Mit dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 nahm die Bedeutung des Fliegerhorstes zwar ab, verschwand aber nicht völlig.
Köln früher und heuteWelche Rolle der Fliegerhorst in Ostheim im Zweiten Weltkrieg gespielt hat

1940 besucht die Spitze der Luftwaffe den Fliegerhorst Ostheim, darunter Oberbefehlshaber Hermann Göring.
Copyright: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Am „Tag der Wehrmacht“ 1938 und 1939 konnten sich die Kölner noch in den Hallen, Unterkünften und Werkstätten umsehen, Mechanikern beim Motorwechsel zuschauen oder Flugvorführungen bestaunen. Nach Kriegsbeginn war es damit vorbei: Der Fliegerhorst Ostheim wurde umfangreich getarnt und mit Flakgeschützen gesichert. Der Ernstfall hatte begonnen.
Was heute kaum noch zu erkennen ist: Zwischen 1937 und 1945 existierte ein Militärflugplatz im heutigen Grenzgebiet zwischen Merheim, Brück und Neubrück. Es war der dritte Flugplatz in Köln neben dem Butzweilerhof und dem Fliegerhorst Wahn. Die Flugzeughallen, Soldaten-Unterkünfte und Bunker entstanden 1936 und 1937 völkerrechtswidrig und nach geheimen Vorplanungen an der nordwestlichen Seite eines birnenförmigen Start- und Landefeldes, für das in der Gemarkung Langenbrück Landwirte rund 500 Morgen Gelände hergeben mussten.

Auf dem einstigen Flugfeld sind heute Wohnsiedlungen zu finden.
Copyright: Dirk Borm
Hier, zwischen Olpener Straße, Rather Kirchweg, Ostmerheimer Straße und Autobahn 3 sind heute vor allem Wohnsiedlungen zu finden. Doch von den Wehrmachtsgebäuden ist einiges erhalten geblieben: Das Krankenhaus Merheim nutzt die ehemalige Kommandantur heute als Palliativstation und Lungenklinik, das Offizierskasino als Personal-Caféteria und Kapelle oder frühere Büros und Wohnstuben für die Pathologie und Mikrobiologie.
Historische Bausubstanz erhalten geblieben
Der Kaserneneingang mit dem Wachhäuschen ist heute als Kiosk im Einsatz. Werner Müller, Betreiber des Luftfahrtarchivs Köln, geht davon aus, dass noch mehr als die Hälfte der historischen Bausubstanz überlebt hat: „In Nordrhein-Westfalen gibt es keine zweite Anlage in dieser Art, die so gut erhalten ist." Es handele sich um ein schützenswertes Stück Kölner Stadtgeschichte.
Strategisch war der Fliegerhorst Ostheim, dessen Start- und Landefläche eine Fläche von rund 1,25 Hektar einnahm, von geringer Bedeutung. Beim Westfeldzug zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war das noch anders: In den Morgenstunden des 10. Mai 1940 starteten hier Transportmaschinen mit Lastenseglern im Schlepptau, um belgische und holländische Grenzbefestigungen anzugreifen. Das belgische Fort Eben Emael wurde von den deutschen Luftlandetruppen binnen kürzester Zeit eingenommen.
Mit dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 nahm die Bedeutung ab. Der Fliegerhorst sei bei dieser Kriegslage „praktisch nutzlos“ gewesen, schreibt Gebhard Aders im Jahrbuch „Rechtsrheinisches Köln“ von 1982. Genutzt wurde er trotzdem. Als Umschulungs- und Lehrwerkstätten für Flugzeugmechaniker etwa oder als Auftankstation für nächtliche Jagdflieger.
Fliegerhorst Ostheim mehrfach unter Beschuss
„Aber auch bei Überführungsflügen landeten die Piloten gern In Köln“, so Gebhard Aders: „Schließlich war allgemein bekannt, daß man hier ein hervorragendes Quartier bekommen konnte.“ Einer der ersten Versuchstypen des Düsenjägers Me 262 etwa habe in Ostheim Station gemacht, als er Ende 1943 Adolf Hitler in Insterburg vorgeführt werden sollte. Der Technische Offizier Walter Horten baute zudem in Ostheim ein Motorflugzeug, das nur aus einem Flügel bestand. Der Erstflug des Kunststoff-Fliegers endete 1937 noch mit einer Bruchlandung, doch der Nachfolger Typ Ho Vb zeigte sich robuster. 1941 wurde das Nurflügelflugzeug der aerodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen übergeben.
Mehrfach wurde der Fliegerhorst Ostheim beschossen. Am 28. Januar 1945 starben bei einem Angriff durch amerikanische Bomberverbände 17 junge Flakhelfer in einem selbstgebauten Stollen. Wenige Monate später besetzten amerikanische Soldaten das Gelände und machten das Flugfeld sowie die Straße ringsherum unbrauchbar. Die Zeit des Fliegerhorsts war vorbei. 1946 gingen die Gebäude an die Stadt über, die in den Kasernen eine Krankenanstalt einrichtete.
Den ehemaligen Technikbereich östlich der Ostmerheimer Straße pachtete das Pharmaunternehmen Madaus. Davon ist nichts mehr übriggeblieben. Auch von den Flugzeug-Hallen nicht. Eine von ihnen bekam ab Ende der 1940-er Jahre jedoch bei der Papierfabrik Zanders in Bergisch Gladbach ein zweite Chance – als Strohlagerhalle.
Weitere Beiträge aus der Reihe hat Autor Tobias Christ im Buch „111 Mal Köln früher und heute“ (Emons-Verlag, 30 Euro, ISBN 978-3-7408-1823-4) zusammengetragen. Die historische Entwicklung bekannter und weniger bekannter Kölner Gebäude, Plätze und Straßen wird darin mit eindrucksvollen Fotovergleichen und informativen Texten dokumentiert. (red)