Rheinufer transportiert, wo sich Ballauf und Schenk nach fast jedem abgeschlossenen Fall einen Snack und ein Kölsch gönnten. Erstmals war sie dort 2001 im 16. Fall „Mördergrube“ zu sehen. Zuletzt war sie 2021 in der Episode „Wie alle anderen auch“ zu sehen. Mehr als 60 Jahre war die Wurstbraterei in Familienbesitz, nach der Geschäftsaufgabe in der Corona-Zeit zog der Wagen dauerhaft um: ins Freilichtmuseum Kommern in der Eifel.
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Die Stadt hat sich verändert
Nicht nur die Stadt habe sich mit den Jahren verändert, sagt Bär. Sowohl die Technik als auch Erzählweise sowie das höher werdende Tempo der Drehs seien nicht mehr mit früher zu vergleichen. „Auch wir haben uns verändert, wenn ich mir ältere Filme so anschaue“, betont der 64 Jahre alte Schauspieler und schmunzelt. Diese Veränderungen seien aber etwas Gutes: „Routine wäre der Tod. Dann wäre vielleicht auch das Echo nicht so groß, was wir immer noch haben“, sagte er mit Blick auf die nach wie vor hohen Zuschauerzahlen.
Die vergangenen Kölner „Tatort“-Filme hatten jeweils rund zehn Millionen Zuschauer. Durch die vielen Veränderungen werde ihm auch nach 27 Jahren als Kommissar nicht langweilig: „Es sind immer wieder neue Bücher, neue Fälle und wie jetzt spannende neue Sets“, erläuterte der Schauspieler.

Ermittelt wurde auch schon auf dem Großmarkt.
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Ob in der Wagenbauhalle des Festkomitees am Maarweg oder am Großmarkt – zahlreiche bekannte Orte im Stadtgebiet sorgten schon für Lokalkolorit, von dem es auch aufgrund der westfälischen Herkunft der beiden Hauptdarsteller nicht zu viel gibt.

Einer der Kölner Drehorte: in der Wagenbauhalle des Festkomitees
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Bei den aktuellen Dreharbeiten, die bis zum 10. April geplant sind, ist auch Katharina Schüttler dabei, die 1997 schon einmal im Kölner „Tatort“ dabei war. Sie spielt die Rolle der Mordopfer-Angehörigen Elara Schmidtke. Sie nimmt im Kalker Atombunker an einem so genannten Prepper-Workshop teil, wo sich Menschen auf Katastrophen vorbereiten. Ballauf und Schenk suchen Schmidtke, weil ihr Bruder in einem Park mit einem Messer ermordet worden ist.
Dass die Gegebenheiten im Atombunker herausfordernd sein können, ist nicht aus der Luft gegriffen, wie Katharina Schüttler bestätigt: „Die Enge ist beklemmend. Am krassesten ist, dass es hier überhaupt kein Tageslicht gibt. Wenn wir zwischen einzelnen Szenen auch nur ein paar Minuten Drehpause hatten, sind wir nach draußen gegangen und haben unsere Energie in der Sonne wieder aufgeladen.“

Die Tatort-Kommissare Schenk und Ballauf im Colonius
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Der Bunker musste für die Dreharbeiten umgebaut werden, wie Robert Schwienbacher, Vorsitzender der „Dokumentationsstätte Kalter Krieg“, erklärte. So wurde alles vorübergehend entfernt, das sonst den musealen Charakter des Bunkers ausmacht. Bis zum Rückbau nach Ende der Dreharbeiten am 10. April behält dieser somit sein Aussehen als aktiv genutzter Bunker.
Ausstrahlung wahrscheinlich 2026
Ausgestrahlt wird der „Tatort“ „Die letzten Menschen von Köln“ voraussichtlich im Jahr 2026. Regie führt Marcus Weiler, das Drehbuch stammt von Eva und Volker Zahn.
Wer die jüngste Folge „Colonius“ verpasst hat, kann dies noch bis zum 9. März kommenden Jahres in der Mediathek nachholen. Am Ostersonntag (20. April) gibt es um 20.15 Uhr in der ARD „Tatort“-Nachschub aus Köln – allerdings nur eine Wiederholung der Folge „Abbruchkante“. Diese spielt weniger in Köln, allerdings ebenfalls vor einer beeindruckenden Kulisse: im rheinischen Braunkohlerevier.